13.04.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Christliche Umlandunion hält Rückschau auf vier Jahrzehnte Sieben Sterne für Stadt und Umland

1978 ging als das Jahr der Gebietsreform in die bayerische Geschichte ein. Mancher Dorfbewohner fürchtete, von den Stoderern über den Tisch gezogen zu werden. Heute gibt diese Zeit Stoff für einige Anekdoten her, zum Beispiel jene über das sagenumwobene Michelfelder Sparbuch.

Die langjährige Treue dieser Mitglieder belohnt die Christliche Umland-Union beim Festabend anlässlich des 40-jährigen Bestehens mit Urkunden. Mit im Bild Vorsitzender Josef Lehner und Landrat Richard Reisinger. Bild: cs
von Autor CSProfil

Steinamwasser. Vor 40 Jahren entstand die Christliche Umland- Union als Reaktion auf die Gebietsreform. Seitdem trägt sie die politische Verantwortung für die Stadt Auerbach mit. Mitglieder und Gäste blickten am Donnerstagabend im Gasthaus Zum Mittler auf die Entwicklung der Wählergruppe zurück.

"Wie geht es mit dem Umland weiter, wer vertritt uns in der Stadt Auerbach?": Diese Fragen trieben 1978 viele Menschen in den bis dahin selbstständigen Gemeinden um. Es sei klar geworden, dass nur mit einer eigenen Wählergruppe die Interessen der Umlandbevölkerung durchzusetzen wären, sagte Josef Lehner, seit 2010 der Vorsitzende der CUU.

Sparbuch verschollen

Inzwischen könne man über das Vorgehen der Verantwortlichen in der Altgemeinde Michelfeld schmunzeln. Damit die Auerbacher nicht an das Gemeindevermögen kommen, wurde das Sparbuch versteckt. Ob es je wieder aufgetaucht ist, sei aus seiner Sicht nicht zu klären.

Erzählungen nach - Dokumente aus den Anfangsjahren liegen nicht vor - stand der Grundgedanke Pate, aus jeder Ortschaft einen Kandidaten auf der Umlandliste zu benennen. Eigene Ortslisten konnten somit vermieden werden. "Etwas Patriotismus war schon dabei, um eine Abwanderung von Stimmen aus dem Umland an bekannte Persönlichkeiten wie Doktoren, Lehrer, Banker oder Geschäftsleute zu verhindern."

Als Männer der ersten Stunde nannte Lehner Johann Lederer (Zogenreuth), Hermann Kugler, Josef Schmidt (Nitzlbuch), Erwin Rühr und Luitpold Dietl (Michelfeld). Auf Anhieb holten Siegfried Bierl (Nitzlbuch), Johann Lederer, Alfred Pabst und Willi Schmiedl (Michelfeld) 1978 vier Stadtratsmandate für die CUU. Drei Sitze errangen 1984 Johann Lederer und Siegfried Bierl sowie der Youngster Georg Speckner. Mit diesem Trio behauptete sich die CUU auch sechs Jahre später.

Wende mit neuem Logo

Trotz der obligatorischen Listenverbindung mit der CSU schafften es 1996 nur noch Georg Speckner und Helmut Haberberger. Die Ursache wurde in der Verunsicherung der Wähler durch den Wirbel im Vorfeld um das Bewerberkarussell der CSU-Bürgermeisterkandidaten gesucht.

Als bei der Kommunalwahl 2008 die Zugpferde Georg Speckner und Helmut Haberberger nicht mehr antraten, stand es zur Debatte, überhaupt wieder eine Liste aufzustellen. "Momente von Untergang, Aufbruch und Durchhalten habe auch ich noch im Gedächtnis", blickte Josef Lehner zurück. Ein neues Logo stand für den Neustart: "Gemeinsam für die Stadt, sieben Sterne für die Altgemeinden und Umland Auerbach."

Mit Josef Lehner, Hans Kaiser und Maria Regn als Stimmenkönigin besitzt die CUU wieder Fraktionsstärke im Stadtrat. "Respekt und Wertschätzung gegenüber allen heißt die Maxime für die politische Zusammenarbeit in der Vergangenheit und Zukunft", schloss Lehner.

Bis ins Herz

Entscheidend in der Kommunalpolitik sei, dass am Ende der Konsens steht, ließ Landrat Richard Reisinger in seine Grußworte einfließen. Er sehe sich in seinem Amt als Testamentvollstrecker der Gemeindereform. "Eure Stimme dringt auch bis in das Herz des Landkreises vor", versicherte er den CUU-lern.

Bürgermeister Joachim Neuß sah in der gemeinsamen Feier "ein wunderschönes demokratisches Zeichen". Er sehe in der CUU eine Art Schutzbund, entstanden aus dem Willen heraus, nicht von den "Stoderern" über den Tisch gezogen zu werden. Mittlerweile habe sich ein kooperatives und freundschaftlichen Zusammenarbeiten entwickelt. Die CUU leiste sachorientierte Arbeit und zeige sich kooperativ. So bahne sich auch bei der Befahrung der B 470 mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen eine Lösung an, stellte Neuß in Aussicht.

Grußworte der politischen Mitbewerber

"War sie die Mutter, oder war sie Taufpate oder mehr ein Ehepartner? Am besten trifft es wohl der Begriff Partner."

Herbert Appl, Fraktionschef der CSU im Stadtrat, zur Rolle seiner Partei bei der Gründung der CUU

"CUU und CSU marschieren getrennt. Vielleicht werden wir auch einmal wieder ein Stück Weg miteinander zurücklegen."

Herbert Appl zum aktuellen Verhältnis beider Fraktionen

"Ihr könntet unsere Enkel sein!"

Günter Sertl lädt die CUU schon jetzt zur 100-Jahr-Feier der Auerbacher SPD im Jahr 2019 ein.

"Die Zusammenarbeit mit euch gefällt mir, trotz unterschiedlicher Meinungen."

Bernd Scheller (Bündnis 90/Die Grünen), der als einziger Stadtrat seiner Partei an den Vorbesprechungen der CUU teilnehmen darf

"Für ausschlaggebend halte ich, nicht parteiideologische Interessen zu verfolgen. Bleibt diesem Pfad treu."

Holger Eckert, Freie Wähler/Aufschwung Auerbach. (cs)

Ehrung

Im Mittelpunkt der 40-Jahr-Feier stand die Auszeichnung für langjährige Mitgliedschaft in der Christlichen Umland-Union.

40 Jahre: Erwin Rühr und Luitpold Dietl (beide Michelfeld)

35 Jahre: Georg Speckner (Michelfeld)

30 Jahre: Helmut Haberberger (Gunzendorf)

Mehr als 20 Jahre: Maria Regn, Johann Kaiser (beide Michelfeld), Josef Lederer (Zogenreuth), Hans Vogl (Welluck), Siegfried Sattler (Auerbach), Günther Götz (Steinamwasser) und Peter Gradl (Ohrenbach).

Nachgereicht werden die Urkunden an Erich Höllerer, Hermann Kugler und Josef Schmidt (40 Jahre), Alfred Gmelch, Elke Kormann und Gerhard Lautenschlager (mehr als 20 Jahre). (cs)

Etwas Patriotismus war schon dabei, um eine Abwanderung von Stimmen aus dem Umland an bekannte Persönlichkeiten wie Doktoren, Lehrer, Banker oder Geschäftsleute zu verhindern.CUU-Vorsitzender Josef Lehner
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