Baumfällaktion ohne Genehmigung in Ammerthal
Öffentliches Geständnis

Das Stammholz eines der Bäume, der abgesägt wurde, weil er "sturmgeschädigt" eine Gefahr für Zuschauer auf dem DJK-Fußballplatz sowie Passanten auf dem benachbarten Kirchensteig dargestellt haben soll. Bild: Anne Vogl.
Vermischtes
Ammerthal
23.02.2018
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Spätestens jetzt weiß ganz Ammerthal, wer Anfang des Monats mehrere Bäume auf Gemeinde- und Kirchengrund gefällt hat. Ohne Genehmigung. Die Schuldzuweisungen gehen jedoch nicht in Richtung der Täter.

Der frühere Gemeinderat der Christlichen Wählergemeinschaft (CWG), Peter Haller, meldete sich am Donnerstagabend auf der Bürgerversammlung erst recht spät zu Wort. "Wir haben die Bäume gefällt", gestand er öffentlich ein, und meinte wohl die DJK. Der eigentliche Skandal, gab das Vorstandsmitglied des Sportvereins unter dem Beifall etlicher Besucher zu verstehen, bestehe jedoch nicht darin, ohne Genehmigung auf fremdem Grund mehrere stattliche Bäume abgesägt zu haben. Sondern darin, dass das angezeigt wurde. Das verschlug für einen kurzen Moment sogar der unfreiwillig streiterprobten Bürgermeisterin Alexandra Sitter (UWG) die Worte. "Ich habe Anzeige gegen unbekannt erstattet. Sonst niemand, auch nicht die DJK", konterte sie dann. Haller ließ sich davon nicht beeindrucken. "Wieso werden wir ständig in die Pfanne gehauen?", wollte er von der Bürgermeisterin wissen und warf ihr vor, mit der Strafanzeige das zum Teil jahrzehntelange ehrenamtliche Engagement von Ammerthalern für die DJK öffentlich zu diskreditieren. Wieder Beifall. Der Berichterstattung über die Baumfäll-Aktion unterstellte das DJK-Vorstandsmitglied eine wahrheitswidrige Darstellung, da es nicht um neun, sondern nur um sechs Bäume gehe. Die seien "vom Sturm geschädigt" gewesen und hätten "eine Gefahr" für Zuschauer bei Spielen des Bayern-Ligisten oder Spaziergänger auf dem angrenzenden Kirchensteig dargestellt. An diesem Punkt mischte sich der CWG-Gemeinderat Georg Paulus ein, ebenfalls Mitglied des DJK-Vorstandes. Er könne das beweisen, Fotos lägen bei der Polizei.

"Auf fremdem Grund"

Nicht zuletzt deshalb sah sich der erst kürzlich nachgerückte Gemeinderat Horst Buhl zu einer Klarstellung veranlasst. Fakt sei, dass "auf fremdem Grund" Bäume gefällt worden seien, ohne die Eigentümer zu fragen. Zudem seien sie Teil eines Landschaftsschutzgebiets gewesen, so dass zwingend eine Genehmigung eingeholt hätte werden müssen, und von marodem Holz könne schon gar nicht die Rede sein, konterte Buhl. Er habe Aufnahmen der zersägten Stämme einem fachkundigen Bekannten gezeigt, der nicht einmal ansatzweise eine Schädigung habe erkennen können.

Nie und nimmer

Haller räumte ein, weder vom zuständigen Pfarrer, noch von der Gemeinde oder gar dem Landratsamt eine Genehmigung zum Abholzen eingeholt zu haben. Das beweise aber, dass hier lediglich ein riesengroßen Missverständnis vorliegen könne. Schließlich fälle er keine gesunden Bäume auf fremdem Grund. Und wenn es illegal hätte geschehen sollen, dann wäre die Motorsäge sicherlich nicht am helllichten Tag angesetzt worden. Dieser Argumentation wollte die Bürgermeisterin nicht folgen. Sie kündigte in drei oder vier Wochen jedoch einen Abschluss der polizeilichen Ermittlungen an. Das habe die zuständige Sachbearbeiterin in Aussicht gestellt. 

Angemerkt: Wir sind das Recht
Ach, wäre es doch eine Provinzposse geblieben. Übereifrige Vereinsmitglieder sägen aus bewussten Versehen auf fremdem Grund ein paar Bäume ab, die ihnen nicht gehören. So hätte die Geschichte mit einem Augenzwinkern weitererzählt werden können. Irgendwann wäre daraus vielleicht sogar einmal eine Anekdote geworden.

Doch wir sind in Ammerthal. Da herrschen andere Gesetze. Da ist ein Sportverein nicht der Hort wetteifernden Lokalpatriotismus', sondern zugleich politische Bastion gegen die Bürgermeisterin und die sie tragende Gemeinderatsmehrheit. Dem fünfköpfigen DJK-Vorstand gehören zwei amtierende und ein ehemaliger Gemeinderat an. Alle erklärte bis leidenschaftliche Gegner von Alexandra Sitter. Sie lassen keine noch so geringe Gelegenheit aus, der Bürgermeisterin das Leben schwer, am besten zur Hölle zu machen.

Dafür gibt es noch Szenenapplaus in der Bürgerversammlung. Wer hier welche Bäume fällt, das entscheiden immer noch die, die die Motorsäge ansetzen, gaben die geständigen DJK-Vorstände zu verstehen. Die Anzeige der Gemeinde - das ist immerhin eine Behörde - wird nun als Denunziation verunglimpft. Von Unrechtsbewusstsein keine Spur. Erschreckend.
1 Kommentar
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Lagertha Summers aus Amberg in der Oberpfalz | 28.02.2018 | 20:16  
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