09.02.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Martin Wagner hat als Bauchredner richtig Erfolg Kalle überzeugt sie alle

Ein Jahr vorbereiten und üben hat sich gelohnt. Martin Wagner hat mit seiner Bauchrednernummer im Auerbacher Fasching richtig eingeschlagen. Mit Kalle, dem Kamel, soll er jetzt sogar auf anderen Bühnen auftreten.

Sein Kamel Kalle hat Martin Wagner in einem Münchener Fachgeschäft gefunden. "Zwischen 50 und mehreren tausend Euro kann man dort für eine Handpuppe ausgeben", erzählt der junge Mann. Bild: swt
von Autor SWTProfil

(swt) Es war nicht auf Anhieb zu erkennen, ob da ein Band läuft oder der 20-jährige Einzelhandelskaufmann wirklich mit zwei Stimmen spricht. Im Lauf des Auftritts bei der Prunksitzung der Stadtgarde wird klar: Da steht ein Bauchredner-Nachwuchstalent. Was so einfach aussieht, hat den jungen Mann aber über ein Jahr Vorbereitungszeit gekostet.

Martin ist ein alter Hase im Auerbacher Fasching. Seine Eltern sind seit Jahren in der FG Stadtgarde aktiv, Vater Klaus ist ihr Vorsitzender. Sohn Martin war schon Kinderprinz, Nachwuchspräsident, Elferrat und Akteur in Sketchen. "Das Bauchreden wollte ich schon immer lernen, hatte aber nie Zeit dazu", erinnert er sich.

Im vergangenen Jahr verletzte sich der leidenschaftliche Skifahrer bei einem Sturz die Hand und war knapp drei Wochen außer Gefecht. "Jetzt ist die Gelegenheit", dachte er und las ein Buch, in dem die Techniken erklärt werden. "Atemtechnik, Konzentration, den Körper runterfahren, eine zweite Stimme aneignen", fasst er die Übungseinheiten zusammen.

Auch am Arbeitsplatz geübt

Täglich eine gute Stunde trainierte Martin Wagner in seiner Weidener Wohnung. Und manchmal auch an seinem Arbeitsplatz in einem Sportgeschäft: "Immer wenn der Kunde mich nicht ansah, hab ich versucht, in der Technik zu sprechen", schmunzelt er. Wenn die Texte sitzen und der Ausdruck stimmt, kommt die Puppe ins Spiel. Jetzt heißt es, die Bewegungen mit der Hand auf die Sprache abzustimmen. Die Puppe muss wirken als agiere sie selbstständig: "Wenn sie das Publikum anspricht etwa. Zuerst sollte die Puppe den Blickkontakt suchen und dann erst der Redner, damit es echt wirkt."

Martin arbeitete hart daran, vor allem in den vier Wochen vor der ersten Prunksitzung. "Ich wusste nicht, ob das ankommt. Und ich hatte auch vor der Generalprobe niemandem gezeigt, was ich da einstudiere." Bei der Premiere schlug Martin mit seinem Kamel dann ein wie eine Bombe. Durch den Erfolg hellhörig geworden, luden ihn Faschingsgesellschaften aus Hersbruck oder Windischeschenbach zu Auftritten ein. Für Geburtstage kamen auch Anfragen: "Ich habe derzeit aber nur den Text für den Fasching parat."

Improvisieren kann der junge Mann aber auch - etwa, als er bei der Prunksitzung vom Stuhl fiel. "Das war nicht einstudiert. Jetzt musst du einen passenden Satz für Kalle finden." Gemerkt habe niemand, dass das nicht zur Nummer gehörte.

Ursprünglich besetzte ein Vogel die Rolle der Handpuppe, aber die gefiel Martin nicht so recht. In München entdeckte er dann in einem Fachgeschäft das hellbraune Kamel mit dem Strubbelhaar und der Zunge im Maul. Der Name stand als Vorschlag auf der Verpackung. Kalle sticht übrigens auch anderen Leuten ins Auge: "Ich musste den Koffer nach den Sitzungen wegsperren, sonst hätten sie ihn geklaut", lacht Martin.

Ob er sich vorstellen kann, seine Show weiter auszubauen? Das überlegt er noch, aber Kalle wird wohl an seiner Seite bleiben. Vielleicht schlagen die beiden ja einen ähnlichen Weg wie Sebastian Reich und seine Amanda ein, die mittlerweile bundesweit bekannt sind.

Tipps vom Vorbild Reich

Martin hat sein Vorbild in Veitshöchheim bei der Nachwuchssitzung und bei "Franken helau" kennengelernt. "In Weiden habe ich dann noch eine Show von Reich gesehen und ihn gefragt, welche Tipps er mir geben kann." Der Rat des Entertainers sei gewesen: "Glaub an dich und übe, übe, übe!"

Bauchreden

Der Begriff des Bauchredens kommt aus dem Mittelalter. Wenn Künstler mit Puppen Zwiegespräche führten, glaubte das Publikum, dass die zweite Stimme aus dem Bauch kommen müsse. Aber eigentlich spielt sich alles im Kehlkopf ab. Die Bauchmuskeln sind angespannt – der einzige Bezug zum Reden mit dem „Bauch“. (swt)

Aus der Bäckerei ins Radio

Martin Wagner ist mittlerweile auch im Radio zu hören. Bei einem Weidener Sender wird er derzeit in der Moderation geschult. „Dazu kam ich wie die Jungfrau zum Kind“, erzählt er der SRZ. Als er in der Mittagspause beim Bäcker eine Brotzeit kaufte, sprach ihn eine Dame an: „Du gefällst mir sehr gut, du hast eine tolle Stimme!“ Vor ihm stand die Marketingchefin von Radio Ramasuri. Sie sei auf der Suche nach Talenten, habe aber noch nie jemand auf der Straße angesprochen. Martin hatte sie aber so beeindruckt, dass sie den Kontakt zur Redaktion herstellte. Und so ist Martin Wagner seit Oktober immer wieder mal auf Sendung. Ob er dort auch mal zusammen mit Kalle zu hören sein wird, steht noch nicht fest.

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