Diskussion um Wasserpreis produziert in Ammerthal vor allem gegenseitige Vorwürfe
"Verschiebungs-Bürgermeisterin"

Du bist besser als der Adam Riese.
Lokales
Ammerthal
18.04.2013
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Turbulent ging es im Gemeinderat auch bei der Beratung über die Gebührenvergleichsberechnung zu, bei der ein Ingenieurbüro die Wasserpreise in den kommenden Jahren unter verschiedenen Voraussetzungen ermittelt hatte. "Du bist besser als der Adam Riese", rief CSU-Fraktionssprecher Robert Weiß etwa Dr. Hans Lang zu, der bei einer Variante Rechenfehler moniert hatte. Lang und Karl Englhard warfen sich gegenseitig vor: "Was Sie sagen, ist unlauter!" Englhards weiterer Vorwurf an die Adresse von Lang lautete auf "Täuschung" und mündete in den Satz: "Das ist ja schlimmer als bei der Bundeswehr, da heißt es täuschen und tarnen."

Alexandra Czarnec, die eine Berechnungsvariante vorgelegt hatte, bei der nach einem angenommenen Erfolg des Bürgerentscheids die Personalkosten (zumindest für einige Zeit) nicht mehr auf den Wasserpreis umgelegt, sondern in den allgemeinen Gemeindehaushalt verschoben werden, handelte sich in der heißen Phase der Diskussion von Englhard den Vorwurf ein: "Sie sind die Verschiebungs-Bürgermeisterin!" Czarnecs Antwort: "Wenn Sie das sagen, kann ich damit leben."

Vier Varianten

Von der Sache her ging es um den Kostenvergleich bei der Ammerthaler Wasserversorgung unter verschiedenen Voraussetzungen: wenn die Anlage so weiterbetrieben wird wie bisher (Variante 1), wenn das Wasser aus Amberg bezogen wird und dabei größere Baumaßnahmen erforderlich sind, wie sie das Ingenieurbüro Seuß dargestellt hatte (Variante 2), wenn die derzeitige Wasserversorgung mit Aktivkohlefilter- und Entkalkungsanlage ertüchtigt wird (Variante 3) und wenn beim Anschluss an Amberg keine neue Versorgungsleitung gebaut, sondern lediglich eine Druckerhöhungsanlage installiert wird (Variante 4).

Mit den Kosten im Jahr 2016 lag da Variante (V) 2 mit 2,68 Euro pro Kubikmeter weit vor V 4 mit 1,51 sowie V 3 mit 1,38 und V 1 mit 1,29. Wobei Dr. Hans Lang mehrere Berechnungsfehler ausmachte, die den Wasserbezug aus Amberg teurer und die von der Gemeinderatsmehrheit bevorzugte Lösung mit Filter verbilligt hätten. Seine Kontrahenten hielten dagegen, die Zahlen habe ein unabhängiger Gutachter auf der Grundlage korrekter Werte ermittelt.
Einige Aufregung gab es um Variante 4. Diese hatte die Bürgermeisterin aus eigenem Antrieb eingebracht. Nach ihrem Willen hätten Mitarbeiter des Ingenieurbüros Seuß sie bereits in einer der vergangenen Sitzungen vorstellen sollen; der Gemeinderat hatte es aber abgelehnt, diese anzuhören.

Doch kein Verbot

Anita Weich (CWG) wollte es der Bürgermeisterin zunächst per Antrag verbieten lassen, diese Zahlen vorzutragen, da eine Variante 4 nicht vom Gemeinderat in Auftrag gegeben sei und somit quasi gar nicht existiere. Nach einigen Wortwechseln zog sie aber ihren Antrag zurück. Zum Schluss einigte sich der Gemeinderat lediglich darauf, von der Gebührenvergleichsberechnung Kenntnis genommen zu haben.
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