14.08.2017 - 20:00 Uhr
BärnauOberpfalz

Workshop im Archaeozentrum Bayern-Böhmen Zeitreise mit Pferd

Zeitreisen sind im Geschichtspark Bärnau-Tachov nichts Besonderes. Doch diesmal geht es nicht nur bis ins Mittelalter, sondern viel weiter zurück. Das Archaeozentrum Bayern-Böhmen beschäftigt sich bei einem Workshop mit dem Miteinander von Mensch und Pferd.

von Externer BeitragProfil

Das Thema lautete "Mit dem Pferd durch Mittelalter und Neuzeit". Unter den knapp 20 Teilnehmern war auch eine Gruppe von Archäologie-Studenten von der Karls-Universität Prag. Die Veranstaltung wurde simultan übersetzt, so dass es hier keinerlei Verständigungsprobleme gab.

Annette Zeischka-Kenzler vom Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Bamberg referierte über die Kulturgeschichte des Zusammenlebens von Mensch und Pferd. Erst einmal habe das Pferd als Jagdbeute Einzug in das Leben des Menschen gefunden, wusste sie. Die Domestizierung sei etwa im 4. Jahrtausend vor Christi erfolgt. "Das schnelle Pferd wurde zunächst vor den Streitwagen gespannt, bis sich wohl im 2. Jahrtausend in den Steppen Zentral- oder Ostasiens jemand auf seinen Rücken schwang. Fortan veränderte sich die Welt: Der Mensch war nun schneller mobil, und Eroberungen wurden leichter", so die Expertin.

Bis zum Einsetzen der Industrialisierung war das Pferd nach ihren Ausführungen ständiger Begleiter des Menschen. Doch auch im Mittelalter und der Neuzeit besaßen es nur wenige. Ein Ziel des Workshops war zu ergründen, warum das Pferd ein Luxustier war und ist. Eine Rolle spielte wohl, dass Pferde sehr empfindlich sind, was Futter und Anatomie betreffen, und es Jahre dauert, bis sie überhaupt einsetzbar sind. Das Zubehör ist teuer, Haltung und Umgang erfordern einiges an Wissen.

Im Zweiten Teil des Workshops erlebten die Teilnehmer live einen hochmittelalterlichen Ritter. So erklärte Thomas Krause von der Reenactment Gruppe "Die Freien von der Karlshöhe" anschaulich die umfangreichen Vorbereitungen eines Ritters. Beginnend mit der Vorstellung des Pferdetyps - hier ein Haflinger des alten Schlags - über das Zubehör, das Satteln und Zäumen bis hin zur Ausstattung eines Ritters dieser Zeit.

Den Teilnehmern wurde klar, dass das Leben eines Ritters zu Pferd nicht so einfach war und er viel Wissen, Zeit, Equipment und Personal benötigte. So muss ein Pferd erst einmal intensiv ausgebildet und trainiert werden, bevor es überhaupt für den Kampf eingesetzt werden kann. Gleiches gilt für den Reiter. Schon das Anziehen der gesamten Ausrüstung mit Kettenhemd, Helm und Lanze ließ sich teilweise nicht mehr selbst bewältigen. Die Teilnehmer erkannten auch, dass in Filmen meist unrealistische Bilder zu sehen sind.

Aufgrund der positiven Resonanz soll der Workshop wiederholt werden, zumal sich das Angebot mit den Zielen des Archaeozentrums Bayern-Böhmen, weite Teile der Bevölkerung dauerhaft, nachhaltig und umfassend über das gemeinsame Kultur-, und Naturerbe zu informieren, deckt.

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