29.11.2013 - 00:00 Uhr
BärnauOberpfalz

Brigitte Scharf referiert über Rentenangelegenheiten - Sehr guter Besuch bei Informationsabend ... Frauenaltersrente mit 60 gibt es nicht mehr

von Autor BIRProfil

Auf Einladung der Bärnauer Jusos referierte Brigitte Scharf im Gasthof "Zur Post" zum Thema "Was kriegt Frau für eine Rente?" Eine aktuelle Frage, die in jüngster Zeit viele Frauen beschäftigt. Gerade Frauen im ländlichen Bereich haben durch Kinderbetreuung, Teilzeitjobs oder der Pflege von Angehörigen viel häufiger Brüche im Erwerbsleben. Doch mit wie viel Rente kann eine Frau im Lebensabend rechnen?

Diese und noch viele andere Fragen zum oft unverständlichem Komplex Rente konnte Brigitte Scharf an diesem Abend erklären, zu dem auch viele jüngere Zuhörer gekommen waren. Denn gerade sie kennt sich schon berufsbedingt sehr gut mit dieser Materie aus: Seit über 40 Jahren ist sie bei der Verwaltungsgemeinschaft Krummennaab im örtlichen Versicherungsamt tätig. Und deshalb konnte sie auch für alle sehr verständlich, kurzweilig und mit anschaulichen Beispielen viel Hintergrundwissen aus der Praxis erläutern und erklären. Wie etwa, was Rentenpunkt oder Rentenfaktor bedeuten und welche verschiedenen Arten von Renten es überhaupt gibt und wie man die eigene persönliche Rente errechnen kann.

Pflegekasse zahlt Beiträge

Angeschnitten wurden neben den Tücken bei der Inanspruchnahme von sogenannten 450-Euro-Jobs auch die Hinzurechnung von Nebeneinkommen zur Rentenberechnung. Dabei verwies sie auch auf die Einnahmen aus Photovoltaikanlagen, die bei der Rentenberechnung eine Rolle spielen. Brigitte Scharf stellte aber auch Positives, wie die Wirkung der Elternzeit zur Rentenanrechnung heraus. Interessant waren auch die Ausführungen zum Pflegedienst. "Haben Sie keine Scheu, Pflegegeld zu beantragen", forderte sie die Zuhörer auf. Wer einen Pflegefall in der Familie habe, erwerbe unter Umständen einen Rentenanspruch, ohne Beiträge zu bezahlen. Wenn jemand wegen häuslicher Pflegeaufgaben nur eingeschränkt oder gar nicht erwerbstätig sein könne, profitiere er möglicherweise von der Rentenversicherung, so Brigitte Scharf. Die Verpflichtung zur Beitragszahlung liegt bei der Pflegekasse oder einer vergleichbaren Stelle. Diese bezahlt für die Pflegenden Beiträge.

Durch Pflege Rentenanspruch

Als Pflegender ist man in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert, wenn man einen Pflegebedürftigen nicht erwerbsmäßig wenigstens 14 Stunden wöchentlich zu Hause pflegt. Weitere Voraussetzungen sind, dass der Pflegende seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort in Deutschland, einem Staat des Europäischen Wirtschaftsraums oder in der Schweiz hat und die Pflegetätigkeit voraussichtlich mehr als zwei Monate oder 60 Tage im Jahr ausübt. Der Pflegende darf neben der Pflegetätigkeit regelmäßig nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten. Es sei möglich, so Scharf, dass man durch die Pflege einen eigenen Rentenanspruch erwerben könne. Wer Altersvollrente beziehe, könne als Pflegender aber nicht mehr versicherungspflichtig werden.

An Beispielen erläuterte sie die monatlichen Entgelte für Pflegezeiten ab Januar 2013. So erhält eine Person in der Pflegestufe I monatlich 235 Euro Pflegegeld.Wer eine Person mindestens 14 Stunden wöchentlich pflegt, kann mit einem monatlichen Beitrag zur Rentenversicherung von 135,83 Euro rechnen. Dies wiederum entspricht einem monatlichen Einkommen von 718,67 Euro, welches der Pflegeperson fiktiv zugrunde gelegt wird. Die monatliche Anwartschaft für ein Jahr Pflege macht einen Betrag von 7,11 Euro aus. Weiter sprach Scharf die Anhebung der Altersgrenzen im Rentenrecht an. Sie informierte zudem, wie sich die Rente errechnet. Auch über aktuelle Veränderungen ab 2012 bei der Rente ging die Referentin näher ein - und sparte dabei nicht mit kritischen Worten. Hinter dem Oberbegriff "Rente mit 67" würden sich wesentliche Änderungen für alle Rentenversicherten verstecken, die ab Jahrgang 1952 geboren sind.

Keine Frauenaltersrente

Die Regelaltersrente mit 65 gebe es künftig erst später, sie werde in Monatsschritten bis zum 67. Lebensjahr angehoben. "Der Jahrgang 1947 muss also 65 Jahre und einen Monat alt sein", erläuterte Scharf. Sie empfahl allen ab 1952 Geborenen, sich bei ihrem örtlichen Rentenamt oder bei der Auskunftsstelle der Deutschen Rentenversicherung ausführlich beraten zu lassen. "Denn der Einschnitt ist krass", so Scharf. Viel einschneidender sei jedoch der Wegfall der Frauenaltersrente mit 60 und des Altersruhegeldes mit 60 und wegen Arbeitslosigkeit. "Die Frauenaltersrente war für all die Frauen ganz wichtig, die keine 35 Versicherungsjahre erreichen konnten", so Scharf. Diese Frauen konnten mit 15 Beitragsjahren davon 121 Monate ab dem 40. Lebensjahr - mit 60 in Rente gehen, gekürzt um 18 Prozent. "Ab 2012 war damit Schluss", monierte die Bezirksrätin. Dieser Wegfall sei hinter der Rente mit 67 "regelrecht versteckt" worden.

Kurzweiliger Vortrag

Johannes Dill, Vorsitzender der Bärnauer Jusos, bedankte sich abschließend bei Brigitte Scharf für ihren informativen, vor allem aber kurzweiligen und für alle verständlichen Vortrag und vor allem auch bei den vielen Besuchern für ihre Diskussionsbeiträge.

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