29.01.2017 - 12:08 Uhr
Oberpfalz

Prunksitzungen, die vor Mitternacht enden, sind in Auerbach selten In der Kürze liegt nicht nur Würze

Tänzerisch braucht sich die Faschingsgesellschaft (FG) Stadtgarde Auerbach keine Sorgen um den Nachwuchs machen. 41 Lollipops stürmten am Samstag die Narrenbühne bei der ersten Prunksitzung und sorgten für mächtig Stimmung zum Jahresmotto Western.

"Komm hol das Lasso raus!": Den 41 Lollipops gelang es spielend, mit ihrem Tanz das Publikum einzufangen.
von Autor SWTProfil

Indianer, Cowboys und Saloonmädchen legten eine flotte Sohle aufs Parkett - für die Altersgruppe der ab Sechsjährigen durchaus eine anspruchsvolle Darbietung. Simone Ixmann und Kerstin Kriegisch hatten sie einstudiert. Auch die Jugendgarde, in neuen weinrot-grünen Kostümen, begeisterte mit ihrem Gardetanz. Und erstmals im Doppelpack traten Junioren- und Aktivengarde auf. Die Choreographie beider Garden abwechslungsreich, schnell, zackig und absolut sehenswert.

Genial die vorletzte Nummer des Abends. Werner "Mundel" Müller und Karl Maier, ausgerechnet diese beiden Urgesteine, zeigten dem Publikum, warum der Auerbacher Fasching im Landkreis einmal ganz oben war. Sie inszenierten ein Duett mit Enrico Caruso. Werner Müller zeigte einmal mehr seine Gesangskunst, Slapstick pur die Verwicklungen mit der Gitarre. Das Publikum feierte sie mit stehenden Ovationen.

Kommunalpolitik verschont

Der restliche Abend war eine bunte Mischung erfahrener und neuer Künstler auf der Narrenbühne. Die politische Bütt besetzte Elly Schübel. Die Ex-Präsidentin nahm vor allem die internationale Politik auf die Schippe; bisweilen mit einem nachdenklichen Unterton. Warum die Kommunalpolitik ungeschoren davonkam, bleibt offen. An den bissigen Humor eines Christoph Kasseckert - er saß diesmal im Publikum - konnte sie nicht anknüpfen.

Bühnenerfahrung haben auch Mandy Schmid und Josef Kreisl. Ihre Hochzeitsnacht geriet zum Fiasko, der zündende Funke für das Publikum fehlte. Dann trat der närrische Nachwuchs erneut ins Rampenlicht, dieses Mal mit den Lästerschwestern Isa Gnan und Johanna Schuster. Die beiden Zwölfjährigen plauderten aus dem Nähkästchen der FG.

Da erfuhr man dann schon mal, dass Präsident Danny Schuster seit Weihnachten im Keller an Texten schmiedet und fast verhungert: "Bei seiner Wampe aber fast unmöglich!" FG-Vize Fritz Gnan hat sogar sein Autokennzeichen an die närrische Zeit angepasst mit AS-FG ... Und einen Blutdruck von 300 habe Vorstand Klaus Wagner, obwohl der doch nur drei Minuten Text habe!

6,5 Tage für die Liebe

Aschenbrödel in Kurzform präsentierten Andreas Götz, Florian Himmelhuber und Robert Schmid. Allein durch die Mimik ein Hingucker. Analysen-Analytiker Danny Schuster dachte dann über den Sinn des Lebens nach. Zwischen 23 Jahren Schlaf, 31 Jahren Medienkonsum und sechs Jahren auf dem stillen Örtchen bleiben in 70 Jahren Lebenszeit nur 6,5 Tage Zeit für die Liebe. Da erübrigt sich die Sinnfrage von selbst.

Gespannt wartete das Publikum auf den Auftritt von Karo (Carola Kleber) und Marianne mit Hund Lex. Beim Blind Date war der Vierbeiner der einzige Höhepunkt. Dass die Gesangseinlage daneben ging, war wohl der Aufregung geschuldet. Oder lag es an der Strophe aus der "Auerbachhymne", jenen längst vergessen geglaubten Zeilen zum Stadtjubiläum? "Not amused" war jedenfalls die politische Prominenz darüber, denn diese Melodie hört wohl keiner mehr so gern.

