23.02.2018 - 21:50 Uhr
Bärnau

OWV-Hauptverein entscheidet am 24. März über Verkauf des Schutzhauses Silberhütte nur finanzielle Last

Allein die Betreuung von 4000 Kilometer Wanderwegen fordert den Oberpfälzer Waldverein (OWV) schon mehr als genug. Wie ein Mühlstein hängt dazu an den Ehrenamtlichen das Schutzhaus Silberhütte: Das vormalige "Juwel" beschert in zwei Jahrzehnten mindestens 200 000 Euro Verlust. Jetzt zieht der OWV-Hauptverein die Notbremse.

"Der mögliche Käufer muss auch Investor und Betreiber des Schutzhauses sein." Zitat: Alfred Stier, 1. Bürgermeister Stadt Bärnau
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Nichtöffentlich, rasch und möglichst geräuschlos sollten am 24. März die 54 Zweigvereine - von Tirschenreuth bis Oberviechtach - über das Schicksal der seit einem Jahr verwaisten Silberhütte in einer "internen" Mitgliederversammlung befinden. OWV-Hauptvorsitzender Armin Meßner benennt in der Einladungs-E-Mail (liegt den Oberpfalz-Medien vor) als einzigen Tagesordnungspunkt die "Entscheidung über die weitere Zukunft der Silberhütte": mit der Abstimmung über das "Kaufangebot eines Bewerbers".

Die vertraulichen Vorbereitungen sind schon weit fortgeschritten. So bestätigt der Bürgermeister der Stadt Bärnau, Alfred Stier, auf Nachfrage ein detailliertes Dreier-Gespräch mit dem Kauf-Interessenten und OWV-Chef Meßner: "Vom potenziellen Käufer habe ich einen guten Eindruck." Die Stadt Bärnau wäre demnach in diesem Zusammenhang nicht abgeneigt, vom OWV einen Teil des Grundstücks zu erwerben - um somit bei der strategischen Zukunftssicherung des in der Region außerordentlich stark angenommenen Skilanglaufzentrums den "Fuß in der Tür" zu haben.

Absage von Walter Winkler

"Der mögliche Käufer muss auch Investor und Betreiber des Schutzhauses sein", betont Bürgermeister Stier. Daran scheiterten letztendlich in den vergangenen Jahren diverse Bemühungen um ein tragfähiges Konzept. Recht konkret reiften etwa die Pläne des Witron-Inhabers Walter Winkler. Der seiner Heimat und dem Förderverein Skilanglaufzentrum Silberhütte eng verbundene Unternehmer wollte als Sponsor bis zu zwei Millionen Euro in die Hand nehmen, um das völlig marode Schutzhaus aus dem Jahres 1932 von Grund auf zu sanieren und in einen bodenständigen, modernen Gastronomiebetrieb auszubauen.

Hoffnungen und Erwartungen auf ein neuerliches Engagement erteilt der 80-Jährige eine klare Absage: "Mein Ausstieg aus dem Projekt ist endgültig", unterstreicht Walter Winkler am Freitag. Eine Riesenchance scheint damit vertan. Die Not beim OWV-Hauptverein ist nunmehr groß, das Schutzhaus droht finanziell ein "Fass ohne Boden" zu werden. Armin Meßner schreibt in der Einladung zur außerordentlichen Mitgliederversammlung von einem "erheblichen Reparaturstau" und einer "verfahrenen Situation" - "ohne konkrete Aussicht auf Neuverpachtung". Trotz des Leerstands fallen Unterhaltskosten von jährlich 5000 Euro an. "Auf Dauer können wir diese Belastungen nicht tragen. Entscheidungen, wie es mit der Silberhütte weitergehen soll, müssen getroffen werden."

Meßner bestätigt, dass in 20 Jahren Kosten von 200 000 Euro für den OWV durch das Schutzhaus anfielen, davon allein 90 000 Euro in den vergangenen fünf Jahren: nicht mitgerechnet das hohe Maß an Eigenleistungen. Es mutet wie ein Omen an, dass vor wenigen Tagen auch noch die Heizung einfror.

"Trauerspiel" und "verpasste Chancen"

Beim möglichen Käufer der Silberhütte handelt es sich um einen Privatmann, der in Verbindung zum Skilanglaufzentrum steht und gastronomisch ein noch unbeschriebenes Blatt ist. "Er würde passen", erklärt dazu OWV-Hauptvereinsvorsitzender Armin Meßner.

"Es wäre in der Tat, höchste Zeit, dass für das Schutzhaus endlich eine Lösung gefunden wird, die Bestand hat", betont Frank Kiener, Vorsitzender des Fördervereins Skilanglaufzentrum. Er werde fast täglich von Wintersportlern angesprochen, dass sie gastronomisch vor verschlossenen Türen stehen. Beim OWV, so die Recherchen unserer Zeitung, ist hinter vorgehaltener Hand von einem "Riesenproblem", "verpassten Chancen" und einem "Trauerspiel" die Rede. Meßner drängt dem Vernehmen nach auch deshalb auf eine schnelle Entscheidung, weil er nach 15 Jahren im Amt bei der Jahreshauptversammlung im Mai an einen "geordneten Übergang" denkt: Der wäre nicht möglich, ohne vorher eine tragfähige Lösung für die Silberhütte gefunden zu haben. (cf)

Der mögliche Käufer muss auch Investor und Betreiber des Schutzhauses sein.Alfred Stier, 1. Bürgermeister Stadt Bärnau
Die Führung eines Schutzhauses ist nicht unsere erste Aufgabe.Armin Meßner, Vorsitzender des OWV-Hauptvereins

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