28.04.2017 - 10:20 Uhr
BärnauOberpfalz

Spatenstich für das Archäo-Zentrum im Geschichtspark Bärnau Mittelalterliches Universitätsstädtchen

Eine Zahl, die auch Zweifler beeindruckt: 50 000 ehrenamtliche Arbeitsstunden. So viele waren notwendig, bis aus Alfred Wolfs Vision das größte mittelalterliche Freilandmuseum Deutschlands gewachsen war: der Geschichtspark, den eine Garde bayerischer und tschechischer Politiker am Mittwoch als binationalen universitären Lernort adelte.

Hier entsteht eine europäische Baustelle: Stefan Wolters, wissenschaftlicher Leiter des Archäo-Zentrums (links) und Alfred Wolf (4. von links) enthüllen mit Tschechiens stellvertretender Kulturministerin Anna Matousková (Mitte), Staatssekretär Bernd Sibler und Tschechiens stellvertretenden Regionalminister Zdenek Semorád (4. von rechts) die Projekttafel. Bild: Herda
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Dicht gedrängt standen die Gäste aus Prag, Pilsen und Bamberg am Mittwochabend neben den Vitrinen mit mittelalterlichen Artefakten. Das Pokal-Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund? Keine Konkurrenz für die Sternstunde des Geschichtsparks, der Stadt Bärnau, ja, der gesamten bayerisch-böhmischen Region zwischen Bamberg und Pilsen, wie der Tirschenreuther Landrat Wolfgang Lippert das Ereignis feierte.

Patron Kaiser Karl IV.

Hier am Grenzort der Goldenen Straße wurde der Grundstein gelegt für eine triuniversitäre und binationale Zusammenarbeit. Die kleine Stadt Bärnau als Kristallisationspunkt einer mitteleuropäischen Kooperation und als Avantgarde experimenteller Archäologie: Lernort für Studenten der drei Partner-Universitäten Prag, Pilsen und Bamberg und "Location" eines weltweit einzigartigen wissenschaftlichen Projektes - dem Nachbau einer Reisestation Kaiser Karls IV. mit den Mitteln der damaligen Zeit. Eine Koproduktion von Archäologen, Handwerkern und Kennern mittelalterlicher Techniken.

Kein Wunder, dass die Redner des Abends vor der Enthüllung des EU-geförderten Baustellenschildes große Worte in den Mund nahmen: "Das Projekt Europa muss sich neu beweisen", hängt Bernd Sibler, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, die grenzübergreifende Zusammenarbeit der Universitäten ganz hoch auf. "Es muss wieder geprägt sein vom Miteinander der Menschen." Gewissermaßen die Krise der EU überwinden mit Projekten wie diesen, deren Nutzen den Bürgern einleuchtet, argumentiert der studierte Geschichtslehrer.

Anna Matousková, Tschechiens stellvertretende Kulturministerin, sieht Kaiser Karl IV. als Patron des Projektes: "Seine Persönlichkeit ist Symbol für die Verbindung unserer Länder", erinnert sie an den Europäer auf dem Thron, in Paris erzogen, Vater Deutsch-Luxemburger und Mutter Tschechin. 700 Jahre nach dessen Geburt und 20 Jahre nach der deutsch-tschechischen Erklärung sei man auf dem Weg zu einer guten Nachbarschaft höherer Qualität: "Wir sind Freunde und sehen in eine gute gemeinsame Zukunft", sagte sie unter Applaus.

"Mich freut besonders", lobt Zdenek Semorád, stellvertretender tschechischer Regionalminister, die Öffentlichkeitswirksamkeit des Projektes, "dass das Zentrum für experimentelle Archäologie den Besuchern auf unterhaltsame Weise Geschichte näherbringen will."

Namensvetter Europas

Humoristisch überlieferte Professor Godehard Ruppert, Präsident der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, seine ernst gemeinte Botschaft: "Godehard ist ein Heiliger aus Niederbayern und mein Namenstag der 5. Mai - inzwischen der Europatag", woran man sehen könne, wie er dem Kontinent verpflichtet sei. "Es geht in der Wissenschaft nicht nur um die Disziplin, sondern auch um soziale Kompetenz." Deshalb sei die pratische Zusammenarbeit der Studenten von Universitäten verschiedener Länder, "ein grandioser Nebenaspekt."

Gerade wir am ehemaligen Eisernen Vorhang können vermitteln, dass wir offene Grenzen brauchen.Alfred Wolf, Vorsitzender des Vereins Via Carolina

Archäo-Zentrum Bärnau-Tachov

Die EU fördert das "Archäo-Zentrum Bayern-Böhmen" mit 3,3 Millionen Euro - 2,5 Millionen fließen nach Bärnau. "Das ist auch ein wichtiger Beitrag zur ländlichen Regionalentwicklung auf beiden Seiten der Grenze", betont Alfred Wolf, Vorsitzender des Trägervereins Via Carolina. Sobald wie möglich soll der Bau von Büros und der Archäowerkstatt in Angriff genommen werden. Im Frühjahr 2018 sollen bereits Studenten in den Labors die archäologisch korrekte Zusammensetzung eines Mörtels aus dem 14. Jahrhundert analysieren. Noch heuer möchte der wissenschaftliche Leiter, Stefan Wolters, den Bau einer Reisestation Kaiser Karls IV. in Kooperation mit den Projektpartnern der drei Universitäten (Bamberg, Pilsen, Prag) und Handwerkern mit Kenntnissen mittelalterlicher Bautechniken beginnen. "Ein Steinbau aus dem 14. Jahrhundert, um die historische Lücke im Park zu schließen", sagt Wolters. Bauzeit etwa 15 Jahre. (jrh)

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