14.02.2017 - 17:50 Uhr
Oberpfalz

Nitzlbucher Schützen vor einer äußerst ungewissen Zukunft: Unter Uns droht der Abschuss

Noch bewegt sich - nach einstimmiger Wiederwahl von Schützenmeister Josef Geyer - der Schützenverein Unter Uns Nitzlbuch in sicheren Gewässern. Doch in spätestens drei Jahren will er die Verantwortung nach 36 Jahren an vorderster Stelle abgeben. Sich Gedanken über die Zukunft des Vereinsheimes zu machen, steht daher vorrangig für den neuen Vorstand an.

Die besten Schützen beim Pokalschießen mit Unter-Uns-Schützenmeister Josef Geyer, Schießleiter Thomas Heberl und 2. Bürgermeister Herbert Lehner. Bild: cs
von Autor CSProfil

Nitzlbuch. "Es muss eine Diskussion angestoßen werden", dazu rief Schützenmeister Geyer bei der Hauptversammlung im Hinblick auf die Zukunft des Vereins auf, wenn er sich in drei Jahren zurückzieht. Denn für den Verein sei die Fortführung auf der jetzigen Basis nicht mehr zu stemmen. Dabei verwies er auf die verschiedenen Möglichkeiten: etwa in Form einer Gesellschaft Bürgerlichen Rechts (GBR), der Übergabe an eine Brauerei und einen Pächter, gar an den Verkauf der Immobilie oder einen Teilverkauf unter der Prämisse, auf dem Grundstück im Anschluss an den Feuerwaffenstand ein kleines Domizil für die Schützen zur Abwicklung des Schießsports zu schaffen.

Auch mit dem Gedanken einer Auflösung müsse man sich vertraut machen. "Wir wären da nicht die einzigen", listete Geyer eine Reihe von Beispielen im Umfeld auf. Die Gebäudlichkeiten würden dann an die Stadt fallen - zur Nutzung für gemeinnützige Zwecke. Die Planung zur Errichtung des Schützenheims vor 25 Jahren sei unter dem Aspekt erfolgt, hier auch Veranstaltungen abzuhalten. Entscheidend sei dabei die Schließung des Gasthauses Lorenz gewesen. "Nun müssen wir der jetzigen Situation Rechnung tragen", so Geyer.

Er stellte den Antrag, dass sich der Vorstand damit näher befasse. Weiter rief der Vorsitzende zur Mithilfe bei der Jugendbetreuung und notwendigen Arbeiten am Schützenheim auf.

Nächste Generation fehlt

Mit Josef Geyer steht und fällt die Bewirtschaftung des Schützenheims, der er sich mit Unterstützung von Ehefrau Hildegard und einigen Helfern als Lebensaufgabe zugunsten des Vereins verschrieben hat. Unüberhörbar schwang auch etwas Resignation mit bei seinem Entschluss: Personalmangel sowohl beim Wirtschaftsbetrieb als auch im sportlichen Bereich einerseits, mangelnde Beteiligung an den Vereinsveranstaltungen andererseits: "Es fehlt die nächste Generation."

Die Altersstruktur verändere sich weiter negativ, beklagte Geyer, 48 Prozent der Mitglieder seien über 60 Jahre. Wie sich früher der Verein in das kulturelle Leben im Dorf eingebracht hat, das werde nicht mehr gewünscht, bedauerte er, der seit nahezu 50 Jahren in die Geschehnisse von Nitzlbuch eingebundene Schützenmeister. Versuche, den Schießsport für den Nachwuchs attraktiver zu machen, seien im Sand verlaufen. "Wir brauchen Leute, die sich der Jugendlichen annehmen - und die fehlen." Aus Altersgründen könne er zusammen mit Joachim Kugler lediglich noch unterstützend tätig sein.

