06.09.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Karl Knahn hörte als Zehnjähriger in Gaißach vom Beginn des Zweiten Weltkriegs "Für uns völlig überraschend"

Noch ein Kind war Karl Knahn, als der Zweite Weltkrieg begann. Aber er erinnert sich genau daran, wie die Nachricht sein Heimatdorf Gaißach erreichte. Der heute 85-Jährige, der im Caritasheim St. Hedwig in Auerbach wohnt, erzählte der SRZ auch, wie später die Lebensmittel knapp wurden und was sich die Menschen dazu einfallen ließen.

von Autor WKUProfil

"Am 1. September hörten wir morgens im Radio eine Sondermeldung, dass der Krieg begonnen hat und die Wehrmacht in Polen einmarschiert war. Für uns in Gaißach kam das völlig überraschend. Zugleich war es der erste Tag der Mobilmachung. Wir waren gerade beim Getreide abladen, als früh Angestellte des Amberger Wehrmachtskommandos mit dem Auto kamen und meinen - damals 40-jährigen - Vater aufforderten, sich bis fünf Uhr nachmittags in der Amberger Kaserne zu melden.

Angst um den Vater

Meine Mutter, meine Schwester und ich weinten fürchterlich, dass unser Vater in den Krieg ziehen sollte. Es gab aber auch viele begeisterte Männer. Ich sah zwei davon auf einem Motorrad mit Beiwagen durch die Dörfer fahren und rufen: "Auf geht's in den Krieg!"

Zugleich wurden die Lebensmittel streng kontrolliert, alles wurde überwacht. Man bekam durch Lebensmittelmarken das Nötigste zugeteilt. Selbst die Bauern mussten alles abliefern. Nur Erdäpfel und Mehl durften wir für den Eigenbedarf behalten, was aber auch genau nachgewogen wurde.

Selbstverständlich versuchte man, diese Verbote zu umgehen, indem fast alle Bauern schwarz schlachteten. Leider wurde eine Familie erwischt. Diese schlachtete ein Schwein zu Ehren der beiden Söhne, die auf Heimaturlaub kamen. Die Familie wurde angezeigt. Die Polizei holte das Schwein ab und transportierte es nach Sulzbach. Dem Familienvater drohte ein Jahr Gefängnis. Da er aber der Ernährer der Familie war, erklärte sich seine Frau bereit, die Strafe im Gefängnis abzusitzen.

Heimliches Ausbuttern

Das Getreide versteckten wir in Säcken in einem hohen Strohhaufen oder sogar im Odelfass. Den Rührflügel des Rührfasses mussten wir - mit Namen versehen - nach dem Ausbuttern abgeben. Mein Vater baute jedoch einen solchen Rührflügel aus Holz nach, so dass wir immer heimlich ausbuttern konnten."

Soweit die Erinnerungen von Karl Knahn. Nach seiner Kenntnis gab es unter den Soldaten aus dem Raum Königstein lange Zeit keine Kriegsopfer. Am 19. April 1941 fiel der Flugzeug-Unteroffizier Michael Lehnerer aus Namsreuth: "Erst dann begann es in den Köpfen der Menschen zu dämmern, dass ein Krieg auch Opfer fordert."

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