10.03.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner bei der Grammer AG Signale trotz Kontaktsperre

Weder dem Management der Grammer AG, ja nicht einmal der bayerischen Wirtschaftsministerin gelang es, einen Kontakt zur undurchschaubaren Investorenfamilie Hastor aus Bosnien herzustellen. Der Besuch Ilse Aigners bei dem hochprofitablen Auto-Zulieferer setzt jedoch eindeutige Signale.

"Da ist der Stoßdämpfer im Sitz," meinte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, als sie im Grammer-Werk in einem Spezialsitz Platz nahm. Bild: Steinbacher
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Kümmersbruck. Das kommt in der Wirtschaft nicht alle Tage vor: Den demonstrativen Schulterschluss zelebrieren am Freitag die CSU-Politikerin und die IG Metall in Person ihres Bevollmächtigten Horst Ott, der Betriebsrat für die 2000 Mitarbeiter am Standort und das Management mit Vorstandsvorsitzendem Hartmut Müller - sowie indirekt auch die wichtigen Kunden. Ob diese ungewöhnlichen Allianz die feindliche Übernahme der Grammer AG durch Hastor über ihre Unternehmen Halog und Cascade verhindern kann?

An der Grammer AG hält die Familie Hastor "etwas mehr als 20 Prozent" der Aktien - möglicherweise sind es auch 30 Prozent. Vielleicht genug, um auf der Hauptversammlung am 24. Mai bei der bisher üblichen 40 bis 50 Prozent Aktien-Präsenz die Macht im Aufsichtsrat zu übernehmen und Vorstandsvorsitzenden Hartmut Müller abzusetzen.

"Arbeitsplätze sichern"

Jedenfalls unterstreichen Aigner, Müller und Ott nahezu wortgleich ihr Anliegen einer "langfristigen Sicherung der Arbeitsplätze". Wirtschaftsministerin Aigner sieht "Vertrauen" als "zentrales Thema". Damit spielt sie auf die "sehr vorsichtig" gewordenen und "verunsicherten" Kunden (Grammer-Chef Müller) an. Aigner bestätigt diese "Indizien".

Den ersten Besuch eines bayerischen Wirtschaftsministers bei Grammer überhaupt empfindet Gewerkschafter Horst Ott als "Wertschätzung" und "wohltuendes Zeichen". Die Mitarbeiter hätten tarifliche Opfer gebracht: Voraussetzung dafür, "dass Grammer heute so erfolgreich ist". Neben diesen Bekenntnissen halten sich Aigner, Müller und Ott nach einer vertraulichen Gesprächsrunde mit Erklärungen zurück. "Erleichtert" zeigt sich Betriebsratsvorsitzender Lars Roder. Vorstandsvorsitzender Müller, an dessen Stuhl Hastor sägen will, macht wiederholt deutlich, dass sich Grammer in den vergangenen Jahren vom lokalen Familienunternehmen zum internationalen Konzern mit weltweit 40 Werken und 1,7 Milliarden Euro Umsatz entwickelt habe, und dabei die Zahl der Arbeitsplätze stieg. Und von wegen zu niedrige Rendite: Grammer erzielte 2016 einen um 70 Prozent auf 72 Millionen Euro gewachsenen operativen Gewinn (4,3 Prozent vom Umsatz).

"Überraschendes Ansinnen"

"Wir unterscheiden uns von der Struktur her nicht von einem der namhaften Konzerne." Grammer-Chef Müller spricht deshalb von einem "überraschenden Ansinnen" des Aktionärs (Hastor). Denn auf der Hauptversammlung 2015 habe es keinerlei Fragen gegeben. Auch widerspreche der vermehrte Zukauf von Aktien (durch Hastor) einem mangelnden Vertrauen in das Management ...

Alle Bemühungen um Kontaktaufnahme zum Investor - auch unter Einbindung der Wirtschaftsministerin - waren nicht erfolgreich: Was Müller ebenso bedauert wie die Wirtschaftsministerin. Man bewege sich deshalb "im Bereich der Spekulationen"; Mitarbeiter, Management und Kunden seien gleichermaßen beunruhigt.

Aigner reaktionsschnell

Werkleiter Edgar Gundner führt zuvor die unter argem Termindruck stehende Wirtschaftsministerin durch einen Teil der Fertigung. Dabei schleppt Kümmersbrucks Bürgermeister Roland Strehl tapfer das "Goldene Buch" der Gemeinde mit. Die Zeit reicht schließlich noch für einen Eintrag. Für den Bürgermeister geht es bei Grammer um den mit Abstand größten Gewerbesteuer seiner Gemeinde. Die ganz in Schwarz gekleidete Ilse Aigner sackt beim Hinsetzen auf einen Baumaschinen-Sitz übrigens abrupt ab, korrigiert jedoch reaktionsschnell - und lächelnd - die kleine Talfahrt.

Ich will die Mitarbeiter mit meinem Besuch unterstützen. Es geht um die langfristige Sicherung der Arbeitsplätze. Die Situation ist schwierig - und Vertrauen ein zentrales Thema.Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU)
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