Was gut laufe, wie schon in den Jahren vorher, sei der Wirtschaftsbetrieb aufgrund von Veranstaltungen anderer Vereine und Personen. "Ist das eigentlich unsere Aufgabe?", hinterfragte Geyer. Pläne über einen eventuellen Anbau oder eine Umgestaltung des Schützenheimes zur Erweiterung der Küche seien hinfällig, es lasse sich nicht finanzieren. Das Ganze wäre wohl längst erledigt, hätte der Verein bei der Beschlussfassung im Jahr 1990 die vom Staat zugesagten Mittel in Höhe von 40 Prozent erhalten. Durch die Kürzung waren 57 000 Euro zu stemmen.

Durch Mitgliederkredite und Bürgschaften konnte der Fehlbetrag im Laufe der Jahre auf die derzeitige Zinsbelastung reduziert werden. "Eine neue Verschuldung kommt nicht mehr in Frage", stellte Geyer klar. Auch an der Suche, andere Quellen für Zuschüsse zu erschließen, will er sich nicht mehr beteiligen, sich nach Eintritt in das Rentenalter im Herbst aber anderweitig nützlich machen. "Für unser Dorf ist das nicht mehr notwendig und wird auch nicht mehr gewünscht, selbst nicht von den Mitgliedern", schloss der Schützenmeister aus der insgesamt mäßigen Beteiligung bei Veranstaltungen.

Aktuell 131 Mitglieder

Dennoch zog er Bilanz über einen aktiven Verein, der auch bei den Rundenwettkämpfen vertreten ist. Bei drei Austritten, zwei Sterbefällen und einer Neuaufnahme kann sich der Schützenverein derzeit auf 131 Mitglieder stützen. Freude kam auf beim Kassenbericht von Karoline Lutz, die ein gewichtiges Plus vermeldete.

Den ersten Platz beim Jahrespokal errang Konstantin Karl mit einem 102,1-Teiler vor Johannes Kugler (111,3-T.), Julian Wallner (138,4-T.) und Michael Syttny (146,4-T.).

"Ein Erfolgsmodell"

Optimismus verbreitete 2. Bürgermeister Herbert Lehner: "Für mich war der Schützenverein Nitzlbuch immer ein Erfolgsmodell unter den Schützenvereinen in Auerbach." Auch hinsichtlich der finanziellen Lage stehe der Verein mit der Schuldentilgung gut da. Alt und Jung werde hier Gelegenheit geboten, einer sinnvollen Freizeitgestaltung nachzugehen. Was die Überalterung der Gesellschaft angehe, davon werde jeder Verein betroffen. Vielleicht stünden Möglichkeiten einer Fusion auf oder Zuschusstöpfe anzuzapfen.

Er hoffe, so Lehner bei der Übergabe eines städtischen Obolus', dass eine positive Lösung gefunden wird, damit die Jugend eine Zukunft habe und weiter erfolgreich agieren könne.

Die Neuwahlen

Zügig gingen die Neuwahlen über die Bühne. Schützenmeister Josef Geyer wurde durch die 18 Stimmberechtigten wiederum bestätigt. Als Stellvertreter wurde ihm Thomas Heberl zur Seite gestellt, der in Personalunion auch das Amt des Schießleiters wahrnimmt. Unterstützt wird er dabei von Josef Kugler. Unter der Bedingung, dass sich die Jugendarbeit auf mehrere Schultern verteilt, stellte sich Joachim Kugler nochmals als Jugendleiter zur Verfügung. Anna-Lena Schertl und Michael Syttny werden sich zudem als 1. und 2. Jugendleiter einbringen. Christine Kugler wird abermals als Schriftführerin fungieren, als ihre Stellvertreterin Hildegard Geyer. Als Beisitzer gewählt wurden Josef Schindler, Anton Kugler, Bernhard Gradl, Siegfried Lutz, Michael und Gabi Eisend. Als Kassenprüfer wurden erneut Gabi Kopp und Anton Kugler bestellt. (cs)

Wir brauchen Leute, die sich der Jugendlichen annehmen - und die fehlen.Schützenmeister Josef Geyer

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