22.03.2017 - 20:00 Uhr
AmmerthalOberpfalz

Notaufnahme ist fit für die Zukunft Im Schnitt pro Tag 75 Patienten

Beim Auftakt der Vortragsreihe "Ratgeber Gesundheit" drehte sich alles um die moderne Notfallmedizin: die Aufgaben einer Notaufnahme und wie sich speziell das Klinikum für die steigende Zahl an Patienten rüstet.

Vom Hubschrauber in die Zentrale Notaufnahme dauert es jetzt nur noch 90 Sekunden. Früher waren es zehn Minuten. Bild: Dr. Winfried Glaser
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Referent des Abends war der neue Leiter der Zentralen Notaufnahme, Marc Bigalke. Er besichtigte mit seinen Besuchern auch die Hubschrauberlandefläche auf dem Dach, um über die komplette Rettungskette zu informieren. "Dieser Bereich ist für die Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich", heißt es dazu aus St. Marien. Im Leitstand des 7. Stockwerks erfuhren die Zuhörer, dass sich die Transportzeiten für Patienten, die mit der Luftrettung ins Krankenhaus kommen, deutlich verkürzt haben: "Dank unseres Heliports benötigen wir nur mehr 90 Sekunden, um unsere Patienten von hier oben in die Notaufnahme im Erdgeschoss zu transportieren. Zuvor brauchten wir für den Weg vom Hubschrauber in die ZNA mehr als zehn Minuten. Wertvolle und oft lebenswichtige Zeit."

Schon auf dem Weg ins Klinikum meldet der Notarzt den Patienten bei der ZNA an und informiert das Team über die Verletzungen. "Auf Basis dieser Informationen stellen wir dann das Behandlungsteam zusammen", ließ Bigalke seine Zuhörer wissen. Wird ein Patient mit mehreren und zum Teil lebensbedrohlichen Verletzungen gemeldet, wird der Schockraum vorbereitet. 13 Mitarbeiter stehen dann für die optimale Versorgung bereit. Bei einem Raum von 25 bis 30 Quadratmetern Größe müsse alles perfekt aufeinander abgestimmt sein. Bigalke: "Das können Sie sich wie eine ausgefeilte Theater-Choreographie vorstellen, bei der jeder Schritt exakt einstudiert wird." Diese festgelegten und einstudierten Abläufe sparen Zeit. Zeit, durch die im Vorjahr sogar zwei Schwerstverletzte gerettet werden konnten, "die laut Statistik aufgrund der Schwere ihrer Verletzungen keine Überlebenschance gehabt hätten". Damit liege das Klinikum im europaweiten Vergleich weit vorne und rangiert sogar in der Liga der Universitätskliniken.

Um die Versorgung auch weiterhin zu verbessern, investiere das Klinikum in den Ausbau und die Sanierung der ZNA. Denn die Zahl der Patienten nehme seit Jahrzehnten kontinuierlich zu. Bigalke wörtlich: "Waren es im Jahr 1996 noch 15 863, lag die Zahl 2016 schon bei 27 353. Das sind im Schnitt 75 Patienten, die wir pro Tag untersuchen und behandeln." Dafür stünden momentan vier Behandlungs- und zwei Schockräume zur Verfügung. Nach Abschluss der Bauarbeiten soll sich das ändern: Die Fläche werde sich dann verdreifachen. Dennoch bat Marc Bigalke um Verständnis, wenn es einmal länger dauern sollte: "Wir sind keine Behörde, bei der man einen Zettel zieht und dann der Reihe nach aufgerufen wird. Patienten werden bei uns nach Dringlichkeit eingeteilt."

Auf die Frage, wer in der Notaufnahme richtig ist, antwortete der Ärztliche Leiter: "Hier sollten Sie auf Ihre innere Stimme hören. Ernst zu nehmende Anzeichen, bei denen Sie auf jeden Fall zu uns kommen sollten, sind akute Sprachstörung, Knochenbrüche, akuter Bluthochdruck mit Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen, bei Atemnot, schwere Lungenentzündung, Sie schon beim Hausarzt waren und keine Besserung eintritt, Erbrechen mit Blut." Bei Schnupfen, Husten und Heiserkeit ist die ZNA dagegen nicht zuständig.

Nächster Ratgeber

Am Dienstag, 9. Mai, geht es mit dem "Ratgeber Gesundheit" weiter. Das Thema "Mehr Freunde als bei Facebook: Wie 100 Billionen Mikroorganismen die Gesundheit des Menschen beeinflussen". Referent ist der neue Chefarzt für Mikrobiologie, Professor Dr. Hamid Hossain. Beginn ist um 18 Uhr im Speisesaal des Klinikums. Der Eintritt ist frei. (tk)

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