Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen besucht Ellenfeld
Energie-Mix aus Wind, Sonne und Trasse muss sein

Vor der beeindruckenden Kulisse der 150 Meter hohen Windkraftanlage bei Ellenfeld bestärkte Simone Peter (rechts) die Mitglieder der Grünen im Landkreis Tirschenreuth, für ihre Ziele weiter zu kämpfen. Bild: ubb
Politik
Bärnau
16.08.2017
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Bundesvorsitzende Simone Peter weigerte sich, die in der Region umstrittenen neuen Stromtrassen in der Tonne zu versenken. Statt dessen landete das tschechische Atomkraftwerk Temelin dort. Bild: ubb

Weiße Wölkchen am tiefblauen Himmel, dazu strahlender Sonnenschein und lautlos kreisende Rotoren: ein ideales Umfeld für Politiker, um das Image von "Laptop und Lederhose" aufzupolieren. Doch vor der Kamera stehen nicht die "Schwarzen", die diesen Slogan kreiert haben, sondern die Bündnisgrünen.

Ellenfeld/Bärnau. Bundesvorsitzende Simone Peter von Bündnis 90/Die Grünen war an Mariä Himmelfahrt im Landkreis, um sich den Ellenfelder Bürgerwindpark anzusehen. Für die kleine Tirschenreuther Kreisgruppe mit nur rund 30 Mitgliedern war dies eine große Ehre. Dabei verrieten die Mitglieder, dass demnächst auch Claudia Roth kommt. Sie werde Kemnath besuchen.

Für MdB Peter, die derzeit auf Wahlkampftour durch die Bundesländer ist, planten die Bündnisgrünen einen Ausflug zum Hightech-Bürgerwindpark bei Ellenfeld. Pünktlich gegen 10 Uhr kam der auffällig-grüne BMW mit grünem Fahrrad auf dem Dach angerollt. Darin saß eine gut gelaunte und höchst nette Bundesvorsitzende, die sich für die Tirschenreuther viel Zeit nahm.

Kreisvorsitzende Heidrun Schelzke-Deubzer begrüßte die Promi-Politikerin herzlich und erzählte ihr direkt unter der beeindruckenden Kulisse zweier Ellenfelder Windräder die energietechnischen Sorgen und Nöte der Provinz. Schelzke-Deubzer sprach sowohl die ungewollten Stromtrassen als auch den "Stress" beim Bau von Windrädern an, die ihrer Meinung nach von den Kommunen verhindert würden. "Jetzt ist sogar der Regionalplan ausgesetzt worden", klagte Schelzke-Deubzer.

Sehr guter Standort

Von Konrad Schedl, Mit-Erbauer des ersten Windrads im Landkreis, bekam die Parlamentarierin die technischen Details der hochmodernen Anlagen geliefert. "Wir hätten tolle Standorte, aber haben große Probleme beim Bau", sagte Schedl. Von sechs Bauanträgen seien nur zwei genehmigt worden. Mit Blick hinauf zu den riesigen Rotorblättern erklärte er, dass man sich hier an einem der besten Standorte Bayerns befinde.

Simone Peters sprach sich für einen Energie-Mix aus. Hier gehe es längst nicht mehr um das "Ob", sondern um das "Wie". Die ehemalige Umweltministerin des Saarlandes und Geschäftsführerin der Agentur für erneuerbare Energie in Berlin gab sich streitbar, unter anderem bei den Stromtrassen, wo sie die Erdverkabelung befürwortet. Die neuen Trassen sind für sie jedoch unverzichtbar.

Windpark gelobt

Ihr sei klar, dass Energiewende nie ohne Widerstände gehen könne und sie verstehe die Sorgen der Bürger, sagte Peter, die sich eine Zukunft mit 100-prozentig erneuerbarer Energie aus Bio, Solar und Wind gut vorstellen könnte. Für den Bürgerwindpark Ellenfeld hatte sie viel Lob. Hier stecke großes Potenzial drin, das es zu nutzen gelte. Die Grünen-Bundesvorsitzende erinnerte an Klimakatastrophen, wie Dürre, Überschwemmungen und das Verschwinden von Inseln, was nicht irgendwann, sondern schon jetzt stattfinde. Sie mahnte zu Verantwortung. Mit dem Trassenbau allein sei es nicht getan.

Den Ellenfelder Bürgerwindpark, wo aktuell zwei neue, 200 Meter hohe Windkraftanlagen entstehen, nannte Peter eine wichtige und notwendige Wertschöpfung in der Energiewende. "Wir bleiben dran", versprach Heidrun Schelzke-Deubzer als Sprecherin der Landkreis-Grünen und schenkte dem Gast zum Abschied Whiskey aus der Oberpfalz.


Temelin statt Stromtrasse versenktBevor die Kreisgruppe Tirschenreuth von Bündnis 90/Die Grünen ihre Bundesvorsitzende MdB Simone Peter hinauf zum Bürgerwindpark Ellenfeld brachte, durfte der Polit-Promi aus Berlin vor dem Ellenfelder Dorfteich einen symbolischen Akt vollziehen. Es ist Brauch bei den Grünen, bei öffentlichen Veranstaltungen Ärgernisse in einer grünen Tonne zu "versenken". Eine nette Idee, die allerdings diesmal erst ausdiskutiert werden musste.

Der Kreisverband wünschte sich von Simone Peter, die geplanten Stromtrassen in besagte Tonne zu stampfen. Aber die Parlamentarierin streikte, da sie die Trassen befürwortet. Gut, dass die Tirschenreuther einen weiteren Trumpf im Ärmel hatten. Kurzerhand bot man Simone Peter als "Versenk-Ärgernis" das tschechische Atomkraftwerk Temelin an. Damit war der Gast aus Berlin zufrieden, denn das umstrittene Temelin würde Simone Peter wirklich gerne für immer verschwinden lassen, wie sie versicherte.
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 17.08.2017 | 21:24  
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