01.03.2018 - 18:40 Uhr

Schießlärm in Nitzlbuch nimmt drastisch zu Wieder wackeln die Wände

Das Fundament des Hauses zittert, die Tür vibriert: Es ist nicht sehr gemütlich in dem Anwesen von Angela und Werner Dier in Nitzlbuch. Kaum 500 Meter entfernt auf der Schießbahn 213 im Truppenübungsplatz Grafenwöhr stehen Panzer-Haubitzen, die stattliche Salven ins Innere des Platzes abfeuern.

Auch in der Nacht geht der Schießbetrieb auf dem Truppenübungsplatz weiter, der in Auerbach und Umgebung gerade wieder zu vermehrten Beschwerden führt. Archivbild: Morgenstern
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Den Aufschlag bekommen die Anwohner zwar nicht mit, aber das ohrenbetäubende Schießen: "Ein klarer Rechtsbruch!"Streit gab es schon seit über 35 Jahren um den Schießlärm in Nitzlbuch, seit etwa zwei Jahren war der Übungsbetrieb wieder abgeflaut. Doch offensichtlich ist der Ausbildungsbedarf wieder gestiegen, denn seit 15. Februar kracht es wieder mächtig auf der 213.

Panzer und Drohnen

Werner Dier, Vorsitzender des BUT (Bürgerforum - Umwelt und Truppenübungsplatz e.V.), schildert die Schießzeiten: "Das geht los gegen 8.30 Uhr, meist mit Panzern, und zieht sich bis in den Nachmittag. Nach einer Pause wird weiter geschossen in Dreier- oder Vierer-Salven, ab 20 Uhr bis oft weit nach Mitternacht!" Am Samstag habe man drei Haubitzen mit englischer Kennzeichnung identifizieren können. Permanente Drohnenflüge kämen noch hinzu. Die 160 Dezibel Lautstärke, die mit diesem Kriegsgerät erreicht werden, sind laut Dier eindeutig verboten und auch gesetzeswidrig. Dazu liege ein Lärmgutachten der Bundeswehr vor. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) als Eigentümer des Platzes hätte eigentlich die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Lärm von den Häusern ferngehalten oder durch bauliche Maßnahmen gemildert werde. "Doch da geschieht nichts."

Bei trockenem Wetter und Ostwind komme noch die Feinstaubbelastung durch die Schüsse dazu. Dabei müssten sich auch die Amerikaner als Nutzer an die deutschen Gesetze halten. Doch alle Bemühungen des BUT seien bisher fruchtlos geblieben. Im Gegenteil: Das Landratsamt stelle auf Bitte der BIMA nur noch Baugenehmigungen für dieses Gebiet aus, wenn der Antragsteller ausdrücklich auf sämtliche Ansprüche verzichte, die ihm durch Schießlärm entstehen können.

Inzwischen unerträglich

"Als der Schießbetrieb in der letzten Zeit zurückgefahren wurde, ist die Welt auch nicht untergegangen", plädiert Angela Dier für ein Einlenken der Amerikaner. Ihr Mann hat dieser Tage an Landrat Richard Reisinger und Bürgermeister Joachim Neuß geschrieben: "Wie Sie sicher schon gehört haben, hat sich die Situation rund um Bernreuth/Nitzlbuch wieder auf ein unerträgliches Maß gesteigert. Wie Ihnen ja bekannt sein dürfte, werden die Schießbahnen gesetzeswidrig (TA Lärm BiSchG ) betrieben." Dier fügte die lärmakustische Stellungnahme, die Richtlinie zur nachhaltigen Nutzung von Übungsplätzen in Deutschland und die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Nutzung der Truppenübungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels durch ausländische Streitkräfte bei.

"Wie gedenken Sie denn, Ihren Bürgern ein normales Leben unter rechtlich einwandfreien Umständen zu ermöglichen? Sie sind ja unsere gewählten politischen Vertreter und sollten für unsere Interessen einstehen. Und er schließt: "Den Zusatz in Baugenehmigungen wegen des Lärms halte ich für suboptimal. Wollen Sie den Bürger vor dem Lärm schützen oder den Lärm vor dem Bürger?"

___

Weitere Informationen:

www.but-buergerforum.de

Schlicht unerträglich

Bürgermeister Joachim Neuß hält die Situation schlichtweg für "unerträglich", wie er unserer Zeitung bestätigte. "Vor allem nachts, wenn es gegen halb zwölf so richtig losgeht!" Er bezeichnet die massiven Beschwerden der letzten Zeit bei der Stadt, der Polizei und anderen Stellen als "absolut berechtigt".

