Erinnerungen an Paulusbrunn
Der "Plärrer" als beliebter Treffpunkt

Rund 75 Jahre liegen zwischen den beiden Bildern. Links im Bild (von links): Anna Wallerer, Othmar Moos, Berta Wallerer, Ferdinand Grüner, Ottilie Grüner und Josef Wallerer. Rechts im Bild (von links): Anna Plobner, Berta Spanner und Josef Wallerer, alle in Bärnau wohnend. Bild: cr
Vermischtes
Bärnau
25.08.2017
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Rund 75 Jahre liegen zwischen den beiden Bildern. Bei der Spendenübergabe für die Böttgersäule im Mai diesen Jahres präsentierten sich drei der damals abgebildeten Kinder an der Böttgersäule: von l. n. r. Anna Plobner, Mitte Berta Spanner, Josef Wallerer, alle in Bärnau wohnend. Die Fakten zu den Personen stellte dankenswerter Weise Ingrid Leser zur Verfügung.

Der "Noatstoa" war auch ein beliebter Platz zum Spielen. Das Gruppenbild nach 75 Jahren ist eher eine Zeit der Erinnerung.

Bärnau/Paulusbrunn. Rund 75 Jahre liegen zwischen zwei Bildern, die an der Böttgersäule gemacht wurden. Die Aufnahme von 1942 besitzt Josef Wallerer, geboren 1939 in Wittichthal/Paulusbrunn. Heute wohnt er in Bärnau. Die Aufnahme wurde damals von Herbert Häupl, mit Hausnamen "Küllara", gemacht, dessen Elternhaus im Hintergrund zu sehen, aber längst dem Erdboden gleichgemacht ist.

Im Geburtsjahr von Josef Wallerer bahnte sich das Fiasko schon an, einige Männer des Ortes erhielten ihre die ersten Einberufungsbescheide. Am 1. September kam durch die Volksempfänger die Nachricht vom Einmarsch der Wehrmacht nach Polen. Die Alten, die noch den ersten Weltkrieg erlebt hatten, hatten kein gutes Gefühl. Es dauerte nicht lange, da kam die erste Gefallenenmeldung. Das Leben der Menschen hatte sich mit einem Schlag verändert: Lebensmittelkarten, Bezugsscheine für Bekleidung, die Schulkinder mussten Altpapier, Lumpen und Altmetall zur Schule mitbringen, Feldpostbriefe wurden verschickt. Die Kirchenglocken wurden abgenommen und für Munition eingeschmolzen. Im Thiergartener Forst (Obora) und Goldbach enstanden Arbeitslager, belegt mit Polen, Weißrussen und 40 anderen Ausländern.

Keine schöne Zeit für die Kinder des Ortes, wie dem Buben auf dem linken Bild mit der gestreiften Mütze, es ist Josef Wallerer. Mit auf dem Bild sind Ottilie Grüner, die "Tischler Otte", Ferdinand Grüner, der Tischler Fredl, beide sind schon verstorben sowie Berta Wallerer die Schwester vom Josef, der "Muasn Othmar", Othmar Moos, den es nach Ottensoos in Mittelfranken verschlagen und Anna Wallerer.

Trotz aller Not trafen sich die Kinder zum Spielen in dem kleinen Ort Wittichthal, der 1937 genau 36 Häuser zählte und als jüngster Ortsteil 1792 zum Gemeindegebiet Paulusbrunn kam. Der Ortsname leitete sich ab von dem im Dienst stehenden Wirtschaftsrat der Windischgrätzer Fürsten, Karl Wittich von Streitenfeld. Treffpunkt der Jugend war die Böttgersäule, eher bekannt unter der Bezeichnung "Noatstoa".

"Für uns war das der Plärrer", berichten die ehemaligen Bewohner einstimmig. Kein Wunder, schließlich führte ja die Goldene Straße aus Nürnberg genau daran vorbei. Ob jemals ein Bewohner in Nürnberg war, ist nicht bekannt. Doch der Nürnberger Begriff "Plärrer", einem noch heute bedeutsamer Platz und Verkehrskontenpunkt setzte sich durch. Nicht zu Unrecht, das Wort Plärrer (ursprünglich Plerrer) leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen ab und kommt vom sogenannten "Plerre", was so viel wie "Freier Platz" bedeutet, durchaus zutreffend für den Standort der Säule. Und eine Straßenkreuzung war ebenfalls gegeben, westlich ging der Weg nach Bärnau, östlich nach Tachau, nördlich zum Baderwinkel und südlich nach Vorder- und Hinterpaulusbrunn. In vielen alten Aufnahmen zeigt sich, dass bei Festen Jubiläen sich Vereine und Menschengruppen gern am Plärrer zusammen mit der Böttgersäule fotografieren ließen.
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