Nacht-und-Nebel-Aktion mit der Motorsäge
Ein Idyll wird zum Tatort

Ammerthal am Fuße des mit Städtebaufördermitteln aufwendig hergerichteten "Vaterunser-Wegs" (rechts im Bild). Im Vordergrund ist deutlich die frische Baumscheibe einer der gefällten Erlen zu sehen. Eine Genehmigung lag nicht vor, die Gemeinde hat deshalb Anzeige erstattet. Bilder: anv (2)
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Ammerthal
06.02.2018
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Einer der reizvollsten Blickwinkel von Ammerthal läuft Gefahr, den Dorffrieden zu erschüttern. Wieder einmal. Doch jetzt ermittelt die Polizei.

Gegen unbekannt wegen Sachbeschädigung. Das muss aber noch nicht alles gewesen sein. Es geht um neun Bäume. Genauer gesagt, durchaus stattliche Erlen, die einige Jahrzehnte am Fuße des gerade erst aufwendig zum "Vaterunser-Weg" hergerichteten Kirchensteigs am Ammerbach standen. Sie sind weg, gefällt (wir berichteten, siehe www.onetz.de/1813610). Frische Schnittstellen zeugen davon, dass es noch nicht lange her sein kann, als die Motorsäge angesetzt wurde.

Bürgermeisterin Alexandra Sitter, das erzählte sie am Dienstag, sei am Donnerstag vergangener Woche eher scherzhaft von einem Bürger angesprochen worden, ob er auch ein paar Bäume absägen dürfe, wenn sie ihm im Weg stünden. Gemeint habe er die Stelle unweit der Quelle des Ammerbaches. Sie sei schlichtweg baff gewesen. Denn, das habe sich schnell herausgestellt, die Erlen standen auf Gemeinde- und Kirchengrund. Nach einer Genehmigung, sie abschneiden zu dürfen, habe niemand gefragt. Mithin habe keine Gestattung vorgelegen. Die Schnittflächen sind noch frisch, Geäst und ausgeputzte Reste der Stämme liegen ordentlich zur Seite geräumt neben dem Bachbett sowie wenige hundert Meter weiter auf einem Areal, das bei Spielen des Bayern-Ligisten DJK Ammerthal als Parkplatz dient.

Der Sportverein ist unmittelbarer Nachbar des öffentlichen und Kirchengrunds, auf dem die Erlen standen. Dass es womöglich dort den Wunsch gegeben habe, die Bäume abzuschneiden, davon sei ihr nichts zu Ohren gekommen, wunderte sich Sitter. Umso erstaunter sei sie über die offensichtliche Nacht-und-Nebel-Aktion. Bisher habe sich jedenfalls niemand zu erkennen gegeben, der dafür verantwortlich sei. Aufklärung tue zwingend not. Sie habe deshalb unverzüglich Anzeige gegen unbekannt erstattet, ist die Bürgermeisterin nicht geneigt, von einer Bagatelle auszugehen.

Inzwischen war auch das Landratsamt in seiner Eigenschaft als untere Naturschutzbehörde aktiv, bestätigte Behördensprecherin Christine Hollederer. Nach einer Begehung stehe nun fest, dass die Bäume in dem Landschaftsschutzgebiet Ammerthal standen. Das komme wohl erschwerend hinzu. Denn nach den einschlägigen Naturschutzvorschriften hätte es deshalb sogar einer von niemandem eingeholten Genehmigung seitens des Landratsamtes bedurft, um die neun Erlen zu fällen. Heute Abend wird Sitter das Thema unter dem Tagesordnungspunkt Bekanntgaben im Gemeinderat ansprechen. Das kann spannend werden.
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