28.03.2018 - 20:00 Uhr

Ausstellung zeigt neu entdeckte Werke des Malers Joseph Henfling Schatz hinter Klostermauern

Mit 15 Jahren verließ Joseph Henfling seine Heimatstadt Auerbach. Ob er sie später noch einmal wiedergesehen hat, weiß niemand sicher zu sagen. Drei Monate lang bietet sich den Auerbachern jetzt die Gelegenheit, den Maler anzuschauen.

Zur Anerkennung für die gelungene Ausstellung lässt (von links) Bürgermeister Joachim Neuß Blumen sprechen bei Museumsleiterin Marion Ringl und Stadtarchivarin Doris Bundscherer. Rechts Ludwig Wittmann vom städtischen Bauhof, der beim Aufbau Hand angelegt hat. Bilder: cs (2)
von Autor CSProfil

Ein Selbstporträt und zahlreiche andere Bilder, die den Künstler bekannt machten, hat Marion Ringl für die zwölfte Sonderausstellung im Museum 34 zusammengetragen. Am Unteren Markt sind die Werke bis September der Öffentlichkeit zugänglich.

Lange Zeit war der Schatz, den Joseph Henfling - nach seinem Eintritt ins Kloster Ettal nannte er sich Bruder Angelicus - hinterlassen hatte, fast in Vergessenheit geraten. Den Anstoß, ihn aus dem Dornröschenschlaf zu holen, gab wohl die Stadt. Anlässlich des 50. Todestags von Joseph Henfling fragte sie im Jahr 2000 nach der Überlassung von Gemälden für eine Ausstellung an. Durch verschiedene Umstände - unter anderem ein Brand und anschließende Sanierung - verstrich einige Zeit, bis der Schatz gehoben werden konnte.

Talent vom Vater geerbt

"Noch vor einem Jahr wäre die Ausstellung gar nicht möglich gewesen. Noch vor einem Jahr waren viele Werke, die wir hier ausstellen, unentdeckt", freute sich Bürgermeister Joachim Neuß bei der Vernissage. Die Ausstellung gewähre Einblicke in das künstlerische Schaffen eines berühmten Sohnes der Stadt, der in Auerbach im Vergleich zu prominenten Größen wie Dr. Stromer, Doser, Wild oder Weber relativ unbekannt geblieben sei.

Das Talent zur Malerei war ihm offenbar durch den Vater vererbt worden, der als Dekorations- und Kirchenmaler den Lebensunterhalt für die Familie verdiente. Bald zählte der 15-jährige Joseph Henfling zu den drei besten Schülern an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg, deren Besuch ihm die Eltern ermöglichten. Schon mit knapp 20 Jahren wechselte er zum Studium an die Akademie der Bildenden Künste in München. Durch Stipendien, den Verkauf seiner Werke, Auftragsarbeiten und Preise für erfolgreiche Arbeiten finanzierte er Studium und Leben in München.

Der Erfolg erlaubte offensichtlich auch längere Studienreisen nach Italien und Griechenland. Henfling schien ein gutes und erfolgreiches Dasein zu führen, wie dies auch ein Ausspruch über sein Leben vermuten lässt: "Meine Werke wurden beachtet und gekauft. Das Leben wurde hoffnungsvoll und schön."

Aber Henfling wandte sich einem anderen Leben zu. Nachhaltigen und tiefen Eindruck hinterließ bei ihm ein zweiwöchiger Aufenthalt im Kloster Beuron. "Aus der früheren Unbekümmertheit verfiel ich in eine Art Rationalismus, und dieser Nützlichkeitstrieb stört mein Inneres so, dass ich zu allen Dingen das Verständnis verloren habe."

Mit 52 Jahren bat er 1929 in einem bewegenden Brief Abt Willibald Wolfsteiner um Aufnahme im Kloster Ettal. Er fand Gehör und entschied sich für den Ordensnamen Angelicus. Fünf Jahre später legte er die ewige Profess ab und band sich damit auf Lebenszeit an das klösterliche Leben. Seiner künstlerischen Arbeit ging er dabei bis zu seinem Tod im November 1950 weiter nach.

Mehr als tausend Werke entdeckten Frater Thomas und Frater Basilius beim Durchforsten der Hinterlassenschaften im vergangenen Jahr. Angeregt von der Qualität der Bilder, organisierten sie eine Ausstellung im Kloster Ettal, die große Beachtung fand. Unter den Besuchern aus der Heimatstadt Henflings wurde der Wunsch laut, einen Querschnitt dieser Arbeiten auch in Auerbach zu zeigen. Der Bitte entsprachen die Verantwortlichen und stellten großzügig eine Vielzahl an Leihgaben bereit.

Fremder unter Brüdern

"Er muss Tag und Nacht gemalt haben", ist Museumsleiterin Marion Ringl fasziniert von der Schaffenskraft Henflings. Zusammen mit Stadtarchivarin Doris Bundscherer und Uwe Schlegl vom städtischen Bauhof machte sie sich auf den Weg nach Ettal, um die Werke zu sichten, eigenhändig zu verpacken und sicher nach Auerbach zu transportieren. Fünf Bilder konnten aus städtischem Besitz zur Vernissage beigesteuert werden. Mit ihrer Bilderauswahl ist Marion Ringl nicht nur ein großer Wurf gelungen, sie hat sich mit jedem einzelnen Werk des akademischen Künstlers befasst, wie sich beim Rundgang zeigt. "Es war nichts, was er nicht gekonnt hat."

Und dennoch verlief das Leben im Kloster für Joseph Henfling nicht immer spannungsfrei. Manchen Brüdern ist er bis zu seinem Tod ein Fremder geblieben; nicht zuletzt durch das "Privileg" der Malerei im eigenen Atelier in einem Nebengebäude des Klosters oder in freier Natur durch den damaligen Abt.

Noch vor einem Jahr wäre die Ausstellung gar nicht möglich gewesen. Noch vor einem Jahr waren viele Werke, die wir hier ausstellen, unentdeckt.Bürgermeister Joachim Neuß

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