Buchvorstellung im Geschichtspark
Fassbares Bild von Geschichte

Stefan Wolters, Dr. Silvia Codreanu-Windauer, Milan Metlicka und Dr. Tobias Appl (von links) stellten im Geschichtspark den Tagungsband des 25. Treffens der Arbeitsgemeinschaft vor. Er enthält 20 Aufsätze zum Thema "Gebaute Geschichte." Sie befassen sich mit Fundstellen im Stiftland und im Landkreis, mit der Geschichte, Qualität und der Praxis archäologischer Freilichtmuseen. Bild: tr
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Bärnau
14.09.2017
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Seit 25 Jahren tagt die archäologische Arbeitsgemeinschaft Ostbayern, West- und Südböhmen und Oberösterreich an einem anderen Mitgliedsstandort. Diesmal im Geschichtspark Bärnau. Die Zusammenfassung der Ergebnisse gibt es jetzt in einem Buch.

Das stellten Dr. Silvia Codreanu-Windauer, Referatsleiterin beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der wissenschaftliche Leiter des Geschichtsparks Bärnau/Tachov, Stefan Wolters, der Leiter des archäologischen Museums Westböhmen in Pilsen, Milan Metlicka, und Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl, vor. Silvia Codreanu-Windauer beschrieb die Arbeitsgemeinschaft als lockeren Verbund von Archäologen, diesseits und jenseits der Grenze. Seit der Grenzöffnung treffen sich Archäologen aus den entsprechenden Regionen einmal im Jahr und tauschen sich wissenschaftlich zu den verschiedensten Themen aus. Anfangs waren es 25 Teilnehmer, heute gehören der Gruppe etwa 50 an. Heuer war die Arge zum siebten Mal in der Oberpfalz und zum ersten mal im Geschichtspark. Bärnau habe sich angeboten, weil das Thema hervorragend zum Ort passte.

Winzige Spuren

Es sei durchaus kontrovers darüber diskutiert worden, inwiefern Wissenschaftler sich erdreisten dürften eine Realität nachzubauen oder zu rekonstruieren, von der sie immer nur winzige Spuren hätten. "Von den Häusern die hier stehen haben wir in der Regel gerade mal die Standspuren", sagte Codreanu-Windauer. Sie fragte, "ist es überhaupt noch wissenschaftlich solche Rekonstruktionen zu machen." Wo läge die Wissenschaftlichkeit dieser Nachbauten. Es sei sehr wichtig Kollegen aus unseren Regionen zusammenzubringen, damit sie ihre Projekte vorstellten. Da ginge es dann darum: Was machst du, warum machst du das, welches sind deine wissenschaftlichen Grundlagen, was sind die wirtschaftlichen Zwänge mit denen du konfrontiert wirst?

Wie vermarkten?

Die Qualität einer Rekonstruktion hänge meistens nicht unerheblich von den jeweiligen finanziellen Möglichkeiten ab, so Codreanu-Windauer. Deshalb stünde auch immer die Frage im Raum, wie solle das Konzept vermittelt, respektive vermarktet werden. Aus solchen und vielen anderen Erwägungen sei letztendlich das Buch entstanden. "Es sei ein einzigartiger Überblick über alle Rekonstruktionen und Nachbauten, die es im bayerisch-böhmischen und österreichischen Raum gibt", so die Sprecherin. Beginnend von realen Konstruktionen bis hin zu modernen Möglichkeiten der Computer-Rekonstruktion, sei in diesem Band alles verständlich veranschaulicht. Eingeleitet ist das Buch mit einem Artikel über die Archäologie im Stiftland von Codreanu-Windauer und Dr. Gabriele Raßhofer. Hier sei zwar keine so reichhaltige archäologische Gegend wie im Bereich Regensburg. Gerade deshalb sei es um so wichtiger die archäologischen Schwerpunkte zusammenzufassen und darzulegen. Wert sei auch darauf gelegt worden das Werk so zu schreiben, dass es nicht nur für Fachleute interessant sei. "Es geht schon in die Tiefe, ist aber sehr gut lesbar und enthält viele Bilder Karten und Grafiken.

Die Rekonstruktionen im Geschichtspark bezeichnete die Sprecherin als sehr echt. Viele Kollegen seien sehr begeistert von dem hohen Niveau, das hier erreicht worden sei. Dies sei in erster Linie Stefan Wolters und der guten Vernetzung mit vielen Kollegen und Institutionen zu verdanken.

Zwischen den Stühlen

Stefan Wolters sieht für seine Anlage, und das gelte auch für viele andere, als wichtigste Frage, "wie bringt man Geschichte an den Mann?" Denn es gehe nicht nur um Wissenschaft sondern auch ums Publikum. Immer wieder habe er Probleme den Geschichtspark im Museumsbund zu verorten. "Die archäologischen Museen sagen, "ihr seid ja gar kein richtiges Museum, weil ihr habt kein Inventar und keine Originalfunde", die Freilichtmuseen hingegen kümmerten sich um originale Bauernhäuser und Traktoren aus dem 19. Jahrhundert. Somit stehe der Geschichtspark immer ein wenig zwischen den Stühlen.

Standortbestimmung

werde so gut vom Publikum angenommen, weil es ein fassbares Bild von Geschichte vermittle. Die Verantwortung der Leitung liege darin, dieses Bild so stimmig wie möglich zu gestalten. Das Buch diene hervorragend als eine Art Standortbestimmung. Daraus ginge hervor, "wo bin ich eigentlich, was darf man, was darf man nicht, was unterscheidet uns vom Freizeitpark und was auf der anderen Seite von einem traditionellem Museum?"

Das Buch hat 250 Seiten und ist mit einer Erstauflage von 150 Exemplaren erschienen. Es kostet 48 Euro und ist im Museumsshop sowie in jeder Buchhandlung zu beziehen. Jeder Aufsatz schließt mit einer tschechischen und einer englischen Zusammenfassung.

Es geht schon in die Tiefe, ist aber sehr gut lesbar und enthält viele Bilder Karten und Grafiken.Silvia Codreanu-Windauer
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