18.01.2017 - 21:24 Uhr
BärnauOberpfalz

Das Archäozentrum Bärnau kann gebaut werden: EU-Millionen für Geschichtspark

Es war eine Zitterpartie bis zum Schluss. Stimmt der Lenkungsausschuss zu? Jetzt ist klar: Die EU fördert das "Archäozentrum Bayern-Böhmen - Gemeinsamen Kulturraum bewahren und vermitteln" mit 3,3 Millionen Euro - 2,5 Millionen fließen nach Bärnau.

Archäologe Stefan Wolters, wissenschaftlicher Leiter des Projekts, in seinem Büro im Geschichtspark. Bild: Herda
von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Wir haben viel Überzeugungsarbeit reingesteckt", erklärt Stefan Wolters, wissenschaftlicher Leiter des Großprojekts, das Happy End. Vor allem die tschechische Seite sah zunächst nicht ein, warum der Löwenanteil des stattlichen Budgets für ein Archäozentrum auf die deutsche Seite fließen sollte. "Wenn man so einen formalisierten Antrag nur durchliest, erkennt man die Vielschichtigkeit des Projekts nicht."

Deshalb suchten die Bärnauer alle Entscheider persönlich auf, um klar zu machen, wie der Ausbau des Geschichtsparks zu einem universitären Ausbildungslager für beide Seiten gewinnbringend kann: "Mit den Universitäten Pilsen und Prag sind mehr tschechische Hochschulen vertreten als deutsche", vergleicht Wolters, der einen Lehrauftrag der Uni Bamberg hat. "Wir beschäftigen paritätisch je zwei Handwerker aus beiden Ländern und etliche Aufträge gehen nach Tschechien." Bei nur zwei Gegenstimmen von 18 Teilnehmern wurde das Projekt ohne Abstriche durchgewunken. "Dabei hatten wir fest damit gerechnet, dass es zusammengestrichen wird." Dass das Bärnauer Projekt als einziges mit dem beantragten Budget reüssierte, läge daran, die Kosten sehr detailliert geplant zu haben.

Der Zeitplan ist äußerst ehrgeizig: Am 21. Dezember bekam Wolters grünes Licht, am 1. Januar sollte es losgehen. "Wir reichen noch diese Woche einen Bauantrag ein", drückt er aufs Tempo. Es folgen die Ausschreibungen für das Handwerk und erste Veranstaltungen in Absprache mit den Partnern am 1. Februar: "Zunächst noch in Pilsen und Bamberg."

Und dann beißt sich das Bürokratie-Monster auch noch selbst in den Schwanz: "Wir brauchen den offiziellen Förderbescheid, damit die Unis ihren Eigenmittelanteil einlösen, um beispielsweise Referenten und die Dolmetscheranlage zu bezahlen", erklärt er. "Den Förderbescheid kann die EU aber erst ausstellen, wenn die Bauanträge durch sind." Man arbeite mit Hochdruck daran: "Das dauert normalerweise monatelang, aber mit der Unterstützung auf allen Ebenen klappt es in wenigen Wochen - wir geben im Januar ab und hoffen, dass wir im Februar loslegen können."

  • Werkstatt: Im Frühjahr soll der Bau von Büros und der Archäowerkstatt beginnen, im Frühjahr 2018 sollen bereits Studenten in den Labors die archäologisch korrekte Zusammensetzung eines Mörtels aus dem 14. Jahrhundert analysieren.
  • Kaiserpfalz: Bis zum Sommer soll der Zukauf notwendiger Flächen für den Bau der Reisestation Karls IV., einer Art "Kaiserpfalz to go", abgeschlossen sein: "Ein Steinbau aus dem 14. Jahrhundert, um die historische Lücke im Park zu schließen", sagt Wolters. Bauzeit etwa 15 Jahre.
  • Ausführung: Als Vorarbeiter suche man vier Handwerksmeister (bezahlt nach EU-Richtlinien), welche die Archäologen, Studenten und historischen Laiendarsteller anleiten.
  • Regionale Wertschöpfung: Die gesamte Bauleistung für die Büro- und Werkstätten würden regional vergeben. "Wir sehen aber vor allem durch die Einbindung von Schulklassen eine Chance, die Leerstände in der Altstadt sinnvoll zu nutzen", freut sich Wolters. "Bis jetzt endet in Bayreuth unser Einzugsgebiet. Künftig können wir überregional Mehrtagesfahrten anbieten."

 

 

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