07.05.2018 - 20:00 Uhr
BärnauOberpfalz

Berufsschüler im Geschichtspark Leben wie im Mittelalter

Mühsam Mehl mahlen, abends auf den Strohsack statt die Matratze - das Leben im Mittelalter bot wenig Luxus. Schüler der Berufsschule Grafenwöhr erlebten es hautnah.

Die sogenannte Motte ist das Wahrzeichen des Geschichtsparks. Bild: hfz
von Redaktion OnetzProfil

Bärnau/Grafenwöhr. (wrm) Eine Reise in die Vergangenheit unternahmen Schülerinnen und Schüler des Berufsvorbereitungsjahres der privaten Berufsschule des St. Michaels-Werks in Grafenwöhr. Als Teilnehmer des Projekts "Zeitung macht Schule" (ZMS) fuhren die BVJ-Klassen der Abteilungen Metalltechnik, Bau, Wirtschaft und Verkauf sowie Holz in den Geschichtspark nach Bärnau. Ermöglicht hatte ihnen die Fahrt der ZMS-Projektpartner Bayernwerk AG.

Slawische Häuser

Der Exkursionstag, den die Lehrkräfte Christian Luff, Markus Neder, Johanna Rosner und Miriam Sperber begleiteten, stand unter dem Motto "Leben kennenlernen, aber auch selbst erleben". Bei einer Führung durch den Geschichtspark erkundeten die Schüler die Bauweise slawischer Häuser.

Metall war teuer, weshalb die Handwerker damals mit Holz und Seilen arbeiteten. Viele Dächer wurden mit Stroh gebunden. Die Räume in den Häusern waren für die damaligen Zwecke gut ausgestattet: Es gab Holzbetten mit einer Schnürung als Lattenrost. Darauf kamen jedoch keine Matratzen, sondern Strohsäcke, die immer wieder erneuert werden mussten. Eine Feuerstelle im Haus diente als Kochmöglichkeit und Wärmequelle. In jüngeren Häusern wurde die Feuerstelle durch zwei Zimmer hindurch gebaut.

So war es möglich, in einer Stube zu kochen, während in der anderen die Wärmequelle wie eine Art Kachelofen beispielsweise die Schlafkammer heizte.

Unvorstellbar fanden die Schüler den Umstand, dass in den kleinen Räumen viele Personen zusammenlebten. So kam es vor, dass sechs Menschen in einem einzigen Raum aßen, schliefen und wohnten. "Vieles spielte sich deshalb außerhalb der Häuser auf dem Marktplatz ab", erklärte der Führer.

Ehrenamtliche Arbeit

Der Park präsentiert Häuser aus der Zeit um 800/900, 1100 und dem Hochmittelalter. Der 2010 eröffnete Geschichtspark wird von Ehrenamtlichen betrieben. Rund 65 000 Arbeitsstunden stecken in dem Großprojekt. Um die Instandhaltung und Erweiterung kümmert sich der Verein "Via Carolina", der rund 650 Mitglieder zählt. Bald sollen auch Archäologie-Studenten unter anderem aus Pilsen, Bamberg und Prag hier Platz finden.

Die Schüler aus Grafenwöhr konnten im Geschichtspark verschiedene Bauarten wie ein Flechtwandhaus, ein Grubenhaus oder ein Pfostenhaus begutachten. Bei letzterem stabilisierten mehrere Pfosten das Gebäude, wobei jeder einzeln ausgetauscht werden konnte. Denn damals wurde in den Häusern Feuer geschürt, weshalb es vorkam, dass hin und wieder ein Pfosten verkohlte.

Schließlich durften die Schüler noch selbst aktiv werden und Brot backen - ähnlich wie es die Slawen damals machten. Das Mehl musste mit Mahlsteinen gerieben werden und das war mühsam, wie die Schüler schnell feststellten, als sie die Steine bewegten. Viele Gemüsesorten gab es noch nicht, und man ernährte sich hauptsächlich von Getreide.

Die Schüler durften zuletzt noch ihr Stockbrot über dem offenen Feuer backen. Dass selbst dies anstrengend sein kann, damit das Brot nicht verkohlt, war ebenfalls eine neue Erkenntnis: Der Weg zur Bäckerei ist heute definitiv einfacher.

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