13.08.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Gespräch mit dem ehemaligen syrisch-katholischen Generalvikar Flavien Joseph Melki - ... Libanesischer Erzbischof klagt Westen an

Seit Jahren reist Erzbischof Flavien Joseph Melki im Sommer durch Deutschland, um über die Lage der Christen im Nahen Osten zu informieren. Anfang der Woche besuchte der 82-Jährige für drei Tage das Mutterhaus der "Schulschwestern von unserer Lieben Frau" in Auerbach (Kreis Amberg-Sulzbach). Bild: paa
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Auf die Frage, ob die Vertreibung der Christen im Nordirak der Vorbote für das Ende der Christen im Nahen Osten ist, antwortet Erzbischof Flavien Joseph Melki mit einem entschiedenen "Nein". Und dann sagt der syrisch-katholische Geistliche, dass die Christen im Nahen Osten sehr wohl wüssten, "dass sie immer ein Objekt der Verfolgung sind". "Nicht heute", betont er "aber am Ursprung ihrer Existenz."

Der Erzbischof weilt zu einem privaten Besuch im Auerbacher Mutterhaus der "Schulschwestern von unserer Lieben Frau". Es ist sein dritter Besuch in der Oberpfalz. Für drei Tage hat er seine gut vierwöchige Reise durch Deutschland und Liechtenstein unterbrochen, auf der er von dem Schicksal der Christen im Libanon, in Syrien und im Irak erzählt und um Unterstützung wirbt.

Schwere Vorwürfe richtet Erzbischof Melki im Gespräch in Auerbach an den Westen, "weil wir die Konsequenzen der Politik der Europäer und der Amerikaner erdulden müssen". Der syrische Bürgerkrieg wurde aus seiner Sicht vom Westen entzündet. "Wir Christen haben nicht zu den Waffen gegriffen." Dieser Krieg "verbreitete sich in die Nachbarländer, und der ganze Nahe Osten ist entflammt". Trotzdem helfe die US-Regierung weiter den Rebellen.

Längst drohe die islamistische Terror-Welle auch den Libanon zu verschlingen, warnt er. Die libanesische Armee sei nicht fähig, diese aufzuhalten. "Wir Christen warten auf ein Ende des Krieges, der unsere Länder zerstört und entvölkert", sagt der libanesische Erzbischof. Wie viele syrische Bischöfe und Geistliche zieht er das Regime von Baschar al-Assad vor, wegen der Freiräume, die es Christen und anderen Minderheiten gewährt.

Von Petrus gegründet

Der 82-Jährige gehört zu einer der ältesten Kirchen. Die syrisch-antiochenisch-katholische Kirche führt ihre Geschichte auf die Gründung des Patriarchats von Antiochia durch den Apostel Petrus drei Jahrzehnte nach dem Tod Christi zurück. Doch sie ist mittlerweile eine der kleinsten der orientalischen Kirchen. Gerade mal 150 000 Gläubige gibt es noch weltweit, auf gut 100 000 wird ihre Zahl im Nahen Osten geschätzt. Wegen des Bürgerkriegs in Syrien und des Vordringens der Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) im Norden des Irak sind auch viele syrisch-katholische Gemeinden zerstreut worden.

Darüber könnten sich diese ihrem Schicksal ergeben. Zumal der Geistliche nicht nur daran erinnert, dass Jesus gesagt hat, "so wie sie mich verfolgt haben, so werden sie euch verfolgen", sondern auch betont, dass die Christen im Nahen Osten "ein starkes Vertrauen auf Jesus Christus haben". Doch der Erzbischof ist kämpferisch. Er fordert eine Gleichbehandlung der Christen, die bislang in arabischen Ländern nur Bürger zweiter Klasse seien. Er beklagt, dass es keine Demokratie gibt. Die Schuld daran schiebt er dem politischen Islam zu, der "herrschen wolle".

Vor diesem Hintergrund verließen viele arabische Christen ihre Heimat, um in Europa, den USA oder in Australien in Freiheit und Gleichheit zu leben. Deswegen "wird unsere christliche Präsenz jedes Jahr geschwächt", sagt der Erzbischof. "Wir fürchten, dass eines Tages die Wiege des Christentums verwaist sein wird." Das wäre "eine Schande, auch für die Zivilisation dieser Länder".

Mit Habsburg verbunden

Zum Ende erzählt er von seiner Freundschaft mit dem im Jahr 2011 verstorbenen Otto von Habsburg. Dessen Mutter, Kaiserin Zita, habe den späteren Patriarchen und Kardinal Gabriel Ignaz Tappouni vor der Hinrichtung durch die Osmanen bewahrt. Seither gebe es zwischen den Habsburgern und dem Patriarchat eine tiefe Verbundenheit. Deshalb habe Erzbischof Melki 2011 den Gedenkgottesdienst für von Habsburg in Straßburg gefeiert.

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