19.01.2017 - 17:40 Uhr
Oberpfalz

Feuerwehrleute simulieren Fahrten zum Einsatz Überrascht von der eigenen Reaktion

Blaulicht, Martinshorn, Sprechfunk - alles wirkt real. Beim Training mit dem Fahrsimulator des Landesfeuerwehrverbands erfuhren die Teilnehmer, welchen Risiken sie ausgesetzt sind, wenn sie im wirklichen Leben zum Einsatz gerufen werden. Im Feuerwehrhaus in Auerbach zeigte Reiner Greif aus Forchheim, welche Stressfaktoren den Fahrer belasten.

Philipp Lindner sitzt im Fahrsimulator des Landesfeuerwehrverbands Bayern. Er führt das Risiko eines Unfalls beim Einsatz vor Augen. Bild: swt
von Autor SWTProfil

Kreisbrandrat Fredi Weiß, Kreisbrandinspektor Peter Deiml und Kreisbrandmeister Hans Sperber beobachteten die ungewöhnliche Übung. Deiml hatte den "Sonder-Signal-Fahrt-Trainer", wie der Simulator auch heißt, nach Auerbach geholt. Seit 2013 bieten der Landesfeuerwehrverband, das Innenministerium und die Versicherungskammer Bayern dieses Verhaltenstraining für Maschinisten an.

"Man wird zu ungewöhnlichen Zeiten alarmiert, nachts vielleicht aus dem Schlaf gerissen. Die Kameraden wissen nur zum Teil, was sie am Einsatzort erwartet. Es geht um Menschenleben", beschreibt Fredi Weiß die Ausgangslage. Wirklichkeitsnah üben lasse sie sich kaum. "Wir können unsere Fahrer nur durch Bewegungsfahrten und die Erfahrung der älteren Kollegen schulen," fügt der Kommandant der Feuerwehr Auerbach, Sven Zocher, hinzu. Umso dankbarer zeigte er sich für die Möglichkeit, im Simulator eine fast "echte" Fahrt zu üben.

Philipp Lindner steigt als erster ins Gerät. Große Bildschirme lenken den Blick auf die nahezu echt wirkende Straße. Der Fahrersitz bewegt sich mit dem Lenker. Auch die nachfolgenden Probanden bemerken, dass sie die Geschwindigkeit unterschätzen und in einer Stresssituation schon mal zu viel Gas geben. Der erste simulierte Auffahrunfall geschieht noch in der Anfahrtsphase.

Weitere Gefahren lauern an Kreuzungen. Dort gilt es, die anderen Verkehrsteilnehmer im Auge zu behalten: Wie reagieren sie? Werden Rettungsgassen gebildet, kann überholt werden? Reiner Greif analysiert zusammen mit den Fahrern das Geschehen im Simulator, das digital aufgezeichnet wird. Nachher können die Maschinisten ihre Fahrweise mit etwas Distanz betrachten. Viele zeigen sich überrascht, wie nervös man unter Stress reagiert. Geschwindigkeitsüberschreitungen, Überholen in Kurven - Fehler die man vielleicht in einer normalen Situation nicht machen würde.

In sechs Einheiten zu je sechs Personen üben die Kameraden in dieser Woche täglich in Theorie und Praxis. Alles freiwillig, viele haben extra Urlaub genommen. Die Teilnehmer kommen unter anderem aus Auerbach, Königstein und Michelfeld. Dass die Schulung wichtig ist, bestätigt Martin Schmidt, Kreisbrandmeister und im Landkreis für den Feuerwehrführerschein zuständig. Der gelernte Fahrlehrer meint: "Einweisungsfahrten sind etwas anderes als solch eine simulierte Einsatzfahrt. Ich selbst bin seitdem mehr für das Geschehen sensibilisiert."

Bürgermeister Joachim Neuß beobachtete das Training und zeigte sich überrascht vom Risiko.

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