Menschen unterschiedlichen Glaubens feiern gemeinsam bei Kaffee, Tee und Plätzchen
Vaterunser auf Aramäisch

Iranda Aljammal (links) und ihre Familie mit dem Nikolaus, der Geschenke für die Teilnehmer der multikulturellen Adventsfeier mitgebracht hatte.

Adventliche Stimmung breitete sich im katholischen Pfarrheim Arche aus, als kürzlich der Auerbacher Pfarrer Markus Flasinski mit dem Flüchtlingskind Lukas beim "Tisch der Begegnung" eine Kerze entzündete. Begleitet von Agathe Schriml, klang "Wir sagen Euch an den lieben Advent" durch den Saal.

Der Arbeitskreis der beiden christlichen Pfarrgemeinden Auerbachs hatte in den Sonntagsgottesdiensten für diesen Nachmittag geworben. Adressaten waren die Flüchtlinge, ob alt ob jung, aber auch die einheimischen Alten, die Armen und Alleinstehenden; unabhängig von ihrer Religion. Der Advent und das bevorstehende Weihnachtsfest eigneten sich gut, über die persönlichen Begegnungen hinaus Bräuche und Sitten der unterschiedlichen Religionen miteinander bekannt zu machen, fanden die Veranstalter.

Iranda Aljammal aus der Reihe der syrisch-orthodoxen Christen in Auerbach sang das Vaterunser in aramäischer Sprache. So ist es in ihrer Heimat zur Eröffnung der Feierlichkeiten des Heiligen Abends üblich. Dann folgen Psalmen. Wie in den katholischen und in den evangelischen Kirchen beziehen sie sich auf das Kommen des Messias und bitten Gott, die Tür zum Glauben zu öffnen.

Begonnen haben die Treffen am "Tisch der Begegnung" nach intensiven Vorgesprächen und Planungen im April. Der Einladung von Dekan Flasinski leisteten Bürgermeister Joachim Neuß, die Stadtverwaltung und die Klosterschwestern Folge. Vertreter aus Bürgernetz, Helferkreis, Arche-Laden, Caritas, Pfarrgemeinderat, Dekanatsrat und evangelischer Kirche gesellten sich dazu. Sie alle begrüßten die Idee, ein Umfeld für die freundliche Aufnahme der in Auerbach lebenden Ausländer zu schaffen. Der letzte Montag eines Monats wurde für den Nachmittag im katholischen Pfarrheim Arche festgesetzt.

Am Sonntag feierten Menschen unterschiedlicher Nationen, Sprachen, Religionszugehörigkeiten und Altersstufen bei Kaffee und Tee, Plätzchen und Stollen miteinander. Verdi Akdemir, eine Angehörige der syrisch-orthodoxen Kirche, lebt schon seit 46 Jahren in Auerbach. Sie erinnerte sich an die Offenheit und Freundlichkeit, mit der die Bevölkerung ihr und ihrer Familie begegnete, und wie viel Hilfe sie erfahren hat. "Ich fühle mich als Christin in Deutschland wohl", erklärte sie. Dankbarkeit möchte sie dadurch zeigen, dass Freundlichkeit, Hilfe und Offenheit auch den nun neu Angekommenen zuteil werden.

In ihren Begegnungen mit anderen Religionen, Glaubensgemeinschaften oder atheistischen Gruppen erbittet sie Achtung und Respekt vor ihrer Religion, wie sie den grundlegenden Überzeugungen ihres Gegenübers respekt- und achtungsvoll entgegentrete. Sie sieht allerdings in diesen von Toleranz geprägten Begegnungen eine Gefahr: "Wenn wir nicht gläubig genug sind, können wir auch den Glauben verlieren."

Der adventliche Nachmittag beim "Tisch der Begegnung" hatte seinen Höhepunkt in der Bescherung durch den Nikolaus für alle. Advents- und Weihnachtslieder begleitete Agathe Schriml.
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