Wanderung über den Kaitersberg im Bayerischen Wald
Tour der fünf Tausender

Die Wandertour auf dem Kaitersberg gehört zu den schönsten im Bayerischen Wald. Diese Felsformation krönt den Kreuzfelsen. (Foto: Thomas Schaller)
Freizeit BY
Bad Kötzting
24.08.2017
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Totenbretter in Reitenberg. (Foto: Thomas Schaller)
 
Hier liegt uns das Zellertal zu Füßen. (Foto: Thomas Schaller)
Bad Kötzting: Kaitersberg |

Eine der schönsten Tagestouren im Bayerischen Wald ist die über den Kaitersberg. Der Gebirgsriegel aus Gneis, der das Zellertal vom Lamer Winkel trennt, treibt den Wanderern, in diesem Fall unseren Redakteuren Josef Maier und Thomas Schaller, den Schweiß aus den Poren und belohnt sie dafür mit immer wieder neuen Ausblicken über das Land der Waldler.

Von den sechs Gipfeln der Tour bleibt nur einer unter 1000 Metern – doch gerade der ist der Höhepunkt.

Der Aufstieg

Naturgemäß ist der Aufstieg der anstrengendste Teil der Wanderstrecke. Aus dem 7300-Einwohner-Kneippheilbad Bad Kötzting hinaus führt uns der Weg zunächst auf Asphalt genau ostwärts. In Reitenstein geht es auf einem Pfad in den Wald hinein und steil bergauf bis zur Siedlung Reitenberg. Der nächste Abschnitt ist nicht weniger schweißtreibend: Nach einer Biegung zeigt die Wanderernase jetzt genau nach Süden, bevor wir uns wieder nach Osten wenden. Knapp unterhalb des ersten Ziels, des Kreuzfelsens, erinnert die Räuber-Heigl-Höhle an eine legendäre Gestalt der Kaitersberg-Region (siehe Info-Kasten „Der Räuber Heigl“).

Nach rund 2 Stunden ist der erste Gipfel erreicht: der Kreuzfelsen. Er ist mit seinen 999 Metern die niedrigste Bergspitze auf der Tour. Trotzdem gehört er zu den schönsten. An einem Drahtseil hangelt man sich auf den Gipfelfelsen, den ein mächtiges Kreuz ziert und ebenso ein kunstvoller Wegweiser hinaus in alle Welt. Das Zellertal liegt uns zu Füßen – von Bad Kötzting mit der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt im Ortsteil Weißenregen im Westen bis nach Arnbruck im Südosten. Aus dem nahen Osten grüßt der Große Arber herüber. Die Einträge im Gipfelbuch des Kreuzfelsens zeugen davon, dass auch andere Bergwanderer von diesem felsigen Ort begeistert sind.

Die Höhenwanderung

Jetzt beginnt der gemütliche Teil der Tagestour, das Wandern wird zum Genuss. Das Streckenprofil zeigt nun, wenn überhaupt, nur noch gemächliche Anstiege. In gut einer halben Stunde ist der Mittagstein (1034 m) erreicht. Der Name passt perfekt, denn nicht weit von der kleinen Gipfelkapelle, die den Gefallenen der Kriege gewidmet ist, bietet sich die Kötztinger Hütte mit ihrer großen Sonnenterrasse als Raststation geradezu an.

Ausgesprochen abwechslungsreich präsentiert sich der Kaitersberg von jetzt an: Fast baumlose magere Wiesen, mit Felsen durchsetzt, wechseln sich ab mit schattigem Wald aus Buchen, Fichten und Tannen. Dass man wirklich auf dem Grat eines Bergkamms entlangmarschiert, wird einem an den wenigen Stellen bewusst, die den Blick sowohl nach rechts hinunter ins Zellertal als auch nach links hinunter in den Lamer Winkel gewähren. Im Steinbühler Gesenke und in den Rauchröhren, die man nicht erklimmt, sondern am Fuß ihrer 1040-Meter-Gipfel passiert, wird es richtig alpin. Die vielen Haken in den Wänden zeigen, wie beliebt diese Felstürme bei Kletterern sind. Rund 1:15 Stunden nach der Mittagspause haben wir den höchsten Punkt unserer Tour erreicht: den Großen Riedelstein (1132 m).

Seinen Gipfelfelsen krönt das Waldschmidt-Denkmal. Arnbrucker Handwerker haben es 1909 dem aus Eschlkam stammenden Heimatdichter Maximilian Schmidt (1832–1919)
Video: Thomas Schaller
errichtet, der durch seine Werke den Bayerischen Wald und den Böhmerwald weithin bekannt machte. In München, wo er später lebte, machte sich der Hofrat und Gründer des Bayerischen Fremdenverkehrsverbandes einen Namen, als er 1895 zum Oktoberfest ein Volkstrachtenfest organisierte, aus dem sich der traditionelle Trachten- und Schützenzug entwickelte. Prinzregent Luitpold verlieh dem Volksdichter den erblichen Titel „genannt Waldschmidt“.

Der Abstieg

Bevor sich der Wanderer an den Abstieg macht, sollte er noch einen kleinen Abstecher auf den südlich gelegenen Kleinen Riedelstein (1042 m) unternehmen. Von dem modernen Metallgipfelkreuz aus gibt es noch einmal einen letzten Blick ins Zellertal hinunter, bevor wir im Wald den steilen Weg bergab gehen, der Knie und Oberschenkel stark beansprucht. Glücklich ist, wer sein Gepäck bis hierher mit Wanderstöcken belastet hat.

