24.07.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Musicalnacht mit "Cabaret" auf dem Unteren Markt in Auerbach Goldener Lack ist schnell ab

Den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts haftet das Etikett "golden" an. Wer ein wenig an der Oberfläche kratzt, erkennt aber auch andere Nuancen in den Farben.

Sally Bowles aus London (im Vordergrund im schwarzen Kostüm) ist der Star im Kit-Kat-Club. Bilder: sck (2)
von Autor SCKProfil

Die Stadt Auerbach und die Landesbühne Oberfranken luden ein zu einem besonderen Musicalerlebnis. "Cabaret" ging in der verfilmten Fassung mit Liza Minelli in die Kinogeschichte ein. Brillant inszeniert von Regisseur Jan Burdinski, entführte die Bühnenversion das Publikum unter freiem Himmel auf dem Unteren Markt in Auerbach mit spritziger Musik ins Berlin der goldenen 20er-Jahre.

Burdinski erinnerte daran, dass diese Jahrzehnt zwischen den beiden Weltkriegen gar nicht so toll gewesen sei. In musikalischer Hinsicht war diese Zeit geprägt von Ragtime und Jazz. Das Bedürfnis, die Sorgen beiseite zu schieben, bestimmte das Lebensgefühl. Eben: "Life is a Cabaret!"

Ungleiche Nachbarn

Im Herzen der Altstadt hieß es am Samstagabend ab 20 Uhr für etwa zweieinhalb Stunden "Willkommen, Bienvenue, Welcome!" im Kit-Kat-Club. Und schon fühlte man sich versetzt ans Ende der 20er-Jahre. Cliff Bradshaw (Johannes Leichtmann), ein junger amerikanischer Schriftsteller, kam in die deutsche Hauptstadt, um dort einen Roman zu schreiben. Er bezog Quartier in der Pension des ältlichen Fräuleins Schneider (Melanie Day). Dort lernte er mit der Tänzerin Fräulein Kost (Julia Alsheimer) und dem Obsthändler und Posaunisten Herrn Schultz (Paul Kühn) unterschiedliche Zimmernachbarn kennen und knüpfte im Nacht-Club Kontakte, unter anderem zu der englischen Sängerin Sally Bowles (Stefanie Rüdell), die als Star in der Varieté-Show auftrat. Als Sally entlassen wurde, fand sie Zuflucht in Cliffs Pensionszimmer. Schnell wurden beide ein Paar.

Schultz fasst sich ein Herz

Auch einem anderen Pensionsbewohner begegnete das Glück. Der Mieter Schultz hatte lange Zeit um Fräulein Schneider geworben. Als er sich ein Herz gefasst und zögerlich seinen Heiratsantrag vorgebracht hatte, bekam er Fräulein Schneiders "Ja", und alle Mieter in ihrer Pension feierten im Kit-Kat-Club Verlobung.

Doch die Atmosphäre in Berlin veränderte sich rasant unter den Stiefeltritten der kommenden Machthaber. Die Vorzeichen der politischen Umbrüche hinterließen auch im privaten Bereich Spuren. Fräulein Schneider löst die Verlobung mit dem "nicht rassereinen" Herrn Schultz, und Cliff möchte Deutschland verlassen. Sally aber träumt von ihrer großen Karriere als Varieté-Tänzerin und kann sich nicht von Berlin trennen.

So zerfällt das gerade erst begonnene Glück beider Paare. Aber der Conferencier im Cabaret verkündet, blind für die Realität, beim "Willkommen, Bienvenue, Welcome!" im "Kit-Kat-Club" unbeirrt weiter: "Alles ist glücklich!"

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