19.04.2017 - 16:04 Uhr
BärnauOberpfalz

Bärnau, Plößberg und Holzindustrie Zigler unterzeichnen Vertrag über Ausgleichsflächen Nachbarschaftliche Hilfe

Bei der interkommunalen Zusammenarbeit machen Plößberg und Bärnau einen großen Schritt. Doch nicht allen gefällt, dass die Grenzstadt rund 18,5 Hektar Ausgleichsfläche für den Nachbar bereitstellt.

Mit einer Vereinbarung über Ausgleichsflächen gehen die Gemeinden Bärnau und Plößberg einen neuen Weg. Für die Ausweitung des Gewerbegebietes an der Betzenmühle werden 18 Hektar als Ausgleichsflächen im Dürrmaul dargestellt. Dabei bleiben diese Flächen in Besitz der Stadt. Nachdem künftig nur mehr eine eingeschränkte Nutzung erlaubt ist, erhält die Stadt eine Entschädigung. Im Bild (von links): Bürgermeister Lothar Müller, Bürgermeister Alfred Stier und Seniorchef Wilhelm Ziegler. Bild: ws
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Für Bürgermeister Alfred Stier ist die Unterstützung für Plößberg nicht nur ein Akt der Nächstenliebe. Auf dem Weg zu den Ökoflächen im Großen Dürrmaul bleibt für die Stadt auch ein finanzieller Aspekt. Für die Nutzungseinschränkungen gibt es nämlich eine Entschädigung. Die bezahlt die Firma Ziegler Holzindustrie, der durch die Ausgleichsfläche eine Betriebserweiterung ermöglicht wird. Ein markanter Passus in dem Vertrag ist aber, dass die Fläche auch künftig im Besitz der Stadt verbleibt.

Zehn Jahre "Umbau"

Mit der Ausgleichsfläche erfüllt die Marktgemeinde Plößberg die Auflage für die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets an der Betzenmühle. Unternehmer Wilhelm Ziegler, Bürgermeister Lothar Müller und Alfred Stier setzen am Ende der Debatte die Unterschriften unter den Vertrag, der im Detail auch den "Umbau" der vorhandenen Waldfläche regelt. Denn in den Waldabschnitten finden sich neben einem Altbuchenbestand auf etwa sieben Hektar Fichtenbäume. Und die sollen in den nächsten zehn Jahren herausgenommen und durch die Laubbäume ersetzt werden. Die Vermarktung des Holzes darf ebenfalls die Stadt Bärnau vornehmen. Bei der Ausarbeitung des Vertragswerkes seien seit September 2016 zahlreiche Personen eingebunden gewesen, berichtete Alfred Stier bei der Stadtratssitzung. Mit der "interkommunalen Zusammenarbeit" werde ein Novum im Landkreis umsetzt. Und in dieser Konstellation gibt es laut Stier "nur Gewinner". Durch die Ökoflächen werde vor allem der Altbuchenbestand gesichert. Denn die Darstellung als Ausgleichsgebiet lasse auf Dauer keine Maßnahmen, von der Pflege abgesehen, zu.

Hubert Häring (Christliche Freie Wählergemeinschaft) wollte die Begeisterung nicht teilen. "Es kann nicht Aufgabe der Stadt sein, Flächen für eine Firma auszuweisen, die bei uns keine Gewerbesteuer zahlt", kritisierte Häring. Und wieder einmal wurmte den CFWG-Mann, dass dieses Thema nicht intensiver in den öffentlichen Teilen der Stadtratssitzungen behandelt wurde. "Wir konnten darüber nicht mit den Bürgern reden", schloss sich auch SPD-Rat Gottfried Beer an.

Gegen Kirchturmdenken

Alfred Wolf (JWG) bedauerte den "krampfhaften Versuch, dem Bürgermeister eine reinzuwürgen". Zudem würden auch viele Bärnauer in dem Betrieben der "Ziegler Holzindustrie" arbeiten. 2. Bürgermeister Michael Schedl wandte sich gegen ein Kirchturmdenken. "Wir sollten froh sein, dass es solche Betriebe in der Region gibt", unterstrich der CSU-Stadtrat. Sonst hätte die Gemeinde noch mehr unter Abwanderung zu leiden. Überzeugen ließen sich die Kritiker allerdings nicht. Bei der Abstimmung über den städtebaulichen Vertrag votierten Beer, Häring und Rudolf Schmid (CFWG) dagegen.

Bürgermeister Lothar Müller unterstrich die Bedeutung einer Zusammenarbeit der Kommunen. Als positive Beispiele nannte er den Radweg oder die Ikom Stiftland. "Bärnau wird dadurch nicht ärmer", beurteilte Müller das Ergebnis.

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