11.12.2017 - 17:36 Uhr
BärnauOberpfalz

Feuer im Geschichtspark Bärnau: Hüttenbrand ging glimpflich aus Großer Schreck in der Abendstunde

Im Geschichtspark Bärnau-Tachov ist eine Zeitreise in die Vergangenheit kein Problem. In den mit Lehm, Stroh und Holz gebauten Gebäuden übernachten regelmäßig Vereinsmitglieder, die ein paar Tage lang wie im Mittelalter leben wollen. Am Freitag wird dies fast zum Alptraum. 

von Ulla Britta BaumerProfil

In den mittelalterlichen Hütten wollen an diesem Abend etwa 15 Darsteller nächtigen. In einem der Gebäude, die durch eine offene Feuerstelle beheizt werden, haben sich drei junge Leute, Alexander, Romana und Andreas - die Nachnamen wollen sie nicht preisgeben -, einquartiert. Ihnen ist es zu verdanken, dass an diesem Abend nicht mehr passiert. Sie reagieren schnell und richtig, indem sie sofort gar nicht mittelalterlich handeln, sondern modern mit Handy die Feuerwehr alarmieren.

"Da wird einem klar, dass man nichts machen konnte damals im Mittelalter, wenn ein Reetdach Feuer gefangen hat", sagt Ramona aus Störnstein. Zusammen mit ihren Hüttengenossen Alexander und Andreas sitzt sie gerade beim Abendessen, als im Nachbarhaus ein Feuer ausbricht. Das war etwa um 19.30 Uhr. "Plötzlich haben wir unseren Nachbarn schreien gehört", erzählt Ramona. "Hilfe, es brennt!", habe er gerufen.

Das Trio stürmt aus dem Haus. Ramona greift zum Handy und alarmiert die Feuerwehr. Mit einem Feuerlöscher versuchen die Helfer, die Flammen zu löschen. Das erweist sich schnell als unmöglich. Das Feuer breitet sich in Sekundenschnelle aus, frisst sich auf dem mit Schilf und Stroh eingedeckten Reetdach von Halm zu Halm. "Da konnte man mit einem Eimer Wasser und einem Feuerlöscher gar nichts mehr ausrichten", erzählt Andreas.

Zum ersten Mal Gast

Der 21-jährige Vohenstraußer ist das erste Mal Schlafgast im Mittelalterdorf. Ihm steckt am Tag danach noch der Schreck in den Gliedern. "Wir sind vielleicht froh, dass das nicht mitten in der Nacht passiert ist. Wenn alle im Dorf geschlafen hätten, wäre das nicht so glimpflich ausgegangen", meint Alexander.

Während die drei Mittelalterdarsteller zusehen müssen, wie schnell sich das Feuer durch das Strohdach frisst, wird ihnen mulmig im Bauch. Bei Marc König, dem Bewohner der Brandhütte, sitzt der Schreck wesentlich tiefer. Vorsitzender Alfred Wolf vom Mittelalterverein "Via Carolina" berichtet, dass dieser das Dorf sofort verlassen habe und nach Hause nach Nürnberg gefahren sei. Er sei geschockt. Vor der Abreise teilt der Mittelalterfan aus Franken Wolf noch mit, dass er auf gar keinen Fall zu sprechen sei.

Gemeinsam versuchen die 15 Dorfbewohner, mit Feuerlöschern und Wassereimern die Flammen einzudämmen - vergeblich. "Gott sei Dank kam die Feuerwehr rasch. Also die waren wirklich superschnell da", berichten die drei jungen Leute aus dem Haus neben der Brandstelle. Vorsitzender Wolf liegt zu diesem Zeitpunkt noch daheim auf der Wohnzimmercouch. Als ihn per Telefon die Nachricht aus dem Geschichtspark, dass ein Feuer ausgebrochen ist, erreicht, brausen bereits die Löschautos der vier Feuerwehren aus Bärnau, Plößberg, Naab und Tirschenreuth mit Tatütata zum Geschichtspark Bärnau-Tachov. "Da war's vorbei mit der Abendruhe!", so Wolf.

Dass der Bärnauer auch den Rest der Nacht nicht mehr schlafen kann, ist nicht verwunderlich. Steckt in der Einrichtung doch sein ganzes Herzblut. So ergeht es auch dem wissenschaftlichen Leiter Stefan Wolters. Der Archäologe ist zum Zeitpunkt des Feuerausbruchs in seinem Büro mit den letzten Vorbereitungen für den neuen Weihnachtsmarkt, der am Tag danach im Vorhof des Geschichtsparks eröffnet, beschäftigt. "Dann kam der Anruf von unten: Bei uns brennt's! Ich bin sofort losgelaufen", so Wolters.

Neue Erkenntnisse

Nicht gerne sieht der Archäologe, was passieren kann, wenn es in einem mittelalterlichen Hüttendorf brennt. Doch er hat auch eine neue Erkenntnis daraus gewonnen. Umgehend, sagt er, werde man die hölzernen "Schirme" in den Gebäuden, welche durch den Abzug die Funken am Strohdach vorbei ins freie lotsen sollen, verbessern. Das Feuer sei ausgebrochen, weil ein Funken trotz des vorhandenen Schutzes den Weg zum Strohdach gefunden habe.

"Wir stellen jetzt oben beim Weihnachtsmarkt eine Spendendose auf", seufzt der Archäologe, der natürlich heilfroh ist, dass niemandem etwas passiert ist. Aber der Schaden ist nicht unbedeutend! Zwar sei die Hütte nach dem ersten Eindruck selbst weitgehend unbeschädigt geblieben, aber das Reetdach könne man nur mit Hilfe eines Fachmannes wieder decken. "Und das wird teuer!" Wolters spricht von etwa 12 000 Euro. Trotz Eigenleistungen blieben dem Geschichtspark wohl 6000 bis 7000 Euro an zusätzlichen Kosten nicht erspart.

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