23.02.2018 - 18:20 Uhr

Luitpold Dietl erinnert sich an die Geburtsstunde des Pfarrgemeinderats in Michelfeld Als der Pfarrer spottete

Seit es den Pfarrgemeinderat gibt, gehört Luitpold Dietl ihm an, also 50 Jahre lang. Der Michelfelder hat in dem Gremium viel Schönes erlebt, doch auch eine schreckliche Erinnerung verbindet sich mit seinem Engagement.

Auch wenn er nach 50 Jahren das Amt als Pfarrgemeinderat an den Nagel hängt, bleibt Luitpold Dietl der Kirche verbunden, ob nun als Mesner oder als Kirchenführer in Michelfeld. In der Sakristei der Asamkirche hängt sein Herz besonders an den vielen farbenprächtigen alten Messgewändern. Bild: Hartl
von Markus Müller Kontakt Profil

Michelfeld. Eines ist dem 68-Jährigen wichtig: Auch wenn er jetzt nicht mehr für den Pfarrgemeinderat kandidiert, ist er der Kirche weiterhin eng verbunden, ob als Mesner oder als Führer durch die Michelfelder Gotteshäuser. Aber irgendwann ist es Zeit, aus einem Amt abzutreten, findet Dietl. "Und es sollen ja auch mal die Jungen ran. Die werden aber nicht gewählt, wenn die Alten auf der Liste bleiben."

1968, als in Michelfeld der erste Pfarrgemeinderat gewählt wurde, war Luitpold Dietl selbst der Jüngste, 18 Jahre alt. Zusammen mit Erwin Rühr, Hans Deiml und Hans Trenz wurde er von Pfarrer Müller bestimmt, die Wahl vorzubereiten. Wobei der Geistliche von dieser im II. Vatikanischen Konzil wurzelnden Neuerung gar nicht begeistert gewesen sei. Er habe gespottet, ob jetzt wohl die Laien in der katholischen Kirche anschafften. Diese Einstellung sei unter den Priestern damals weit verbreitet gewesen, erinnert sich Dietl. So sei vom Auerbacher Pfarrer Ritter der Spruch bekannt gewesen: "Ein guter Pfarrer braucht keinen Pfarrgemeinderat."

Und doch kamen die Laiengremien flächendeckend, weil die Bischöfe das anordneten. "Aber anfangs haben wir in unseren turnusmäßigen Sitzungen oft gar nicht gewusst, was wir tun sollten", erzählt Dietl. Erst allmählich bildeten sich die Zuständigkeiten und Kompetenzen des Pfarrgemeinderats heraus, nachdem bis dahin bei allen Katholiken mehr oder weniger klar gegolten hatte, dass der Pfarrer anschafft.

Mit den Jahren flossen in Michelfeld die Ansichten und Interessen der Laien viel stärker ins Gemeindeleben ein: die Beerdigungen, zuvor grundsätzlich am Vormittag, wurden auf den Nachmittag gelegt, so dass mehr Gläubige sie besuchen konnten; der Opfergang für die Kollekte wurde abgeschafft, ebenso die Kommunionbank; die Handkommunion wurde eingeführt, die Kommunionhelfer und Lektoren aus der Pfarrgemeinde. "Oft war es mühselig, das den Pfarrern abzuringen", sagt Luitpold Dietl. Manchmal machten auch die ganz normalen Michelfelder Schwierigkeiten; so habe es lange gedauert, bis sich eingebürgert habe, dass bei der Kommunion geordnet Bank um Bank nach vorne gehe.

Glücksfall für die Pfarrei

1978 wurde Dietl als Nachfolger von Erwin Rühr Vorsitzender des Michelfelder Pfarrgemeinderats. Ein Jahr später dann der Glücksfall für den Ort: Pfarrer Franz Wolfring trat seinen Dienst hier an. "Mit ihm ist das Pfarrleben aufgeblüht." Der damals gegründete Kinderchor zeugt noch heute davon, der Bittgang nach Nasnitz erinnert daran, wie positiv der Geistliche den Vorschlägen seines Pfarrgemeinderates gegenüberstand. "Pfarrer Wolfring war für meinen Mann ein väterlicher Freund", wirft an dieser Stelle Luitpold Dietls Frau Emmi ein. Umso größer der Schock für den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden im Jahr 1987: "Das war das Schlimmste, was ich in diesem Amt erlebt habe, als Pfarrer Wolfring eines Tages mit 58 Jahren tot im Bett lag." Dietl musste bei der Beerdigung die Trauerrede halten.

Tagte der Pfarrgemeinderat anfangs noch in wechselnden Wirtshäusern oder im Bräustüberl des Klosters, so wurde nach dem Bau des Pfarrzentrums Mitte der 70er Jahre die dortige Kegelbahn sein ständiger Sitzungsraum. Das großzügig geplante neue Gebäude machte auch viele andere Veranstaltungen möglich, etwa die legendären Prunksitzungen der Faschingsgesellschaft. Die Bewirtung erfolgte stets durch den Pfarrgemeinderat. "Ich habe fünf Tage Urlaub genommen jeden Fasching", macht Dietl klar, welcher Aufwand damit verbunden war.

Mit Weitsicht agiert

Wenn der Mann der ersten Stunde auf die 50 Jahre im Pfarrgemeinderat zurückblickt, kommt ihm ein Gedanke: wie zukunftsgerichtet die Leute gehandelt haben, die damals die Laien in den Pfarreien mit in die Verantwortung bringen wollten. "Bei allen Veränderungen in dieser Zeit wurden immer die Pfarrer gefragt, aber jetzt haben nicht einmal mehr alle Gemeinden Pfarrer. Stattdessen sind die einfachen Leute mündiger geworden. Die hatten schon eine Weitsicht damals."

Kind des Konzils

An diesem Wochenende werden in den katholischen Pfarreien in Bayern die Pfarrgemeinderäte gewählt. Deshalb versammeln wir auf dieser Seite einige Besonderheiten rund um diese Vertretung der katholischen Laien, die im Jahr 1968 als Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils ins Leben gerufen wurde. (ll)

Anfangs haben wir in unseren turnusmäßigen Sitzungen oft gar nicht gewusst, was wir tun sollten.Luitpold Dietl über die Findungsphase des Pfarrgemeinderats
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