Schießlärm in Nitzlbuch nimmt drastisch zu
Wieder wackeln die Wände

Auch in der Nacht geht der Schießbetrieb auf dem Truppenübungsplatz weiter, der in Auerbach und Umgebung gerade wieder zu vermehrten Beschwerden führt. Archivbild: Morgenstern

Das Fundament des Hauses zittert, die Tür vibriert: Es ist nicht sehr gemütlich in dem Anwesen von Angela und Werner Dier in Nitzlbuch. Kaum 500 Meter entfernt auf der Schießbahn 213 im Truppenübungsplatz Grafenwöhr stehen Panzer-Haubitzen, die stattliche Salven ins Innere des Platzes abfeuern.

Den Aufschlag bekommen die Anwohner zwar nicht mit, aber das ohrenbetäubende Schießen: "Ein klarer Rechtsbruch!"Streit gab es schon seit über 35 Jahren um den Schießlärm in Nitzlbuch, seit etwa zwei Jahren war der Übungsbetrieb wieder abgeflaut. Doch offensichtlich ist der Ausbildungsbedarf wieder gestiegen, denn seit 15. Februar kracht es wieder mächtig auf der 213.

Panzer und Drohnen

Werner Dier, Vorsitzender des BUT (Bürgerforum - Umwelt und Truppenübungsplatz e.V.), schildert die Schießzeiten: "Das geht los gegen 8.30 Uhr, meist mit Panzern, und zieht sich bis in den Nachmittag. Nach einer Pause wird weiter geschossen in Dreier- oder Vierer-Salven, ab 20 Uhr bis oft weit nach Mitternacht!" Am Samstag habe man drei Haubitzen mit englischer Kennzeichnung identifizieren können. Permanente Drohnenflüge kämen noch hinzu. Die 160 Dezibel Lautstärke, die mit diesem Kriegsgerät erreicht werden, sind laut Dier eindeutig verboten und auch gesetzeswidrig. Dazu liege ein Lärmgutachten der Bundeswehr vor. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) als Eigentümer des Platzes hätte eigentlich die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Lärm von den Häusern ferngehalten oder durch bauliche Maßnahmen gemildert werde. "Doch da geschieht nichts."

Bei trockenem Wetter und Ostwind komme noch die Feinstaubbelastung durch die Schüsse dazu. Dabei müssten sich auch die Amerikaner als Nutzer an die deutschen Gesetze halten. Doch alle Bemühungen des BUT seien bisher fruchtlos geblieben. Im Gegenteil: Das Landratsamt stelle auf Bitte der BIMA nur noch Baugenehmigungen für dieses Gebiet aus, wenn der Antragsteller ausdrücklich auf sämtliche Ansprüche verzichte, die ihm durch Schießlärm entstehen können.

Inzwischen unerträglich

"Als der Schießbetrieb in der letzten Zeit zurückgefahren wurde, ist die Welt auch nicht untergegangen", plädiert Angela Dier für ein Einlenken der Amerikaner. Ihr Mann hat dieser Tage an Landrat Richard Reisinger und Bürgermeister Joachim Neuß geschrieben: "Wie Sie sicher schon gehört haben, hat sich die Situation rund um Bernreuth/Nitzlbuch wieder auf ein unerträgliches Maß gesteigert. Wie Ihnen ja bekannt sein dürfte, werden die Schießbahnen gesetzeswidrig (TA Lärm BiSchG ) betrieben." Dier fügte die lärmakustische Stellungnahme, die Richtlinie zur nachhaltigen Nutzung von Übungsplätzen in Deutschland und die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Nutzung der Truppenübungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels durch ausländische Streitkräfte bei.

"Wie gedenken Sie denn, Ihren Bürgern ein normales Leben unter rechtlich einwandfreien Umständen zu ermöglichen? Sie sind ja unsere gewählten politischen Vertreter und sollten für unsere Interessen einstehen. Und er schließt: "Den Zusatz in Baugenehmigungen wegen des Lärms halte ich für suboptimal. Wollen Sie den Bürger vor dem Lärm schützen oder den Lärm vor dem Bürger?"

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Weitere Informationen:

www.but-buergerforum.de

Schlicht unerträglichBürgermeister Joachim Neuß hält die Situation schlichtweg für "unerträglich", wie er unserer Zeitung bestätigte. "Vor allem nachts, wenn es gegen halb zwölf so richtig losgeht!" Er bezeichnet die massiven Beschwerden der letzten Zeit bei der Stadt, der Polizei und anderen Stellen als "absolut berechtigt".

Sieht er Möglichkeiten, gegen den Lärm vorzugehen? "Da hat sich bei mir eine gewisse Hoffnungslosigkeit breitgemacht", gibt er zu. Nach zehn Jahren als Bürgermeister und vorher als Stadtrat habe er schon viele Bundes- und Landespolitiker an der Schießbahn stehen sehen und Versprechungen abgeben hören, "aber getan hat sich bisher einfach null." Nachdem es in den vergangenen Wochen und Monaten etwas weniger geworden war mit dem Schießen, erinnerte sich Bürgermeister Neuß auch an ein Gespräch mit dem vor zwei Jahren zuständigen Colonel: "Da habe ich schon den Eindruck gewonnen, dass die Amerikaner diese Bahn eigentlich aufgeben wollen."

Doch das sei jetzt wohl hinfällig, wie eindeutige Verlautbarungen der US-Army und vor allem der Übungsbetrieb klar widerlegten. "Wir bekommen auch nur die lapidaren Pressemeldungen, dass der Übungsbetrieb in der nächsten Zeit verstärkt wird - das ist alles an Kommunikation." (ge)


Als der Schießbetrieb in der letzten Zeit zurückgefahren wurde, ist die Welt auch nicht untergegangenAngela Dier
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