05.07.2016 - 14:04 Uhr
Oberpfalz

Drei Michelfelder nehmen sich 14 Kreuzwegstationen an "Man sieht, dass sie uralt sind"

Es gibt sie wahrscheinlich seit dem 17. Jahrhundert, und der Zahn der Zeit hatte sie schon gewaltig angenagt. Doch jetzt sehen die Kreuzwegstationen im Staatsforst zwischen Horlach und dem Schafsteg wieder tiptop aus. Darüber freuen sich die Michelfelder Gößweinstein-Pilger.

Diese Kreuzwegstation lag abgebrochen am Boden; das Glasbild, auf das Luitpold Dietl (links) deutet, war zerstört. Zusammen mit Alfred Kormann und Uli Denk (von rechts) hat er die 14 Stationen im Staatsforst zwischen Horlach und dem Schafsteg bei Nasnitz renoviert. Auf dem Rückweg ihrer Gößweinstein-Wallfahrt am Sonntag wollen die Michelfelder dort erstmals entlang der neuen Stationen den Kreuzweg beten. Bild: ll
von Markus Müller Kontakt Profil

Michelfeld. Wenn die Gläubigen am Sonntag, 10. Juli, auf dem Rückweg aus dem fränkischen Wallfahrtsort sind, wollen sie den traditionellen Kreuzweg besonders feierlich beten. Dabei steht ihnen die Michelfelder Blasmusik zur Seite.

Voller Moos und Schmutz

Nicht nur die Michelfelder beten diesen Kreuzweg durch den Wald, sondern auch die Auerbacher, Vilsecker oder Sorghofer, deren Wallfahrtsweg nach Gößweinstein derselbe ist. Und ein namentlich nicht bekannter Sorghofer war es auch, der den Michelfelder Wallfahrtsführer Luitpold Dietl auf die Idee brachte, die verwitterten, vermoosten, verdreckten und teilweise sogar zerstörten 14 Stationen auf Vordermann zu bringen.

Jener Sorghofer äußerte nämlich im Horlacher Wirtshaus, es überrasche ihn schon, dass man diese eigentlich schönen Kreuzweg-Stationen so verkommen lasse. Warum denn da nichts gemacht werde? Dietl nahm sich diese Worte zu Herzen. Hatte der ausgebildete Kirchenführer doch vom inzwischen verstorbenen Gößweinsteiner Bürgermeister Hans Backer einmal gehört, dass die Michelfelder Wallfahrt in den Dreifaltigkeits-Gnadenort seit 1633 nachweisbar ist. Dietl geht davon aus, dass die Stationen ihren Ursprung in dieser Zeit haben müssen, weil im Zusammenhang mit der Wallfahrt immer von einem Kreuzweg die Rede war. "Man sieht auch, dass sie uralt sind."

Luitpold Dietl nahm also zusammen mit Alfred Kormann und Uli Denk die Renovierung der 14 Stationen aus Kalkstein entlang des alten Horlacher Kirchenwegs nach Michelfeld in Angriff. Im ersten Anlauf brachten sie ein 1000-Liter-Güllefass voll Wasser mitsamt Stromaggregat, Hochdruckreiniger und Werkzeuge in den Wald. Dazu brauchten sie zwei Schlepper. "Wir waren eine richtige kleine Expedition", erzählt Alfred Kormann schmunzelnd.

Traktor in Verlegenheit

Bei einer der Stationen reichte die Reinigung nicht. Sie war in Bodennähe abgebrochen, möglicherweise bei Baumrückarbeiten, und lag am Weg. Beim Transport nach Michelfeld merkten die drei Männer erst, wie schwer die Steine waren. Fast hätte es der Traktor nicht geschafft.

Bei den Feinheiten ging es leichter. Die Kreuze oben auf den Steinen richtete Wolfgang Kraus in seinem Nasnitzer Metallbaubetrieb her oder machte neue. Drei der Glasbilder in den Stationen waren zerbrochen. Nach Fotos fertigte Gabi Bauer von der Michelfelder "Tönerbude" Ersatz. Alles unentgeltlich. "Die sind so gut geworden, dass du keinen Unterschied merkst, wenn du nicht weißt, dass es die neuen sind", ist Luitpold Dietl voll des Lobes. Er hat außerdem jede Station mit einer Zahl aus Metall versehen. (Mehr zum Thema)Wallfahrt nach Gößweinstein

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