Sieht er Möglichkeiten, gegen den Lärm vorzugehen? "Da hat sich bei mir eine gewisse Hoffnungslosigkeit breitgemacht", gibt er zu. Nach zehn Jahren als Bürgermeister und vorher als Stadtrat habe er schon viele Bundes- und Landespolitiker an der Schießbahn stehen sehen und Versprechungen abgeben hören, "aber getan hat sich bisher einfach null." Nachdem es in den vergangenen Wochen und Monaten etwas weniger geworden war mit dem Schießen, erinnerte sich Bürgermeister Neuß auch an ein Gespräch mit dem vor zwei Jahren zuständigen Colonel: "Da habe ich schon den Eindruck gewonnen, dass die Amerikaner diese Bahn eigentlich aufgeben wollen."

Doch das sei jetzt wohl hinfällig, wie eindeutige Verlautbarungen der US-Army und vor allem der Übungsbetrieb klar widerlegten. "Wir bekommen auch nur die lapidaren Pressemeldungen, dass der Übungsbetrieb in der nächsten Zeit verstärkt wird - das ist alles an Kommunikation." (ge)

Als der Schießbetrieb in der letzten Zeit zurückgefahren wurde, ist die Welt auch nicht untergegangenAngela Dier

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Hubert Senf

Jedem Oberpfälzer, der den Schießlärm von "Übungen" in unserer Heimat hört, sollte sich auch moralisch bewusst sein, dass den "Übungen", die de facto schlichtweg eine von vielen Kriegsvorbereitenden Maßnahmen sind, der praktische Tod von Menschen in Kriegseinsätzen in anderen Ländern folgt. Ebenso wie die Rüstungsgüter (Jeder Waffe findet seinen Krieg) exportieren wir auch dadurch Krieg aus Deutschland.
So war es z.B. auch im Irak-Krieg. Grafenwöhr und auch v.a. die Airbase Ramstein haben dazu Ihren Beitrag geleistet.(Kann jeder online nachrecherchieren).

Hört man das Grollen aus Grafenwöhr, dann klingt das nicht nur wie Krieg, es ist bereits ein Teil davon.

Der "Lärm" wäre aber noch auszuhalten, wenn hier die Bundeswehr für reine Verteidigungs-Aufgaben (zu dessen Zweck Sie nach dem zweiten Weltkrieg gegründet wurde) trainieren würde. Aber eben im Verbund des NATO "Verteidigungsbündnisses" ist die Bundeswehr in allen möglichen Einsätzen im Ausland unterwegs und "Verteidigt die Sicherheit Deutschlands am Hindukusch" oder sonstwo. Doch nur weil jemand diese These einmal aufgestellt hat, wird sie deshalb nicht wahrer, sie ist eine blanke Rechtfertigungsthese für Kriegseinsätze der Bundeswehr im Ausland. Auch sollte man sich mit der Geschichte der NATO vertraut machen (Hinweis auf: Die Geschichte der NATO - NATO Geheimarmeen - Gladio).

"Wer einen Angriffskrieg (Artikel 26 Abs. 1 des Grundgesetzes), an dem die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sein soll, vorbereitet und dadurch die Gefahr eines Krieges für die Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe oder mit Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren bestraft."

Dieser still und heimlich im Januar 2017 gestrichene § 80 StGB, der in verwässerter Form zwar ins Völkerrecht "geschoben" wurde, allerdings wegen ausstehenden Ratifizierung noch nicht in Kraft ist, zeigt auch, dass die Bundeswehr im Rahmen der NATO auch im Ausland "mehr Verantwortung übernehmen soll". Dies fordern die USA und diverse Geostrategen schon länger ("Europa wird seine Kriege haben" George Friedman im Vortrag "STRATFOR: US-Hauptziel war es immer, Bündnis Deutschland + Russland zu verhindern").

Wer jetzt denkt "NATO Angriffsbündnis? > Das ist doch eine Verschwörungstheorie", der sollte zwei Dinge tun: 1. Den Ursprung, das Ziel und die heutige Mundtot-Methode des Begriffs "Verschwörungstheorie" recherchieren und 2. aus der Geschichte lernen "Es begann mit einer Lüge" - Doku über NATO-Einsatz in Jugoslawien, ARD 2001"
Denn es ist eben mehr als wahrscheinlich, dass Kosovo oder Syrien nicht der letzte völkerrechtswidrige Krieg (da kein UN Mandat vorlag) bleiben wird. Statt Prozessen, die es geben hätte müssen, wurde das Völkerrecht allerdings "uminterpretiert". (Ist auch nachzulesen)

Daher begrüße ich als friedensbefürwortender Oberpfälzer, dem die Heimat und der Friede viel wert ist, die Friedensbemühungen in unserer Region (Friedensmarsch Weiden oder Stopp Grafenwöhr) und zwar nicht nur zur Reduzierung des Lärms jede zusätzliche Gegenstimme zu den NATO Übungen. Es soll sogar von lokalen Politikern den Irrwitzigen Gedanken geben, sich für noch mehr NATO Engagement zu "bewerben". Da kommt man dann aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus…

02.06.2018