Ehepaar erfindet Fantasienamen und entdeckt, dass es die Stadt tatsächlich gibt
Bahnfahrt durchs Bärnauer Land

Groß ist er geworden, der Bärnauer Hauptbahnhof. In der Wartehalle allein sind 40 HO-Figuren "versteckt". Da konnte der "echte" Bärnauer Bahnhof bis zu seiner Stilllegung nie mithalten.
Lokales
Bärnau
14.08.2014
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Einsteigen und Türen schließen. Der Zug fährt ab. Mitten durch das Bärnauer Land. Gibt's nicht? Gibt's doch. Dieses Bärnauer Land liegt nicht im Oberpfälzer Wald, sondern im Rothaargebirge. Dort haben Andrea und Heiko Weiß ein eigenes "Bärnau" gebaut. "Wir wussten doch nicht, dass es tatsächlich einen Ort dieses Namens gibt", erzählt uns das Ehepaar die Geschichte einer fantastischen Modell-Eisenbahn.

Angefangen hat alles mit einer Erbschaft. Heikos Vater hinterließ eine riesige Märklin-HO-Anlage. Die stand im Keller, war nie aufgebaut, und wurde erst nach einem Wasserschaden nach oben geholt. "Ich war da total überfordert", erinnert sich der Anlagentechniker.

Sieben Jahre Bauzeit

Jedenfalls sortierte er mit Andrea erst einmal. "Nur was uns gefallen hat, haben wir behalten, den Rest über eine Händlerin verkauft." Aber auch was noch übriggeblieben ist, ist noch großartig genug. Erste Planungen zum Aufbau reichen zwar bis 1998 zurück, richtig los ging es aber erst vier Jahre später mit dem Umzug ins eigene Haus. An Ideen mangelte es nicht. So dauerte es auch sieben Jahre, bis sie alle realisiert waren.

Auf acht Quadratmetern ist im Maßstab 1:87 das "Bärnauer Land" entstanden, mit einer "Kreisstadt Bärnau" und einem nahen Ortsteil "Mausbach". "Die Namen sind unserer Fantasie entsprungen", sagt Andrea Weiß, abgeleitet von ihren Spitz- und Kosenamen. Er nennt seine Andrea schon mal "Mäuschen", sie ihren Heiko dafür "Bärchen".

Tatkräftig geholfen haben ihnen zwei gute Freunde, Jürgen Römer und Jürgen Knoche, und die Kinder Alina und André. Jede freie Minute wurde geplant, gebastelt und gelötet. Schließlich sollte auch alles in die Zeit der 70er Jahre verlegt werden. Da wurden Schienen künstlich "gerostet", Häuser auf alt getrimmt.

"Wir wuchsen mit unseren Aufgaben", gibt Heiko zu. Immer wieder fielen Fehler oder Unzulänglichkeiten auf. "Einige haben wir behoben, andere gelassen als eine Art Zeugnis der Entwicklung unseres Baustils. 1500 "Bäume" wurden gepflanzt, 200 Meter Kabel verlegt, 75 Meter Gleise verbaut und schließlich über 1000 "Preiserlein", wie die kleinen Figuren im Modellbau genannt werden, mehr oder weniger gut sichtbar in "Szene" gesetzt. Das ist wie bei den Stiftländer Krippenlandschaften: Jeden Moment entdeckt der Betrachter ein neues Detail.

"Bärnau" ist eine umtriebige Stadt, angelehnt an die Kreisstadt Siegen. Ein Hotel-Page öffnet einem Gast im "Bärnauer Hof" die Tür, nebenan bedienen Metzger und Bäcker ihre Kundschaft. An der Bushaltestelle warten Menschen, an der Bahnunterführung kümmern sich Polizei und Rettungskräfte um einen Verunglückten. Und im "Mäusekino" läuft gerade der aktuelle Film. Vom Bahnhof aus geht die Fahrt durch das Rothaargebirge, eines der waldreichsten Gebiete Deutschlands, wo tatsächlich Luchse, Wölfe und Wisente in freier Wildbahn leben.

Die Passagiere sehen Kühe auf der Weide, einen Jäger auf der Pirsch, ein vor dem Traktor scheuendes Pferd. Hier schichten Köhler einen Meiler, dort ist eben eine Hausschlachtung im Gange und da der Imker (Andreas zweites Hobby) bei der Arbeit,

Detailverliebtheit

Die Fahrt zeigt einen Pfarrer bei der Beerdigung, die Dorfjugend "am Bankerl" und einen Paraglider, der sich oben vom Sessellift aus in die Tiefe stürzt. Bemerkenswert die Detailverliebtheit der Erbauer, die selbst in diesem Maßstab noch dem Fachwerkhaus ein Hirschgeweih an den Giebel hängen oder im Rotlichtviertel ein Paar beim Liebesspiel zeigen.

Dank etlicher Tunnels und Kehrschleifen dauert es in modellgerechter Geschwindigkeit etwa fünf Minuten bis der Zug wieder im Bahnhof einfährt. Vornehmlich verkehren in der Anlage Güterzüge und ein Schienenbus. "Die haben in den 70er Jahren die kleinen, engen Straßen in unserer Gegend entlastet", erinnert sich Andrea Weiß.

Wer "Eine Bahnfahrt durchs Bärnauer Land" nachvollziehen will: Das Ehepaar hat einen vierteiligen Film gedreht, der im Internet (Youtube) abgerufen werden kann. Wegen der Urheberrechte allerdings ohne Ton.
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