02.03.2018 - 20:00 Uhr
Bärnau

Anne Hecht wirkte 25 Jahre als Mesnerin Viel Schönes erlebt

Zum Leben gehört ein Kommen und Gehen, ein Anfang und ein Ende. Auch für Mesnerin Anne Hecht, die nach 25 Jahren ihr Amt weitergibt.

Alle Messen, Bruderschaftsmessen, Rosenkränze, Einnahmen und Ausgaben und besondere Ereignisse hat Anne Hecht akribisch in kleinen Notizbüchern aufgeschrieben. Bild: bir
von Autor BIRProfil

Von Robert Birkner

Thanhausen. Als neue Mesnerin der kleinen Schlosskirche St.Josef in Thanhausen ist Anne Hecht - die "Berta-Anne" - im April 1992 zu ihrer ersten Heiligen Messe gekommen, zelebriert vom damaligen Pfarrer Josef Frank. Jetzt nach 25 Jahren, mit 82 Jahren, beendete sie ihren langjährigen Mesnerdienst.

Als Anne Hecht dieses wichtige Amt von der damaligen Mesnerin Maria Freundl, der "Hans'n Mare", übernahm, dachte sie nicht, dass es so schwierig werden würde. Am Anfang, so erzählt sie, habe ihr die "Hans'n Mare" viel geholfen, sie in dieses Amt eingeführt, ihr alles gezeigt. Doch dann war sie auf sich allein gestellt. Mehrmals in der Woche, wenn der Rosenkranz gebetet oder die Messe gefeiert wurde, aber auch zu Gottesdiensten bei besonderen Anlässen, war sie in der Kirche anzutreffen. Leider, so bedauert sie, seien inzwischen die Kirchenbänke leerer geworden.

Zahlreiche Aufgabe

Ihre Tätigkeit, die sie all diese Jahre immer ehrenamtlich verrichtet hat, beschränkte sich dabei nicht auf reine Mesnerdienste während des Gottesdienstes. Sie kümmerte sich einfach um alles: Auf- und Zusperren morgens und abends, Blumenschmuck, Altardecken waschen und bügeln, Kerzen besorgen, Putzdienst organisieren. Bei Ausfall eines Ministranten sorgte sie für Ersatz und hatte auch immer ein offenes Ohr für "ihre Ministranten", die für ihre Dienste immer wieder einmal mit einem "Zuckerl" belohnt werden.

Und die kleine Entschädigung, die sie von der Stadt Bärnau erhielt, wurde von ihr in Form von Weihnachtsgeschenken für ihre Ministranten wieder ausgeteilt. Doch auch die Ministranten wurden im Laufe der Jahre immer weniger. Anne Hecht: "Anfangs hatten wir mal 17 Ministranten, jetzt sind es nur noch drei." Und zu diesen Buben habe sie auch nach 25 Jahren noch immer ein gutes Verhältnis. "Servus Anne" wird sie immer wieder von ihnen gegrüßt.

Wenn nötig schnitt sie auch schon mal die Stauden an den Eingängen zurecht. In den Wintermonaten war sie schon lange bevor die ersten Kirchenbesucher erschienen beschäftigt. Bei starkem Schneefall, keine Seltenheit am Grenzkamm, räumte sie mehrmals in der Woche Schnee, um den Zugang zur Schlosskirche für die überwiegend älteren Kirchgänger zu erleichtern. Meistens unterstützt von Ehemann Otmar, der im August 2015 leider verstarb. Außerdem wurde rechtzeitig die Gasheizung eingeschaltet, damit die Kirchenbesucher nicht all zu sehr frieren mussten. In früheren Jahren, so erzählt die ehemalige Mesnerin, hätten auch viele Ehepaare ihre "Goldene Hochzeit" in der kleinen Schlosskirche gefeiert. Alle Messen, Bruderschaftsmessen, Rosenkränze, Einnahmen und Ausgaben und Ereignisse hat sie dabei in diesen 25 Jahren akribisch in kleinen Notizbüchern aufgeschrieben.

Schock nach Kirchenbrand

Einen großen Schock, den sie bis heute noch nicht verwunden hat, versetzte ihr der Kirchenbrand im März 2010, der eine gesamte Renovierung der kleinen Schlosskirche nach sich zog, weil alles, die Kircheneinrichtung, der Altar, die Heiligenfiguren tief mit Ruß überzogen waren. Tagelang habe sie deswegen nicht schlafen können, krank war sie gewesen. "Heiliger Josef, hab' ich gesagt, warum hast Du denn nicht auf Deine Kirche aufgepasst!" Und damals, erzählte sie, sprach ihr Pfarrer Michael Götz Trost zu: Er habe schon aufgepasst, denn sonst wäre die ganze Kirche abgebrannt.

Das Mesneramt ist für Anne Hecht mehr als ein Job gewesen, es war Leidenschaft und ein Dienst im und am Hause Gottes. Und dadurch konnte hier Gottesdienst gefeiert und Gemeinde gelebt werden. Mesnerin Anne: "Ich habe es gerne gemacht, es ist viel Schönes dabei gewesen, vor allem weil auch die Dorfgemeinschaft hinter mir gestanden ist." Abschließende Notiz in ihrem Notizbuch: 19. Dezember 2017, Einnahmen 22 Euro, letzter Eintrag nach 25 Jahren, Mesnerin Anne.

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