27.03.2018 - 11:38 Uhr

Unter Uns Nitzlbuch denkt darüber nach, sich von seinem Schützenheim zu trennen "Sonst gehen die Lichter aus"

Verkaufen oder verpachten? Demnächst muss der Schützenverein Unter Uns Nitzlbuch über die Zukunft seines Heims entscheiden. Zu den Gerüchten über eine Auflösung nimmt seine Spitze jetzt schon Stellung.

Über die Immobilien-GmbH eines Auerbacher Geldinstituts lotet Unter Uns Nitzlbuch derzeit aus, ob bei einem Verkauf des Schützenheims der anvisierte Betrag von 350 000 Euro zu erlösen wäre. Bild: cs
von Autor CSProfil

Nitzlbuch. Der Vereinsausschuss machte den Weg frei, das Schützenheim über die Immobilien GmbH eines Auerbacher Geldinstituts anzubieten. Dadurch soll ausgelotet werden, ob bei einem Verkaufspreis von 350 000 Euro Interesse an dem Objekt besteht. In der Jahreshauptversammlung bekam Schützenmeister Josef Geyer einstimmig die Vollmacht, mit Bewerbern zu verhandeln. Über das Ergebnis soll dann in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung informiert werden.

"Unsere Intention ist, dass der Verein mit derzeit 123 Mitgliedern weiter besteht", hielt 2. Schützenmeister Thomas Heberl Gerüchten über eine Auflösung entgegen. Die anwesenden Mitglieder gaben grünes Licht, eine Kostenschätzung für ein neues Vereinsheim einzuholen, das den jetzigen Gegebenheiten angepasst ist.

Nur noch zwei Teams

Ausführlich nahm Josef Geyer zu den Beweggründen Stellung. "Der Bedarf ist einfach nicht mehr vorhanden, die Schießanlage in dieser Größenordnung zu betreiben", sagte er. Statt sieben Mannschaften wie früher stelle Unter Uns noch zwei Rundenwettkampf-Teams, da auch die Damen nicht mehr antreten. Waren bei der Inbetriebnahme 1991 zehn Stände erforderlich, wäre jetzt die Hälfte ausreichend: "Der Schießsport hat an Attraktivität verloren, die Jugend will sich nicht mehr diesem Gruppenzwang unterwerfen."

Obwohl es an Nachwuchs nicht gefehlt habe, vermochte es der Verein nicht, in den vergangenen 27 Jahren einen ausgebildeten Jugendtrainer nachzuziehen, der die Aufgaben des langjährigen Jugendleiters Joachim Kugler übernehmen könnte. Es fehlte am Geld; jede Mark und jeder Euro wurden in die Tilgung der Verbindlichkeiten gesteckt.

Geyer kündigte nach 40 Jahren im Amt als 1. oder 2. Vorsitzender seinen Rückzug an. Zurückziehen wolle er sich im kommenden Jahr auch aus dem Gastronomiebetrieb des Vereinsheims, der Geld in die Kasse gespült habe. Jahrzehnte stand er, unterstützt von einer Handvoll Mitgliedern in der Küche, um auch andere Vereine und private Feste zu bekochen. Um das Schützenheim als Veranstaltungsort zu erhalten, wären Investitionen notwendig, in erster Linie in eine größere Küche und eine energetische Renovierung. Unter den jetzigen Bedingungen wäre kein Pächter zu gewinnen und auch keine Genehmigung zu erreichen.

Gedanken an Schießkino

Geyer sah deshalb nur einen Weg über die Privatisierung unter der Bedingung, dass dem Verein nach wie vor die Möglichkeit zur Ausübung des Schießsports bleibe - ob im jetzigen Gebäude oder in einem neuen, finanziert aus dem Verkaufserlös, hänge von den Interessenten ab. So schwebt einem der beiden Bewerber ein Schießkino ohne Gastronomiebetrieb vor. Zu den Vorstellungen eines zweiten Bewerbers äußerte sich der Schützenmeister nicht.

Fest steht nach seinen Worten, dass nicht bis 2020 gewartet werden könne. Sonst gingen bald die Lichter im Schützenheim aus. "Und dann entscheiden wir das nicht mehr, sondern ein Insolvenzverwalter." Immerhin müssten monatlich rund 1100 Euro aufgebracht werden für Verbindlichkeiten und laufende Kosten. Aus Mitgliedsbeiträgen alleine sei das nicht zu stemmen.

Im Interesse der Stadt wäre es, wenn das Schützenheim weiterhin gastronomisch genutzt werde, habe die Rücksprache des Schützenmeisters mit Bürgermeister Joachim Neuß ergeben. Die auf 25 Jahre ausgelegte Bürgschaft der Stadt für das Vereinsheim ist inzwischen ausgelaufen. Die Stadt wäre bei einem Scheitern der angedachten Lösungen der rechtliche Nachfolger.

"Für wen soll man das machen?"

Gewandelt hat sich aus der Sicht des Schützenmeisters Josef Geyer die Rolle des Vereins als Träger des kulturellen Lebens in der Dorfgemeinschaft. Wehmut schwang mit bei seinem Rückblick auf die Entwicklung, seit der Schießbetrieb bei Unter Uns im Jahr 1965 als Gemeinschaft von Freunden und Kameraden begann.

Zum Johannisfeuer an der Panzerstraße gesellten sich die Dorfkirwa mit Baumaufstellen und Kirwa-Fußballspielen, Vereinsausflüge und regelmäßige Schützenfeste in Nitzlbuch und Welluck. Als Mitinitiator hob der Schützenverein die Gmoi-Kirwa mit aus der Taufe. Aus der Schützenfamilie heraus kam auch der Anstoß zur Gründung des Frauenkreises.

Enttäuscht zeigte sich Josef Geyer darüber, dass auch bei größeren Schießveranstaltungen die Dorfbewohner mit Abwesenheit glänzten. Selbst Aktive zögen sich vom Schießbetrieb zurück. Das Kirwaschießen werde mittlerweile zu zwei Dritteln von Auerbachern bestritten.

Ein Rückgang zeichne sich auch bei den Mitgliederzahlen ab. Selbst Schützen mit Wohnsitz im Dorf, die als Jugendliche äußerst aktiv gewesen seien, hätten dem Verein den Rücken gekehrt; langjährige Fördermitglieder ebenfalls. "Den Dorfbewohnern genügt es heute, sich einmal im Jahr zu treffen", war Geyers Erkenntnis. Daraus stelle sich die Frage: "Für wen soll man das machen?" (cs)

Der Schießsport hat an Attraktivität verloren, die Jugend will sich nicht mehr diesem Gruppenzwang unterwerfen.Schützenmeister Josef Geyer
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