04.04.2018 - 15:18 Uhr
BärnauOberpfalz

Geschichtspark Bärnau-Tachov Aufbruch in den Frühling

Da strahlt der Geschichtspark-Initiator Alfred Wolf mit der Sonne um die Wette: Am Ostermontag "emausen" einige Hundert Besucher aus der Region und aus Tschechien gen Geschichtspark Bärnau-Tachov. Dort startet die Saison mit einem Frühlingsfest.

von Ulla Britta BaumerProfil

Die fünf "Männchen" (Eisenkeile) sind gesetzt. Steinmetzmeister Armin Trottmann aus Neustadt/WN setzt den Vorschlaghammer an. Nach zehn Schlägen ist im mächtigen Granit aus Flossenbürg ein Haarriss erkennbar.

"Jetzt dauert es nicht mehr lange", erklärt Trottmann. Umringt sind er und sein Kollege aus dem tschechischen Brünn, Thomas Brat, von zahlreichen Parkbesuchern. "Schuld" daran, dass die neue Baustelle des Geschichtsparks beim traditionellen Frühlingsfest am Ostermontag derart viel Interesse findet, ist auch ein NT-Bericht, den Alfred Wolf als Kopie am Parkportal verteilt.

Der erste schöne Frühlingstag lockt unzählige Familien in das Freilandmuseum, wo vor den Toren mit Musik, Bratwürste, Korbflechten, Eier bemalen und anderen Brauchtümern das moderne Ostern demonstriert wird. Zeitgleich dreht sich in den Hüttendörfern im Park alles um Frühlingsbräuche der Slawen. Spannend und unterhaltsam sind beide Bereiche.

Zurück zur Baustelle: Der Geschichtspark Bärnau-Tachov baut eine Reisestation von Kaiser Karl IV. Das gehe nicht von heute auf morgen, erklärt Trottmann. Alles werde per Hand authentisch wie im Mittelalter gefertigt.

Die gewichtigste Arbeit dabei haben sich wahrlich die Steinmetze ausgesucht. Riesige Granitblöcke warten, zu einem Berg aufgeschichtet, darauf, bearbeitet zu werden. Das sei Abraum aus dem Granitsteinbruch Flossenbürg, wo das Material nicht mehr gebraucht werde, erläutert der Neustädter.

Für die "Burg des Kaisers" aber seien sie wertvolles Baumaterial. Der Steinmetz treibt die "Männchen" immer tiefer in den Block. Langsam und technisch akribisch geht er vor, keineswegs wird nur brachiale Kraft angewandt. "Wenn ich nur draufhaue, wird das nichts. Die Kristalle müssen Zeit bekommen, sich zu spalten."

Jetzt wird es spannend. Die Zuschauer treten lieber ein paar Schritte zurück, es könnte ein Steinbrocken wegrollen. Der Steinmetz hat alles im Griff. Der Block zerbricht im Zeitlupentempo. Das sei notwendig, damit die Blöcke transportable Größen für den Bau bekommen, weiß der Fachmann. Während sich die Steinmetze Granit für Granit vornehmen, bindet Archäologe Stefan Wolters mit einer Abordnung mittelalterlich gekleideter Darsteller eine Strohpuppe. Feierlich mit dröhnenden Klängen aus dem Kuhhorn wird die Puppe durchs Gelände getragen und auf einer Wiesenfläche nahe dem Bach in den Boden rammt.

Sie soll angezündet werden, ein mittelalterlicher Brauch zum Austreiben des Winters. Unter Begleitung von ermunterten Zurufen vieler Zuschauer zündet Wolters das Stroh an, rasch züngeln die Flammen in die Höhe. Der Wind tut seines dazu, schon ist die Puppe nur noch schwarze Asche. "So. Der Winter ist vorbei", meint ein Besucher zufrieden.

Für ihn und viele andere geht es weiter von Hütte zu Hütte, wo viele mittelalterliche Darsteller in der warmen Sonne sitzen und ihre Handwerkskünste demonstrieren. Bis in den Spätnachmittag hinein wird das frühlingshafte Mittelalter genossen. Für die Bärnauer, die alles liebevoll organisierten, hat sich die Mühe bei dem schönen Wetter mehr als gelohnt.

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Weitere Bilder im Internet:

www.onetz.de/bildergalerie

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