Rapunzel und der Prinz von Böhmen vor romantischer Kulisse
Turm als Märchenbühne

Der Grenzlandturm am ehemaligen Grenzübergang Bärnau/Tachov ist im Juli die perfekte Kulisse für das Grimm-Märchen "Rapunzel". Unser Bild zeigt einen Teil der Macher und Schauspieler (von oben nach unten): Bürgermeister Alfred Stier, Regisseurin Christina Baumer, der "Prinzen von Böhmen", Oswald Hamann, "Rapunzel", Karina Ertl sowie Festspielleiter Alfred Wolf. Neben den vier Vorstellungen im Juli und August finden zum 100. Geburtstag des Bauwerks das bayerisch/böhmische Grenzlandturmfest und ein Gedenkgott
Lokales
Bärnau
29.04.2013
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Heuer wird der Grenzlandturm 100 Jahre alt. Seit 2009 gehört er der Stadt Bärnau. Seit 2004 zeichnet der Festspielverein "Wir im Bärnauer Land" für die Pflege und den Erhalt verantwortlich. Zum Jubiläum wird das Bauwerk zur Theaterbühne. Und was wäre dafür besser geeignet als das Grimm-Märchen "Rapunzel". Regie führt Christina Baumer. Sie hat auch die Bühnenfassung dafür geschrieben.

Nach dem Spektakel wird der Turm seitens der Stadt für rund 10 000 Euro renoviert, erklärte Bürgermeister Alfred Stier bei einem Pressetermin. Vor allem außen hat das Bauwerk ein Großreinemachen nötig. Granitsockel und Reliefs werden gereinigt, das Treppengeländer aufgehübscht und die Eingangstür im ersten Stock erneuert. Die Fassade bekommt einen frischen Anstrich. Der Zeitraum sei bewusst gewählt, denn für das Theaterstück sei ein "verwunschener" Turm authentischer als ein frisch getünchter.

Hundert Sitzplätze

Vor dem Turm wird eine kleine Bretterbühne aufgebaut. Auf dem Vorplatz stellt der Festspielverein "Wir im Bärnauer Land" Sitzbänke für 100 Besucher auf. Parkmöglichkeiten sind beim ehemaligen Grenzübergang, an der Steinbergkirche und gegenüber auf dem Bergfestparkplatz vorhanden. Eine kleine Wanderung zur Bühne ist also angesagt. Die Idee, "Rapunzel" am Grenzlandturm zu inszenieren, hatte die Regisseurin schon länger. Bei einem Winterspaziergang sei sie darauf gekommen, so Christina Baumer. Das Jubiläum sei der perfekte Zeitpunkt dafür. Das Märchen dränge sich direkt auf, an diesem Ort gespielt zu werden. Verglichen mit Illustrationen in Märchenbüchern müsse der Grenzlandturm eigentlich ohnehin der Originalschauplatz sein.

Die Sache mit den Haaren

"Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter." Den Spruch kennt wohl jeder noch aus seiner eigenen Kinderzeit. So lang waren die Haare, dass sie vom Turmfenster bis zum Boden reichten. Und dass die Haare der schönen Gefangenen blond waren, haftet wohl auch noch in den Köpfen der Märchenbuchleser aller Altersschichten.

Die Hauptdarstellerin Karina Ertl aus Vohenstrauß hat pechschwarze Haare. Und die sind kurz. Färben bis zur Premiere am 21. Juli wäre nicht das Problem. Aber die Länge ist bis dahin definitiv nicht hinzubekommen. Theatermenschen sind erfinderisch, trickreich und flexibel. Der Zopf, den die Actrice vom Turm zu ihrem Verehrer, dem Prinzen von Böhmen (Oswald Zintl) herunterlässt, wird aus Hanfseilen geflochten. "35 Meter sind dafür notwendig", verrät Christina Baumer. Ob der Held daran die steile Turmmauer zu seiner Angebeteten erklimmt, bleibt bis zur Premiere top secret. Dass ein Prinz natürlich ein echtes Pferd haben muss, unterliegt nicht der Geheimhaltung.
Mit Oswald Hamann steht ein erprobter "Blaublüter" auf der Turm- Bühne. Seit 2004 gehört der Förster zum Stammensemble. Schon drei Mal hat er Könige oder Prinzen dargestellt. Karina Ertl ist neu dabei. Wie die Kunstlehrerin aus Vohenstrauß zur Truppe stieß? Ganz einfach. Rapunzel und der Prinz sind auch im wahren Leben ein Paar.

Bei der Szenenprobe nimmt der Prinz Rapunzel das Ja-Wort ab. Ob das im privaten Umfeld schon geschehen ist, war nicht zu erfahren. Auf jeden Fall gestand Oswald Hamann: "Ich habe meine liebste Prinzessin schon gefunden."

Grundschüler kostenlos

Bürgermeister Alfred Stier findet die Idee grandios. "Rapunzel am Turm, das gibt es nur in Bärnau. Unser Geschichtspark, die Gartenschau in Tirschenreuth und unser Kultursommer. Das alles setzt Synergieeffekte frei", ist das Stadtoberhaupt überzeugt. Und da hat er gleich noch eine Idee, vorausgesetzt der Stadtrat ist mit im Boot. "Wenn das Gremium mitmacht, laden wir alle Bärnauer Grundschulkinder zu einer Vorstellung ein."

Am 1. und 2. Juni findet das bayerisch/böhmische Grenzlandturmfest statt. Im Jubiläumsjahr wird auch ein Gedenkgottesdienst beim Grenzlandturm abgehalten. Außerdem informiert eine Fotoausstellung im Turminnern über seine Geschichte.
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