18.03.2018 - 16:58 Uhr
Bärnau

Iranerin inszeniert oberbayerisches Stück in der Oberpfalz Brandner und Boandlkramer in Bärnau

Caroline Ghanipour ist Iranerin. Die Regisseurin inszeniert im Sommer den oberbayerischen Brandner Kaspar auf der Bärnauer Freilichtbühne im ehemaligen Klostergarten. Eine emanzipierte Version, denn der Boandlkramer ist, so die Planung, eine Frau.

Der Bärnauer Brandner Kaspar, Hermann Fischer, zusammen mit Regisseurin Caroline Ghanipour.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Caroline Ghanipour hat zwei Pässe, einen iranischen und einen deutschen. Letzterer ist der, den sie in Gebrauch hat. "Der andere liegt meist im Schrank", sagt sie. Die doppelte Staatsbürgerschaft hat sie, weil sie im Iran geboren ist. Der Vater ist Iraner, die Mutter Deutsche. Sie war etwas über ein Jahr alt, als sie nach Deutschland kam. In Bayern ist die 39-Jährige aufgewachsen, ohne einen Dialekt anzunehmen.

In Oberpfälzer Mundart

"Wenn sich die Bärnauer untereinander unterhalten habe ich schon Schwierigkeiten, alles zu verstehen", gesteht sie. Nicht einfach, denn der Brandner geht in Bärnau selbstverständlich im Oberpfälzer Dialekt über die Bühne. Iranisch versteht Ghanipour weitestgehend, sprechen kann sie es nicht wirklich. Die freischaffende Theater-Regisseurin lebt zusammen mit ihrem Ehemann, der beruflich das Gleiche wie sie macht, und den beiden Kindern in Augsburg.

"Von dort aus ziehen wir unsere Fäden nach außen, egal wie weit von daheim entfernt", sagt sie. In ihrem Fall war der nördlichste Einsatz in Münster. Südlich ging es schon nach Salzburg und aktuell nach Linz, wo sie noch vor dem Brandner Kaspar in Bärnau "Die Kehrseite der Medaille", eine französische Boulevard-Komödie von Florian Zeller, inszeniert.

Die Branche kennt sich und das ist auch der Grund, warum Ghanipour in Bärnau agiert. Eigentlich hätte den Job Michelle Völkl machen sollen. Sie ist eine gute Bekannte in Bärnau, beliebt bei den Schauspielern und den Verantwortlichen hinter der Bühne. Aus terminlichen Gründen wurde daraus aber nichts. Caroline Ghanipour hatte Zeit und sprang kurzerhand ein. Vier Wochen ist es her, dass die Bärnauer Mimen ihre Textbücher erhalten haben, um die Dialoge zu verinnerlichen.

Vor zwei Wochen war Ghanipour zur Leseprobe angereist. Das erste Mal war sie mitten im Winter in Bärnau und hat sich das Ensemble genau angeschaut, gefragt, wer denn was für eine Rolle übernehmen möchte und sich überlegt, ob sich das so ausgeht. "Ich habe mir damals Gedanken in der Weise gemacht, "wer könnte denn was spielen und habe die Rollen intuitiv besetzt." Wer letztendlich wen verkörpert, steht noch nicht ganz fest, weshalb die Regisseuren damit noch hinter dem Berg hält. Bis auf eine Ausnahme: Hermann Fischer ist in der Titelrolle zu sehen. Insgesamt sind um die 20 Akteure dabei, darunter viele bekannte Gesichter.

Stück nicht gekannt

Den Brandner hat Ghanipour noch nie inszeniert. Sie kannte bis dato das Stück gar nicht so genau, hatte es nie gelesen, nur Fragmente aus Theaterstücken und Ausschnitte aus den Filmen gesehen. Intensiv beschäftigt sie sich mit dem "Brandner Kaspar und das ewig' Leben" seit Ende November.

Groß verändert hat die Regisseurin die Komödie um Tod und Leben von Franz von Kobel in der Bearbeitung von Kurt Wilhelm nicht. "Ich habe nur versucht, sie zu kürzen. Das musste sein, weil unser zeitlicher Rahmen recht eng ist." Die eigentlichen Proben beginnen Mitte Mai, nach der Premiere von der "Kehrseite der Medaille" in Linz. Von Freitag bis Sonntag wird die Regisseuren dann immer wieder in Bärnau vor Ort sein und mit den Schauspielern arbeiten.

Zum Stück

Zur Erinnerung: In der Komödie um Tod und Leben hat der "Boandlkramer" einen neuen Auftrag: Er soll den Brandner Kaspar im 72. Lebensjahr abholen und ins Jenseits begleiten. Doch der Brandner überlistet den Tod. Mit Kirschgeist macht er ihn betrunken, betrügt ihn beim Kartenspielen und handelt so ein paar Jahre mehr an Lebenszeit heraus. Brandners Enkelin Marei ist verzweifelt: Sie liebt den Wilderer Florian, der an diesem Tag unbedingt eine Gams schießen will.

Als sie erfährt, dass ihn der eifersüchtige Jäger Simmerl verfolgt, will sie Florian warnen und stürzt selbst in den Bergen ab. Den Brandner freut das Leben nicht mehr: Als ihm der "Boandlkramer" anbietet, ihm das Paradies für eine Stunde probeweise zu zeigen, fährt er mit, ist überwältigt von der Schönheit im Himmel und will dableiben. Ende gut - alles gut.

Vita und Werk

Geboren ist Caroline Ghanipour in Teheran, aufgewachsen in Memmingen im Allgäu. 1998 machte sie Abitur. Seit 2011 arbeitet sie als freischaffende Theaterregisseurin unter anderem in Salzburg, Weiden, Münster, Linz, Augsburg und Regensburg. Von 2008 bis 2011 war sie Regisseurin und künstlerische Mitarbeiterin in der Leitung der Kinder- und Jugendsparte am Theater Regensburg. Von 2000 bis 2008 war sie auch Regieassistentin und Regisseurin am Theater Augsburg. Zur Jahrtausendwende studierte sie Theaterwissenschaften an der Ludwig-Maximilian-Universität in München Die Liste ihrer Inszenierungen ist lang. Hier einige Auszüge: "Leonce und Lena" von Georg Büchner für das Landestheater Salzburg. "Bei den Wilden Kerlen", nach dem Roman von Dave Eggers im Großen Haus des Theaters Münster. "The Rocky Horror Show" im Landestheater Oberpfalz. Für das Theater am Haidplatz in Regensburg inszenierte sie unter anderem den "Urfaust" in ihrer eigenen Bearbeitung nach Johann Wolfgang Goethe."Die Leiden des jungen Werther" bearbeitete und inszenierte sie für das Kulturzentrum Alte Mälzerei. (tr)

Wenn sich die Bärnauer untereinander unterhalten, habe ich schon Schwierigkeiten alles zu verstehen.Regisseurin Caroline Ghanipur

Informationen

Premiere des Stücks "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" von Franz von Kobel ist am Freitag, 6. Juli, um 20 Uhr. Weitere Aufführungen am Samstag, 7. Juli, Freitag, 13. Juli, Samstag, 14. Juli, jeweils 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Eintritt für Erwachsene 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Karten gibt es bei der Tourist-Info in Bärnau und im Internet.(tr)

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