Mila ist ein "Lesehund"
Collie mit Bildungsauftrag

Lesehund Mila hört zu.

Mila ist eine hübsche Hündin. Sie hat ein weiches, weiß-braunes Fell und bernsteinfarbene Augen. Kein Wunder, dass alle Kinder sofort den Kopf nach ihr drehen, wenn sie das Schulhaus betritt.

Denn Mila geht regelmäßig mit Frauchen Simone Schätzlein in die Dr.-Heinrich-Stromer-Grundschule in Auerbach. Dann trägt die Hündin über ihrem normalen Halsband noch ein rosa-weiß-kariertes Halstuch. In bunten Lettern ist darauf der Schriftzug „Lesehund“ eingestickt.

Mila hat einen verantwortungsvollen Job: Sie hilft Kindern dabei, besser lesen zu lernen. Ganz einfach, indem sie da ist und zuhört. So wie bei der sechsjährigen Leonie (Name geändert), die mit Lesebuch und Lesemaus Mia, einem Plüschtier, in den kleinen Büroraum kommt. Dort setzt sie sich gleich zu Mila auf die Decke. Die Hündin legt sich ruhig hin und bettet ihren Kopf auf Leonies Knie.

Mehr muss sie nicht tun – allein ihre Gegenwart beruhigt das Mädchen bereits. Leonie liest geduldig Satz für Satz. Manches geht schon flüssig, andere Wörter muss die Sechsjährige mühsamer buchstabieren. Simone Schätzlein greift hin und wieder ruhig ein. „Das hat die Mila jetzt nicht ganz verstanden“, sagt sie dann. Denn der Mensch an der Seite des Hundes soll sich möglichst wenig einmischen – und wenn, dann so, dass auch dabei immer der Vierbeiner im Mittelpunkt steht und nicht das Herrchen oder Frauchen. Das Konzept „Lesehund“ kommt aus den USA und wurde in Deutschland von der Münchnerin Kimberly Ann Grobholz bekannt gemacht. Simone Schätzlein ist über den Verein „Therapiehunde Franken“ von Grobholz persönlich geschult worden. Zunächst musste die jetzt dreieinhalbjährige Mila sich einem Wesenstest stellen. „Nicht jeder Hund ist so duldsam, dass er sich als Lesehund eignet“, erklärt Schätzlein. „Und der Sinn ist ja, dass die Kinder runterfahren und ruhig werden, wenn der Hund da ist.“

Schätzlein engagiert sich ehrenamtlich: Im Moment betreut sie drei Kinder an der Schule, die von ihren Lehrkräften ausgewählt worden sind. Ganz nebenbei lernen die Kinder auch noch den richtigen Umgang mit einem Hund. Leonie hat immer ein Auge auf Mila und merkt, dass die Hündin Durst hat. Sie darf das Vorlesen kurz unterbrechen und dem Collie Wasser aus einer besonderen Trinkflasche geben. Schüler, die vor Hunden eine gewisse Scheu haben, dürfen sich zum Vorlesen auf einen Tisch setzen und das Belohnungsleckerli am Ende der Lesezeit auf einem Kochlöffel überreichen. Bei Leonie aber ist das nicht nötig. „Ich habe keine Angst“, sagt sie. Sie komme gerne für eine Viertelstunde in der Woche aus dem Unterricht, um der Colliehündin vorzulesen. „Das macht mir Spaß und ich freue mich schon immer drauf, dass ich die Mila wiedersehe.“ (m)

Weitere Infos auf den Webseiten www.therapiehunde-franken.de • www.lesehund.de
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