28.12.2017 - 14:16 Uhr
BärnauOberpfalz

Geschichtspark Bärnau-Tachov braucht neues Feuerschutz-Konzept Nach Brand weiter Feuer am Dach

Der Funke, der ein mit Reet gedecktes Dach auf einem Haus im Geschichtspark in Brand setzt, sorgt im Nachhinein für heiße Diskussionen. Das Landratsamt fordert eine neue, "feuerfeste" Formulierung für die Betriebsgenehmigung.

Ganz in der Nähe des brandgeschädigten Hauses stehen zwei weitere Gebäude.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

In einem Schreiben hat das Kreisbauamt dem wissenschaftlichen Leiter des Geschichtsparks, Stefan Wolters, nach dem Brand mitgeteilt, dass bis auf weiteres die Gebäude im Freilichtmuseum nur noch während der üblichen Öffnungszeiten bewohnt werden dürfen. Sollte das Landratsamt die Nutzungsbedingungen grundsätzlich auf diese Weise ändern, sieht Wolters die Zusammenarbeit mit den Universitäten gefährdet. Diese seien nur an praktischen Experimenten interessiert, die sie woanders nicht machen können. "Hinsetzen und alles theoretisch durchdenken geht auch zu Hause an der Uni." Im Januar soll bei einem Gespräch mit Vertretern beider Seiten gemeinsam eine Lösung gefunden werden. Bis dahin ist der wissenschaftliche Leiter angehalten, eine quasi bombenfeste, regelkonforme Formulierung für die Betriebsgenehmigung auszuarbeiten.

Brandschutz ist so aktuell wie nie zuvor, Rauchmelder sind in allen Gebäuden bald Plicht. Jede Sanierung wird schnell zum finanziellen Abenteuer, wenn Brandschutzmaßnahmen umgesetzt werden müssen. Es gibt wenige Ausnahmen: Zum Beispiel eben den Geschichtspark Bärnau-Tachov. Dass in diesem Freilichtmuseum ein gewisses Restrisiko besteht, tolerierten die zuständigen Behörden, so Wolters. Die einzige Brandschutzauflage: Ein Feuerlöscher pro Haus, in dem geheizt wird. Das trifft auf etwa 60 Prozent der Gebäude im Park zu.

Am Freitag, 8. Dezember, trat der Ernstfall ein. Ein Funke hat beinahe die Zusammenarbeit des mittelalterlichen Freilichtmuseums mit diversen Universitäten zunichte gemacht, noch bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Was war passiert? An diesem Abend fand dieser eine Funke den Weg vorbei an der ledernen Hirschhaut, die als Schutz vor Funkenflug über dem offenen Feuer dient, ins Reetdach.

Zahlreiche Glutnester

Das strohtrockene Material begann sofort zu brennen. Zu allem Elend tobte an dem Abend auch noch ein Sturm und versorgte die Flammen reichlich mit Sauerstoff. Der Insasse, der eine Nacht im Haus verbringen wollte, reagierte sofort, riss den Feuerlöscher von der Wand und hielt damit die Flammen in Schach. Solange, bis die Feuerwehren aus Bärnau, Naab und Tirschenreuth, die Anwesende in den beiden benachbarten Hütten bereits per Handy gerufen hatten, vor Ort eintrafen. "Bis die ersten da waren, vergingen keine zehn Minuten", lobt Stefan Wolters den schnellen Einsatz. "Das komplette Dach musste runter, weil die Wärmebildkamera zahlreiche Glutnester im Innern zeigte." Damit genau so etwas nicht irgendwann zum flammenden Inferno wird, haben die Verantwortlichen im Geschichtspark eigene Strategien ausgearbeitet. "Da gibt es ganz klare Anweisungen", sagt Wolters. "In Häusern, die mit offenem Feuer geheizt werden, muss immer eine Person quasi Feuerwache halten.

6500 Euro Schaden

Weder Polizei noch Versicherung gingen bei dem Vorfall von grober Fahrlässigkeit aus, sagt Wolters. Bevor an einen Wiederaufbau des Hauses gedacht werde, müsse erst noch ein Gutachten abgewartet werden. Gibt es grünes Licht, wird das Dach von einer Spezialfirma ersetzt. "Das können wir nicht selber machen, das ist Profiarbeit", erklärt Wolters. "Aber im Moment traut sich erst einmal niemand einzuschüren." Den Sachschaden beziffert der Museumschef auf etwa 6500 Euro. Die Beschädigungen an der Lehmwand und die angekokelten obersten drei Reihen Dachlatten können die Hauspaten selbst renovieren, wodurch praktisch auch keine weiteren Kosten entstehen. "Wir machen hier nichts besonders Gefährliches, deshalb reicht das vorhandene Notfallkonzept aus", erklärt Wolters und betont: "Unsere Häuser sind nicht nur schöne Kulissen, sondern wissenschaftliche Modelle. Ob die Gebäude so stimmen, wie wir sie gebaut haben, können wir nur sagen, wenn wir darin leben wie in grauer Vorzeit." Nur so ließen sich bestimmte Fragen beantworten. "Lassen sich die Häuser überhaupt heizen? Welche Temperaturen lassen sich im Innern realisieren? Funktioniert der Rauchabzug? Ist erhöhter CO2-Gehalt in der Luft?" Nur mit dieser Art der Feldforschung stellten sich Situationen realistisch dar.

Fünf Leute hielten sich an dem folgenreichen Abend in drei Häusern in der Abteilung Frühmittelalter auf. Übrigens ist das Übernachten in den Gebäuden ausschließlich Hauspaten, die auch für die Häuser verantwortlich zeichnen, erlaubt. Und diese sind auch alle Mitglieder im Trägerverein "Via Carolina". Seit 2010 habe es dabei nicht den kleinsten Zwischenfall gegeben. Den Brand und die Folgen hat der wissenschaftliche Leiter auf Fotos dokumentiert. Wenn im Frühjahr neue Studenten kommen, werde dieses Geschehnis in die Studien einfließen. Wenn die Studierenden dann an Häusern weiterbauen, würden sie die neuen Erkenntnisse dabei umsetzen. "Ein Fallbeispiel, wenn es um das Thema Heizen geht", so Wolters. "Archäologen sind immer bestrebt, kleinste Details akribisch zusammenzutragen, Spuren zu finden und vorhandene Dinge zu vervollkommnen." Der Geschichtspark sei in erster Linie auch eine Plattform für die Forschung.

Passende Doktorarbeit

So liegt Wolters ganz aktuell eine zum Thema passende Anfrage einer dänischen Studentin vor, die hier Forschungen für ihre Doktorarbeit zum Thema "CO2-Werte in Raumluft bei verschiedenen Feuerstellen in Häusern" durchführen will. "Wir haben alles in einem Museum vom 8. bis zum 13. Jahrhundert", sagt Wolters nicht ohne Stolz. 30 Hauspaten - das sind Einzelpersonen, ganze Familien oder Vereine - halten die Anlage am Laufen. Für die Authentizität bei Großveranstaltungen stehen 150 Darsteller zur Verfügung.

Unsere Häuser sind nicht nur schöne Kulissen, sondern wissenschaftliche Modelle. Ob die Gebäude so stimmen, wie wir sie gebaut haben, können wir nur sagen, wenn wir darin leben wie in grauer Vorzeit.Stefan Wolters

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