11.08.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Wie Kinder in Michelfeld vor gut 80 Jahren die Ferien verbrachten Spielen, raufen, wieder gut sein

Die Ferien sind da. Erholung vom Schulstress ist angesagt. Kinder gehen mit den Eltern auf Reisen oder beteiligen sich an Ferienprogrammen. Else Buchfelder, vor kurzem 90 Jahre alt geworden, hat aus ihrer Kindheit auch viel zu erzählen. Zum Beispiel erinnert sie sich an eine dramatische Begebenheit am Flembach.

Damals wie heute sind die Ferien die schönsten Wochen des Jahres. Steffi und ihre Freundinnen putzten sich dafür fein heraus. Repro: eb
von Autor EBProfil

Michelfeld. Vieles spielte sich auf der Straße ab. Da wurde von den Mädchen mit bunten Glassteinchen geperlt und von den Buben mit größeren Kugeln geschussert. Die Mädchen zeigten sich mit ihren neuen Puppenwagen, und die Buben waren stolz auf ihre Fahrgestelle, die sie aus einigen Brettern und vier Rädern zusammen bauten. Mit einem Freudenjauchzer ging es über den Pferracher Berg hinab.

Selbstbedienung am Acker

Die meisten Kinder in Michelfeld stammten vor 80 Jahren aus Bauernhöfen, mussten zu Hause mithelfen und ihre Kühe auf der Weide hüten. Die Schulfreunde, auf die zu Hause keine landwirtschaftliche Arbeit wartete, schlossen sich ihnen an. Lustig ging es dabei auf der Metzgerwiese zu. Während einige Buben mit bloßen Händen Fische und Krebse aus der Pegnitz fingen, mussten sich ihre Kollegen um das Feuer fürs Grillen kümmern. Die Mädchen wurden angehalten, für die Kartoffeln zu sorgen. Rings um die Wiese gab es die Knollen reichlich, und somit hatte das Wort "stehlen" für uns keine Gültigkeit. Und wenn wir einmal vom Gewissen geplagt wurden, dann gingen wir auf die Wiese, pflückten die schönsten Blumen, brachten sie an die Klosterpforte und bekamen dafür ein "Hauchbilderl".

Die Buben waren nicht mehr aufzuhalten, wenn auf der Prüllwiese gewässert wurde. Da musste ein Boot gezimmert oder Mamas Waschtrog geholt werden, und ab ging es ins kalte Nass.

Eigentlich hielten sich die Kinder in den Ferien in ihrer Wohngegend am liebsten auf. Da gab es das Obere Dorf und das Hintere Dorf und natürlich den "Berg". Überall spielten sich die gleichen Regeln ab: "Spielen, raufen, wieder gut sein".

Ein beliebter Aufenthaltsort war die Sägmühlkapelle. Um dieses kleine Gotteshaus mit dem felsigen Abhang spielten wir "Räuber und Schander" (Gendarm). Die Kapelle und der Kalvarienberg, beide ungefähr in der Mitte des Dorfes gelegen, waren aus kindlicher Sicht der Spielplatz für alle Buben und Mädchen.

Beinahe-Drama am Bach

So gab es auch in diesen längst verflossenen Jahren bei uns schöne Ferienzeiten. In der Erinnerung blieb aber ein schlimmes Erlebnis. Es war am Flembach, ungefähr gegenüber der Kläranlage und in der Nähe vom Kollerberg. Da schrie einer von den Jugendlichen "Wer traut sich übers Wehr?" - Stille, keiner meldete sich. Plötzlich hob ein Fünfjähriger den Finger und schrie "Ich". Als der kleine Angeber in der Mitte des Wehres war, verlor er das Gleichgewicht und fiel in das angestaute Wasser. Er ging zweimal unter, kam zweimal wieder hoch und verschwand dann ein drittes Mal, ohne wieder an der Wasseroberfläche aufzutauchen.

Ein Bauer, der in nächster Nähe beim Heuen war, wurde durch die Schreie der Jugendlichen aufmerksam und kam herbeigeeilt. Er stieg ins Wasser, suchte nach dem untergegangenen Kind und wurde so zu seinem Lebensretter. Wasserscheu ist der inzwischen 85-Jährige trotz dieses Erlebnisses bis heute nicht.

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