11.04.2018 - 15:42 Uhr
Oberpfalz

Nürnberger beleidigt Anwohner, der Polizist ist: Verfahren eingestellt Trotz "Vollpfosten" keine Strafe

"Idiot", "Vollpfosten" und das berühmte A-Wort: All das soll laut Anklage ein 37-jähriger Geschäftsmann aus Nürnberg bei einem Streit einem Auerbacher entgegengeschleudert haben, der von Beruf Polizist ist. Das Amtsgericht Amberg prüft den Fall und geht auf einen Vorschlag ein.

Foto: Uli Deck/dpa
von Thomas Amann Kontakt Profil

Amberg/Auerbach. Mit der Ordnungsmacht hatte das Aufeinandertreffen der beiden Männer eigentlich nichts zu tun, auch wenn es sozusagen um ein Fehlverhalten im Verkehr ging.

Der 37-Jährige und seine Ehefrau am Steuer hatten mit dem Pkw eine Anliegerstraße in Auerbach befahren, auf die sie nach eigener Auskunft wegen der Umleitung um eine Baustelle geraten waren. Wohl versehentlich, wie sich am Amberger Amtsgericht zeigte, wo es nun um den Vorwurf der Beleidigung ging.

Dazu war es nach Schilderung des Angeklagten - er räumte nur die Bezeichnung "Vollpfosten" ein - gekommen, weil der Beamte in besagter Straße wohnt und vor seinem Anwesen angeblich die Tür seines Autos offen stehen gelassen hatte.

Dadurch konnten der Nürnberger und seine Gattin nicht passieren, worauf die beiden den Anwohner aufmerksam gemacht hätten. Im Hin und Her darum - und dass die Anliegerstraße nicht benutzt hätte werden dürfen - soll die Beleidigung gefallen sein.

Keine Schuld gesehen

Der Angeklagte behauptete jedoch, der Polizist habe ihn zuvor auf seine Dienststellung aufmerksam gemacht und "gedroht", das Ganze werde ein Nachspiel haben. Obwohl es zu keiner Beweisaufnahme kam, ließ Strafrichter Markus Sand seinen Eindruck durchblicken, dass hier wohl zwei etwas unnachgiebige Charaktere aufeinandergeprallt waren.

Der 37-Jährige offenbarte das bei seiner Vernehmung, indem er zumindest, was das nicht angeklagte Verkehrsdelikt betraf, keine Schuld bei sich sah (die Umleitung sei nicht zu durchschauen gewesen, so seine wesentliche Argumentation; offenbar verließ sich das Paar aber auch auf sein Navigationsgerät). Aber auch vonseiten des Beamten war nach Einschätzung des Richters "ein Verhalten da, das zu einer gewissen Eskalation" geführt haben könnte. Möglicherweise war der Anwohner "genervt", weil Autofahrer anscheinend häufig die Anliegerstraße als Schleichweg nutzten, um die Umleitung für sich abzukürzen.

Markus Sand schlug vor, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Allerdings, so seine Vorstellung, müsse die Zahlung mindestens der Höhe des Strafbefehls entsprechen, den der Mann wegen Beleidigung erhalten hatte. Außerdem sollte eine Entschuldigung bei dem Auerbacher für die zugegebene Beschimpfung folgen.

Ebenso beleidigt

Letzteres wollte der Nürnberger nicht akzeptieren, weil er sich und seine Frau ebenso "beleidigt" sah, weil der Anwohner aufgrund des südländischen Aussehens seines Gegenübers in gebrochenem Deutsch gesprochen und offenbar unterstellt habe, der 37-Jährige würde ihn wohl nicht verstehen. Tatsächlich ist der Nürnberger in Lauf geboren, deutscher Staatsbürger und nach eigener Auskunft seit 19 Jahren als Geschäftsmann aktiv.

Er hatte einen Gegenvorschlag, den Gericht und Staatsanwaltschaft schließlich akzeptierten: Er berappt 1500 Euro für den Kinderschutzbund Amberg-Sulzbach, kann aber auf die Entschuldigung verzichten, die er nicht über die Lippen bringen wollte.

Es war ein Verhalten da, das zu einer gewissen Eskalation geführt haben könnte.Richter Markus Sand
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