Am Skigebiet Eck entlang geht es zur Passhöhe Ecker Sattel (843 m) hinunter. Je nach Dauer der Wanderung ist jetzt noch genügend Zeit für eine Einkehr im Berggasthof Eck, bevor der Wanderbus nach Arrach abfährt (Bushaltestelle etwas unterhalb des Hotels in Richtung Arrach auf der gegenüberliegenden Straßenseite). Die Oberpfalzbahn bringt uns schließlich zurück zum Ausgangspunkt Bahnhof Zellerthal.

Informationen

Die Markierung

Die Tour über den Kaitersberg ist im Großen und Ganzen gut ausgeschildert. Bis zur Kötztinger Hütte folgt man der Markierung „Bk3“ auf Weiß/Rot, danach der Beschilderung „Ar6“ auf Weiß/Rot. Stellenweise zeigen auch das grüne Dreieck der Arber-Hochtour sowie das geschwungene Symbol des Goldsteigs den Weg an, denn die Kaitersberg-Wanderung ist zum großen Teil ein Stück dieser Fernwanderwege. Die Räuber-Heigl-Höhle zu finden, ist eher vom Zufall abhängig.

Die Daten

Gehzeit: ca. 5 bis 5:30 Stunden
Länge: ca. 12 km
Anstieg: insgesamt 889 m
Höhenprofil: Zellerthal (402 m) – Kreuzfelsen (999 m) – Mittagstein (1034 m) – Steinbühler Gesenke (1044 m) – Rauchröhren (1042 m) – Großer Riedelstein (1132 m) – Kleiner Riedelstein (1042 m) – Ecker Sattel (843 m)


Kartenausschnitt mit der Maus verschiebbar
Die Wanderkarte zum Herunterladen (PDF)
GPX-Track zum Herunterladen (Verwendung auf eigene Gefahr!)

Charakter: Die zum großen Teil wurzeligen und felsigen Waldpfade erfordern geeignetes Schuhwerk und Trittsicherheit.
Beste Jahreszeit: Mitte Mai bis Ende Oktober, denn in dieser Zeit fährt der Wanderbus.

Kartenmaterial

  • Fritsch-Wanderkarte Nummer 56: „Naturpark Oberer Bayer. Wald – Böhmerwald“, ISBN 3-86116-056-0, Maßstab 1:50.000, 9,30 €
  • Kompass-Wanderkarte Nummer 195: „Nördlicher Bayerischer Wald“, ISBN 3-85491-130-0, Maßstab 1:50.000, 9,99 €.

Der Räuber Heigl

Michael Heigl (1816–1857) stammte aus Beckendorf, heute ein Ortsteil von Bad Kötzting. Nachdem er wegen mehrerer Delikte in Konflikt mit der Obrigkeit geraten war, tauchte er unter. Eines seiner Verstecke soll die Räuber-Heigl-Höhle gewesen sein. Seine Raubzüge galten vor allem den Gutbetuchten. So genoss er bei den Ärmeren große Sympathie und fand immer wieder Unterstützer. Schließlich wurde Heigl doch noch gefasst und zum Tode verurteilt. Der König begnadigte ihn auf Bitten der Bevölkerung zu lebenslanger Haft. Im Gefängnis in München erschlug ein Mithäftling den Bayerwaldler im Streit.

Einkehrtipps

Auf der Wanderung: Kötztinger Hütte
Am Ende der Tour: Berggasthof Eck

Anreise und Rückfahrt

In Verbindung mit dem Wanderbus (bis Ende Oktober) und der Oberpfalzbahn lässt sich die Kaitersberg-Route perfekt als Rundtour gestalten. Ausgangspunkt ist der Bahnhof Zellerthal in Bad Kötzting mit seinem kostenlosen Park-and-ride-Parkplatz. Die Anfahrt dorthin dauert mit dem Auto von Amberg (über die B 85) und von Weiden (über B 22 und B 85) jeweils rund 1:15 Stunden. Mit der Bahn reist man in rund 2 Stunden an. Vom Endpunkt der Wandertour, dem Ecker Sattel, fährt der Wanderbus (18.21 Uhr, RBO 6065, Fahrpreis 2,20 €, Mitte Mai bis Ende Oktober, Mo–Fr) in 10 Minuten hinunter zum Bahnhaltepunkt Arrach. Von dort bringt uns die Oberpfalzbahn (18.38 Uhr, OPB 79814, 3,90 €, Mo–Fr) in nicht ganz 20 Minuten zum Ausgangspunkt Bahnhof Zellerthal zurück. (Alle Zeiten und Preise: Stand Juli 2017)

Internet-Links

Wanderbus Eck–Arrach RBO 6065
Fahrplan gültig bis 31.10.2017 (Mo–Fr)
Oberpfalzbahn Arrach–Zellerthal OPB 79814
Fahrplan gültig bis 09.12.2017 (Mo–Fr)

Auskünfte

Kur- und Gästeservice Bad Kötzting
Bahnhofstraße 15
93444 Bad Kötzting
Telefon 09941/40032-150
E-Mail: tourist@bad-koetzting.de
Internet: www.bad-koetzting.de/tourismus_kur.html
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