01.05.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Kaum Gefahren für die Auerochsen Wolf schon durchs Weidegebiet

Jetzt ist es also amtlich, auch in der näheren Umgebung von Auerbach wurden Wolfsspuren nachgewiesen. Vergangene Woche meldete das Landesamt für Umwelt, dass Anfang April an der Grenze zwischen den Landkreisen Amberg-Sulzbach, Bayreuth und Nürnberger Land drei Rotwildtiere tot aufgefunden wurden.

Die Hörner der Heckrinder wirken furchteinflößend. Bild: swt
von Autor SWTProfil

Zur weiteren Abklärung beauftragte das Landesamt für Umwelt die genetische Analyse gesicherter Speichelspuren. Für eine Probe liegen nun erste Ergebnisse vor: Sie stammt eindeutig von einem Wolf aus der zentraleuropäischen Tieflandpopulation. Weitere Analysen sollen Erkenntnisse zu Geschlecht und Rudelzugehörigkeit liefern und klären, ob es Bezüge zu den beiden auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr ansässigen Wölfen gibt. Behörden, Interessenverbände und Vertreter von Nutztierhaltern wurden informiert.

Nachgewiesen ist ja schon seit längerem ein Wolfspärchen im Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Auch im bayerischen Wald hat sich ein Pärchen angesiedelt. Deutschlandweit kennt man etwa 50 Rudel, vor allem in den nördlichen und östlichen Bundesländern. Von Jägern und Weideviehhaltern wird das Aufkommen des Wolfes mit Skepsis gesehen. Letztere haben Angst, dass der Wolf ihr Vieh reißen könnte. Jäger befürchten eine Konkurrenz bei der Bejagung von Wild. Auch in der Bevölkerung wird die Rückkehr des Wolfes kontrovers diskutiert.

Aber was bedeutet das Auftauchen von Meister Isegrimm für die Auerochsen im Naturschutzgebiet Leonie? Besteht hier eine Gefährdung? Wir fragten nach bei Ralf Bolz, Biologe aus Sugenheim, der in der Vorstandschaft des Weideprojekts Leonie sitzt und die Maßnahmen rund um die Heckrinder begleitet.

Bolz erklärt auf unsere Anfrage: "Die aktuelle Ausgangslage ist, dass östlich von Leonie im Truppenübungsplatz Grafenwöhr wohl dieses Jahr das erste Rudel mit Nachwuchs entsteht und der Westen bei Michelfeld entweder zum Aktionsradius dieser gehört oder von weiteren Wölfen durchstreift wird. Folglich ist das Weidegebiet Leonie bereits durchwandert beziehungsweise durchquert worden."

"Grundsätzlich stellt der Wolf als Einzeltier oder zu zweit keine direkte Bedrohung für die Auerochsen dar, so Bolz weiter. "Auch im Rudel sind Auerochsen, welche sich im Herdenverband verstehen, nur unter höchster Gefährdung für das eigene Wohl und Leben aus Sicht des Wolfes zu sehen."

Der Fachmann erklärt außerdem: "Aus Heck-Rinderherden könnten kranke Tiere oder neugeborene Kälber grundsätzlich eine potenzielle Nahrung darstellen." Kranke Tiere träten nur sehr selten auf und neugeborene Kälber würden von den Mutterkühen "umsorgt", das heißt also verteidigt.

"Wenn sie sich nach zwei bis drei Tagen der Herde anschließen, können sie bereits laufen und werden von allen geschützt." Anders als bei Schafen und Ziegen verteidigen sich die Horn tragenden großen Auerochsen, welche vor allem auch ganzjährig draußen leben, selbst. "Wahrscheinlich wird es aber die eine oder andere Änderung im Verhalten geben, was wir beobachten müssen," so Ralf Bolz.

Gesunde Hirsche

Auch für das Rotwild seien Änderungen zu erwarten. Der Biologe erläutert die Aussage. "Von Rotwildbeständen ist bekannt, dass in Wolfsregionen die gesündesten und kapitalsten Rothirschvorkommen liegen. Dies führt derzeit jedes Jahr zu einem großen Jagdtourismus in diese Regionen, um diese kapitalen Hirsche in Osteuropa zu erlegen."

Antworten von angefragten Landwirten und von der Jägerkameradschaft Auerbach zum Thema Wolf lagen bis Redaktionsschluss nicht vor.

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