04.05.2018 - 18:42 Uhr
BärnauOberpfalz

Fotofalle schnappt zu Wolfsverdacht in Bärnauer Revier

Durchstreift auch das Bärnauer Ländchen ein Wolf? Auszuschließen ist das nicht. Es gibt Rissspuren und ein Bild aus einer Fotofalle, welche auf den Beutegreifer hindeuten.

Wolf oder Hund? Dieses Bild aus einer Fotofalle sorgt derzeit für Spekulationen. Eine Genanalyse soll Klarheit bringen. Bild: exb
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

So richtig festlegen will sich noch keiner. Aber an den Stammtischen wird bereits fleißig über die Rückkehr des Wolfs diskutiert. Forstdirektor Gerhard Schneider vom Forstamt Waldsassen weiß von dem Fall, um den sich die Gespräche drehen. "Es ist vieles möglich. Sicher ist gar nichts", beschwichtigt er. Allerdings räumt Schneider ein, dass ein Riss in einem Bärnauer Revier und die Aufnahmen einer Fotofalle durchaus dazu geführt hätten, dass in Richtung Wolf geforscht werde.

Proben eingeschickt

Das Landesamt für Umwelt (LfU) ist eingeschaltet. Es ist derzeit dabei, die Spuren aus dem Landkreis Tirschenreuth auszuwerten. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei den Aufnahmen um einen Wolf handelt. Die Kriterien für einen eindeutigen Wolf-Nachweis erfüllen sie jedoch nicht. Weitere Erkenntnisse soll die Analyse einer genetischen Probe bringen. Die Ergebnisse werden in rund zwei Wochen erwartet", so ein Sprecher des Landesamtes für Umwelt.

Förster Carsten Klöble, der beim Forstamt Waldsassen der erste Ansprechpartner für große Beutegreifer ist, weiß Näheres über den Fall. Demnach hat ein Jagdpächter vor knapp zwei Wochen am Sonntagnachmittag in seinem Revier in der Nähe des Waldrands ein gerissenes Reh gefunden. Es handelte sich um einen ungewöhnlichen Riss mit deutlichen Fraßspuren.

Proben entnommen

Da die Beute erst vor kurzem erlegt worden war, beschloss man, umgehend eine Fotofalle in der Nähe zu platzieren. Dem Vernehmen nach hofften die Waidleute, damit einen Luchs im Revier nachweisen zu können. Die Kamera lieferte bereits in der nächsten Nacht ein Ergebnis. Zu sehen war auf zwei Bildern aber kein Luchs, sondern ein großer Beutegreifer, bei dem es sich um einen Caniden, also einen Wolf oder einen Hund handelte. "Zweifelsohne hat das Tier große Ähnlichkeit mit einem Wolf. Aber die Merkmale reichen leider für eine eindeutige Bestimmung nicht aus", bedauert Klöble.

Er hofft daher, dass die genetische Untersuchung Klarheit bringt. Dazu wurden Proben von den Fraßspuren entnommen und zur Untersuchung an das Landesamt geschickt. Da das Reh noch nicht lange tot war, ist Klöble guter Dinge, dass die Proben Klarheit in den Fall bringen.

Gespannt auf das Ergebnis sind natürlich auch die Jäger im Revier, die in den vergangenen Tagen besonders aufmerksam im Wald unterwegs waren. Da sie keinen weiteren Riss fanden und sich zudem das Wild ganz normal verhält, gehen sie davon aus, dass es sich um einen Durchzügler gehandelt hat, falls es überhaupt ein Wolf war. Vor drei Jahren habe es schon einmal einen Verdachtsfall im Revier gegeben, allerdings ohne Foto. Damals sei das Wild viel unruhiger gewesen, erinnert sich ein Jäger.

Für den Kreisvorsitzenden des Landesjagdverbands, Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, wäre es keine Überraschung, wenn die Auswertung einen Wolfsnachweis erbringen würde: "Die Wölfe kommen zurück, wir können sie nicht aufhalten." Was ihm gar nicht gefällt, sind jedoch die emotional aufgeheizte Diskussionen mit viel Halbwissen, die mit jeder Sichtung einsetzten. Über das Jagdverhalten des Wolfs in freier Wildbahn gebe es viel zu wenig gesicherte Erkenntnisse, schimpft er. Für den Baron ist es ein Skandal, wie unvorbereitet die zuständigen Stellen diesem Thema begegnen. "Der Wolf wird kommen, und er wird uns Probleme bereiten", ist sich der Friedenfelser sicher. Er fordert einen Lehrstuhl für Wildbiologie, der sich professionell mit diesem Thema befasst.

Sollte das Reh in den Wäldern von Bärnau von einem Wolf erlegt worden sein, wäre das der erste gesicherte Nachweis auf Meister Isegrim im Landkreis Tirschenreuth nach der Rückkehr nach Deutschland.

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