30.08.2017 - 20:00 Uhr
ArzbergOberpfalz

Großprojekt nun auf Zielgerade Wohnheime und Werkstätten

Die Stadt Arzberg investiert rund 660 000 Euro ins ehemalige Schumann-Areal. Damit ermöglicht sie den Bau von Wohnheimen, Park und Werkstätten.

Noch keine Nutzung ist für das alte Taubenhaus auf dem Schumann-Areal gefunden. Bild: fph
von Autor FPHProfil

Nur ein Punkt stand auf der Tagesordnung der Augustsitzung des Arzberger Stadtrates. Aber dieser Beschluss ist dem Gremium dann sogar ein Gläschen Sekt wert: Die Stadt trägt den städtebaulichen Mehraufwand, insgesamt rund 660 000 Euro, um das Schumann-Areal für die Ansiedlung der Lebenshilfe bebaubar zu machen. Außerdem wird sie mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) den Landschaftspark "Carl Schumann" errichten. Die gute Stimmung im Stadtrat ist trotz der Ausgaben schnell erklärt: Sie ziehen Investitionen von gut 15 Millionen Euro nach sich.

"Damit ist ein lange geplantes und wichtiges Großprojekt nun endlich auf der Zielgeraden", sagte der Arzberger Bürgermeister Stefan Göcking. Schon seit Längerem plant die Lebenshilfe Marktredwitz-Selb-Wunsiedel, auf dem Gelände der ehemaligen Porzellanfabrik Schumann eine Werkstatt für behinderte Menschen und ein Wohnheim zu errichten. Der Sieger des Architektenwettbewerbs wurde bereits vor einem Jahr gekürt und in der Julisitzung hat der Arzberger Stadtrat den Bebauungsplan beschlossen. "Die Stadt hat ihre Hausaufgaben gemacht und ihren Willen zur Ansiedlung der Lebenshilfe unterstrichen", betonte Stefan Göcking. Indem sie jetzt auch den städtebaulichen Mehraufwand trage, "ist der Weg frei für eine Investition, die Zeichen setzt für Arzberg, die Region und die Menschen die bald hier leben und arbeiten". Damit die Städtebauförderung die notwendigen Erschließungsmaßnahmen auf dem Schumann-Areal bezuschussen kann, ist eine Beteiligung der Stadt Arzberg erforderlich. Die Lebenshilfe selbst ist nicht direkt förderberechtigt. Die Kosten für den Aufwand, um die Lebenshilfe ansiedeln zu können, betragen knapp 2,62 Millionen Euro. Die Stadt setzt hier auf eine 90-prozentige Förderung im Rahmen der Förderoffensive Nordostbayern. Somit sind aus dem Stadtsäckel dafür rund 253 000 Euro zu zahlen. 85 000 Euro bekommt die Stadt für den Verkauf des Grundstücks an die Lebenshilfe. Davon aber muss sie 80 Prozent an die Städtebauförderung abführen. Den Plänen des Architekturbüros GHSW aus Hof zufolge soll im ersten Bauabschnitt das Wohnheim der Lebenshilfe errichtet werden. Es gliedert sich in drei einzelne, eingeschossige Gebäude. Jede der Wohngruppen verfügt über einen kleinen Innenhof und Freiflächen. Um den Lärmschutz zu gewährleisten, sollen die Wohngebäude tief ins Gelände eingebettet werden. Nach Westen, in Richtung der Waldsassener Straße, liegen die Werkstätten. Im ersten Bauabschnitt soll jedoch nur ein längliches Gebäude entstehen. Die beiden anderen Werkstätten folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

Radweg

Das Gelände wird außerdem ein Radweg durchziehen, der auch durch den Landschaftspark führen und über die Röslau ins Gsteinigt münden wird. Diesen Carl-Schumann-Landschaftspark sieht der Stadtrat als zusätzliches integratives Projekt im Zusammenspiel mit der Ansiedlung der Lebenshilfe. Der Park soll Ort der innerstädtischen Erholung, eine Begegnungsstätte für Menschen jeden Alters - ob mit oder ohne Behinderung - werden. Ziel ist es, die Parkanlage später einmal von der Lebenshilfe bewirtschaften zu lassen. Für den Bau des Landschaftsparks rechnet die Stadt mit Kosten in Höhe von gut 2,04 Millionen Euro, wovon sie dank der EFRE-Förderung rund 407 500 Euro wird tragen müssen.

Landschaftspflegehof

Mit dem Kauf des Grundstücks hat die Lebenshilfe auch zwei denkmalgeschützte Gebäude erworben: das Taubenhaus und die Schumann-Ökonomie. Angedacht ist, noch nicht sofort, aber in naher Zukunft, in den Seitenflügeln der Ökonomie Wohnungen für Eltern einzurichten. "Sie könnten dann auch im Alter nahe bei ihren behinderten Kindern sein, die im Wohnheim leben", erklärte Göcking. Ein weiteres Fernziel sei, den Landschaftspflegehof der Lebenshilfe in dem Gebäude unterzubringen. Noch keine richtige Lösung zeichnet sich für das Taubenhaus ab. Es gibt wohl einige Ideen. So richtig spruchreif, sagte der Arzberger Bürgermeister, sei jedoch noch keine.

Alles in allem aber sei es ein mehr als vorzeigbares Projekt, meinte Göcking. "Wenn es uns auch gelingt, die beiden Denkmäler wiederzubeleben, ist es ein Paradebeispiel dafür, wie man Industriebrachen wieder in Wert setzen kann." Einigkeit herrschte darüber auch im Stadtrat. "Wir wollen die Lebenshilfe, da gibt es nichts zu diskutieren", unterstrich der Fraktionssprecher der CSU, Roland Kastner, stellvertretend für alle. Nachdem die wegen der vielen Fördergeber komplexen Vorarbeiten mit dem Stadtratsbeschluss nun erledigt sind, hofft Stefan Göcking darauf, dass die Arbeiten schon bald ausgeschrieben werden können. "Und darauf, denke ich, können wir ruhig anstoßen."

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