08.03.2018 - 17:08 Uhr
Bärnau

Komponist Ernst Kutzer wäre heute 100 Jahre alt geworden Der Heimat eng verbunden

Ernst Kutzer war bodenständig und immer neugierig. Heute wäre der Komponist und Pädagoge 100 Jahre alt geworden.

Hier im Schloss von Thanhausen verbrachte Ernst Kutzer ab 1919 seine Kindheit und Jugendzeit (von links): Mutter Katharina, Schwester Elvira, Ernst, Bruder Ludwig, Franziska Schedl (Großmutter).
von Autor BIRProfil

Von Robert Birkner

Thanhausen. Seinen 90. Geburtstag konnte Kutzer noch feiern. Zwar hatte ihn damals ein Oberschenkelhalsbruch an den Rollstuhl gefesselt, doch wollte sich der Komponist davon nicht abhalten lassen, zu einem großen Konzert, das die Kreismusikschule zu seinem Geburtstag für ihn gestaltete, nach Waldsassen zu kommen. Denn schließlich war er ja in seiner Zeit als Volksschullehrer auch von 1949 bis 1954 musikalischer Leiter des Waldsassener Kammermusikkreises, den er auf ein beachtlichen Niveau brachte und hielt. Glanzvolle Höhepunkte bildeten damals die Aufführungen der Oratorien "Das Lebensbuch Gottes" und "Das Jahr im Lied" von Joseph Haas sowie die eigene Kantate "Nacht des Heiles".

Anfang Oktober 2008 wollte Ernst Kutzer noch einmal seinen Heimatort Thanhausen, in dem er aufgewachsen ist und seine Kindheit verbracht hat, mit seiner Frau Thea besuchen, darauf hatte er sich schon riesig gefreut. Doch das Schicksal meinte es anders. Kutzer musste überraschend ins Krankenhaus und verstarb nach kurzem Aufenthalt am 14. Oktober 2008 an Nierenversagen.

In München geboren

Ernst Kutzer hatte sein ganzes Leben der Musik verschrieben. Geboren am 9. März 1918 in München zog er ein Jahr darauf mit der Familie in seine Heimat Thanhausen. Nachdem der jüngste Bruder im 1. Weltkrieg gefallen war, musste der Vater das elterliche Erbe übernehmen. Seine Vorfahren, unter denen sich der Großvater des bekannten bayerischen Sprachforschers Johann Andreas Schmeller befindet, waren seit Generationen im Landkreis Tirschenreuth ansässig. Vor allem seine Mutter, eine Sängerin, und sein Vater, Sänger und Mitbegründer eines Männerchors, gaben ihm die besten Voraussetzungen für eine musikalische Karriere mit auf den Weg.

Ernst war 10 Jahre alt, als sein Vater verstarb. Fürs Gymnasium samt Internat hatte seine alleinerziehende Mutter kein Geld. Entscheidende Einflüsse auf den musikalischen Werdegang übte sein Lehrer Albert Prechtl in der Volksschule aus. Er wurde auf die Musikalität des jungen Kutzer aufmerksam, förderte sie maßgeblich und erreichte die Zustimmung der Mutter zu einem Wechsel auf eine weiterführende Schule: die Lehrerbildungsanstalt in Amberg, in der Kutzer mit 13 Jahren, aus der siebten Volksschulklasse heraus, 1931 aufgenommen wird und die er dann mit 19 Jahren als Angehöriger des letzten Jahrgangs dieses Institutes erfolgreich verließ. Geprägt hat den Lehrer und Komponisten Ernst Kutzer vor allem seine Heimat, der er immer verbunden war. Diese Liebe zur Heimat und ihren Bewohnern lässt Kompositionen entstehen wie "Bayrisch durchs Jahr", die Oper "D'Woidrumpl", die 1993 eine leider nur konzertante Uraufführung in Regensburg erlebte, Blasmusik- oder Chorstücke bis Messen, die er diesen geliebten Menschen quasi widmete. Oft jedoch wurden diese Stücke beim Einstudieren und Hören in Erwartung kommerzieller Volkstümlichkeit als schwer oder schwer verständlich empfunden, was ihn durchaus schmerzte.

Volksnahe Musik

Als Volksschullehrer, Musiker und Komponist blieb Kutzer seiner ostbayerischen Heimat immer treu: Hohenthan, Mitterteich, Stein und Bad Abbach waren zwischen 1945 und 1980 die Stationen seiner pädagogischen Tätigkeit, die er nach seiner Pensionierung als Lehrbeauftragter für Harmonielehre an der Fachakademie für katholische Kirchenmusik in Regensburg fortsetzen konnte. Über seine kompositorische Arbeit äußerte sich Ernst Kutzer vor Jahren einmal so: "Ich möchte Musik machen, die positiv auf das Gefühl einwirkt. Mein Bemühen ist es, volksnahe Musik zu schreiben."

Wunderbare Erinnerungen verbinde er mit Thanhausen und Bärnau, erzählte er einmal in einem persönlichen Gespräch. Als er mit neun Jahren mit seinem schwarzen Geigenkasten zum Stadtkapellmeister Engelbert Michl hinüber nach Bärnau geschickt wurde, war er zunächst wenig davon angetan. Er erinnert sich, dass er mit anderen Buben aus Thanhausen oft querfeldein zur Musikstunde nach Bärnau ging, über die Hammermühle, bei Wind und Wetter, im Winter machten ihnen Schneeverwehungen und die Kälte zu schaffen. Gerne erinnerte er sich auch an die Märkte in Bärnau. "25 Pfennig haben wir Buben damals von den Eltern gekriegt, damit sind wir losgezogen und waren stolz, diesen Betrag ausgeben zu dürfen."

Ernst Kutzer schrieb Orchesterwerke, Kammermusik in den unterschiedlichsten, zum Teil ungewöhnlichen Besetzungen, geistliche und weltliche Chormusik, eine Oper, ein Musical und über 250 Sololieder mit verschiedenen Begleitinstrumenten (Klavier, Harfe, Orgel, Gitarre, Violoncello, Streichquartett). Seine Vokalwerke sind tonal gehalten; instrumental arbeitete er zwischen 1972 und 1983 auch im Bereich der Zwölftonmusik.

Einige Auszeichnungen

1958 Kompositionspreis der "Hibernia" (Herne); 1962 Nordgau-Kulturpreis der Stadt Amberg; 1967 Valentin-Becker-Preis der Stadt Bad Brückenau (für Chorkompositionen); 1971 Kompositionspreis des BDKJ, Diözese Regensburg; 1973 Kulturpreis Ostbayern; 1988 Würdigung durch den Ostbayerischen Tonkünstlerverband; 1993 Bundesverdienstkreuz am Bande; 2003 Ehrenmedaille der Stadt Bärnau;2008 Johann-Andreas-Schmeller-Medaille in Gold. (bir)

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