Bessere Zeiten hat das rothaarige "Christkind" Stefan Gitter gesehen, der nach 33 Jahren im himmlischen Amt einfach durch einen blonden Engel ausgetauscht wird. Jetzt fristet er sein Dasein als Festdame und machte dabei gleich mal die Hälfte der Nummer kräftig Werbung für das 150-jährige Jubiläum der Feuerwehr Auerbach.

Wo Mann zu Fuß hingeht

Reichlich Candys, also Süßes gab es beim Damenballett, das als Lollies oder Eis und Schokolade auftrat. "Götzi" alias Andreas Götz erzählte in seine unnachahmlichen Art vom einzigen Rückzugsort der Männer, der früher mit Zeitung, jetzt aber mit Tablet unterm Arm aufgesucht wird. Und in 21,4 Minuten findet "Mann" dann während seines Geschäfts auch schon mal die neuesten Thermomix-Rezepte oder den nächsten Urlaubstrip. Sofern er nicht von der eineinhalbjährigen krabbelnden Tochter gestört wird. Erstmals stieg die Stimmung im Saal auf einen Höhepunkt.

Kalle sticht Amanda aus

Und diesen nutzte Martin Wagner, der mit Kamel Kalle eine Bauchrednernummer zum Besten gab. Jetzt tobte das Publikum. Liebe Franken, Amanda kann einpacken! Heiß her ging es zum Ende noch beim Männerballett. Da schwitzten bei der "Monster AG" nicht nur die gruseligen Gestalten auf der Bühne.

Alles in allem ein gelungener Abend, der vor allem durch seine Kürze auffiel. Selten war in der Vergangenheit eine Sitzung vor Mitternacht zu Ende. In der Kürze lag aber nicht nur Würze.

Janina I. und Kevin I. verkünden die närrischen Gesetze

"Haben die Stadträte die Friedenspfeife geraucht? Oder warum ist so wenig Action im Rathaus?" Das fragten sich die Hoheiten des Faschings 2017, Janina I. und Kevin I., bei der Verkündung der närrischen Gesetze. Die Auerbacher sollten sich mal ein Beispiel am roten Armin nehmen: "Der hat jetzt Action, weil er mit 73 nochmal Vater von Zwillingen geworden ist."

Nach dem Umzug aus dem Wigwam Rathaus ins Millionengrab Goldener Löwe schieben die städtischen Angestellten wegen des Schimmelbefalls nur mehr vier statt acht Stunden Dienst. Dabei beschwerten sich einige, dass sie jetzt sogar länger arbeiten müssten. Die kostspielige Renovierung wird von Michael Wosahlo überwacht - der Banker macht seine Geschäfte eh auf dem Gehsteig. Und Hans Ruder geistert immer noch durchs Haus, also kann er gleich im Innern nach dem Rechten sehen.

Die Tollitäten erklärten den Ruderstadel zum Terrarium für exotische Tiere. Denn bei der entflohenen Boa Vincent im letzten Sommer hatte Auerbach schlaflose Nächte. Einzig "Rothaut" Norbert Gradl entpuppte sich als Schlangenbändiger, denn er schafft es auch, seine Ehefrau Christine zu bändigen. Seither hat der 3. Bürgermeister den Beinamen "Hector der Furchtlose".

Damit der Stadtrat wieder einmal arbeitet wird ein Arbeitskreis gebildet. Die drei "Supernasen" Dr. Edmund Goß, Artur Schriml und Herbert Appl übernehmen den Empfang von wöchentlich gelieferten Odelproben. Damit ein Gasalarm wie im vergangenen Jahr, der sich als Odelduft von Landwirt Lindner entpuppte nicht wieder die Feuerwehr in Atem hält. Den Gestank halten die Supernasen aus, bei ihnen können schon mal nicht die Haare ausfallen.

Locker und spritzig die Proklamation des neuen Prinzenpaares, ebenso die Antrittsreden von groß und klein. Janina und Kevin berichten vom Spitzenspiel der FG Stadtgarde gegen die SG Hudert im Herbst, bei der schließlich die FG gewann und unter Einsatz mehrerer Kästen Bier die Abwehrkette schlafen legte. "Der Supergau perfekt, jetzt sind wir Prinzenpaar!" (swt)

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