15.09.2017 - 16:42 Uhr
BärnauOberpfalz

Bärnauer Familie geriet in Wirbelsturm "Irma" Karibik-Reise wird zum Alptraum

Endlich Urlaub - die schönste Zeit des Jahres steht bevor. Die Familie Wegener aus Bärnau fliegt an einen Strand nach Kuba. Der vermeintliche Traumurlaub in der Karibik wird innerhalb weniger Stunden zum schrecklichen Alptraum.

Das Foto entstand kurz bevor "Irma" über Kuba fegte und zeigt eine Urlaubsbekanntschaft mit Michael, Madelene, Melissa und Melinda Wegener (von links) am Strand, den es später nicht mehr gab.
von Ulla Britta BaumerProfil

Kurz bevor es zurück nach Deutschland gehen sollte, fegt Wirbelsturm "Irma" über die Unterkunft hinweg. Die Wegeners kommen mit dem Schrecken davon, sitzen aber tagelang auf Kuba fest.

Am Montag, 28. August, verabschieden sich Michael (45), Melissa (45), Milena (17) und Madelene (15) in den Urlaub, der Rückflug ist für Freitag, 8. September, gebucht. Doch daraus wird nichts. Wirbelsturm "Irma" verwüstet das Land. Der Kontakt bricht ab. Für die Daheimgebliebenen ist dies mindestens so schlimm wie für die Wegeners selbst.

Kontakt reißt ab

Madelenes Freund Alexander Schubert (16) freut sich schon auf die Rückkehr seiner Freundin, da sieht er in den Medien, wie sich der verheerende Wirbelsturm "Irma" Richtung Kuba schiebt. Als er mitbekommt, dass es ernst wird, versucht er, die Schülerin des Tirschenreuther Stiftland-Gymnasiums zu erreichen - vergeblich. Alexander sitzt tagelang ohne eine Nachricht seiner Freundin in Tirschenreuth und hat Angst.

Fünf Tage müssen Alexander und die Bärnauer Bekannten um die Wegeners bangen. So lange hält "Irma" die Familie an ihrem Urlaubsort Varadero im Hotel Sol Palermas fest. "Dabei waren wir anfangs relativ gelassen", erzählt Michael Wegener, der bei Hamm in Tirschenreuth arbeitet und für die SPD im Stadtrat sitzt.

Die Katastrophe beginnt am Strand. Die Gäste werden plötzlich gebeten, ins Gebäude zu kommen. "Wir packten sofort unsere Koffer und stellten uns auf alles Mögliche ein", erzählt Michael. Anfangs noch relativ harmlos baut sich der Hurrikan stündlich auf und fegt schließlich mit 205 Stundenkilometern alles weg, was vorher nicht mehr festgezurrt werden konnte.

Michael und Madelene wollen mutig sein und vom Hotelzimmerbalkon aus das Schauspiel beobachten. "Dann kam eine Wasserwalze auf uns zu, wir waren innerhalb einer Sekunde patschnass." Vater und Tochter eilen erschrocken ins Zimmer. Dort heißt es dann ausharren unter extremen Bedingungen. Die Heimflüge werden gestrichen. Niemand weiß, wie es weitergeht. Die Bärnauer schauen zu, wie die Zimmerdecke zu tropfen beginnt, Meerwasser sickert durch die Türschlitze, schwere Glas- portale werden aufgedrückt, und Palmen vor den Fenstern knicken wie Streichhölzer um.

Als "Irma" seinen Höhepunkt erreicht, darf sich niemand mehr von der Stelle bewegen. "Wer im Foyer war, musste dort in einem Notnachtlager schlafen", erzählt Madelene. Die Wegeners werden aufgefordert, sich in den sanitären Anlagen ihres Zimmers aufzuhalten. "Da passten höchstens zwei Leute rein", klagt Madelene. Es wird immer ungemütlicher: Klimaanlage und Strom fallen aus. Die Familie sitzt bei 35 Grad Hitze in einem schweißtreibenden, feuchten Raum fest. An Schlaf ist nicht zu denken, zumal der Hurrikan an Türen und Fenstern rüttelt, als würde er in der nächsten Sekunde hereinbrechen. Als Wasser und Verpflegung knapp werden, ist der Spaß endgültig vorbei. Der Traumurlaub wird zum Alptraum.

"Wir konnten nur kalt oder gar nicht mehr duschen", erzählt Michael weiter. Dei Lage verschlechtert sich ständig weiter. Die Hotellieferungen werden eingestellt, die Küstenstraße zum Flughafen ist unbefahrbar. Trotzdem lobt Michael das Hotelmanagement sehr: "Die Kubaner haben die Nerven nie verloren." Das Gebäude wird umgehend gegen Sturmschäden gesichert, das Essen auf den Zimmern serviert, regelmäßig gibt es Krisensitzungen mit Informationen über die aktuelle Lage. Im Foyer werden zur Unterhaltung Showeinlagen, Minigolf und Animationen angeboten. "Ansonsten "konnten wir nur rumsitzen und warten."

Sandstrand ist weg

Am Sonntag, 10. September, gibt es endlich Entwarnung: Die Hoteltüren öffnen sich wieder. Dann erst sehen die Wegeners, was dieser karibische Wirbelsturm angerichtet hat. Der Strand ist weg. "Es hatte den ganzen Sand einfach weggespült", ist Madelene immer noch entsetzt. Sie steht in Kuba zwei Meter unterhalb der Stelle, wo sie vorher auf ihrem Strandtuch gelegen hatte.

Der Rückflug wird zur richtigen Odyssee. Erst am Mittwoch, 13. September, darf eine Sonderflugmaschine von TUI fly zurück nach Köln. "Ständig gibt es Verzögerungen. "Wir waren 38 Stunden auf den Beinen", hat Michael Wegener nachgerechnet. Am Mittwochabend endlich stehen die Bärnauer - heil und gesund, was an ein Wunder grenzt - am Wiesauer Bahnhof. Mit Erleichterung schließen die Freunde sie dort wieder in die Arme. Auch Alexander fällt ein Stein vom Herzen, als er seine Madelene wieder umarmen kann.

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