12.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Fernfahrer soll aus Frust jahrelang auf Lastwagen geschossen haben - Teilgeständnis vor Gericht "Denkzettel" aus der Pistole

Ein Fernfahrer aus der Eifel hat die Serie von Schüssen auf deutschen Autobahnen gestanden, den Vorwurf des versuchten Mordes aber zurückgewiesen. Niemals habe er "auch nur in die Nähe, geschweige denn in oder auf Führerhäuser" anderer Lastwagen gezielt oder geschossen, betonte der 58-Jährige.

Freihändig schoss er aus dem Fenster: Ein Lastwagenfahrer gesteht vor Gericht, jahrelang auf der Autobahn geschossen zu haben. Motiv: Frust auf der Straße. Schärfster Vorwurf: versuchter Mord. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Eine entsprechende Erklärung verlas sein Verteidiger Franz-Josef Krichel am Montag vor dem Landgericht Würzburg. "Mir ist bewusst, dass mein Handeln für Außenstehende in keiner Weise nachvollziehbar ist." Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen hatte zuvor in der Anklage argumentiert, der Mann habe den möglichen Tod anderer Menschen billigend in Kauf genommen. Er warf ihm in fünf Fällen versuchten Mord vor.

Drei Verletzte

Die mysteriöse Serie von Schüssen hatte jahrelang für Aufsehen gesorgt und die Ermittler in Atem gehalten. Der Angeklagte soll hundertfach vom Steuer auf andere Fahrzeuge geschossen haben. Drei Menschen wurden dabei verletzt, im gravierendsten Fall trafen Projektilsplitter eine Geschäftsfrau in den Hals.

Wie viele Schüsse er abgegeben habe und wo, daran könne er sich nicht mehr erinnern, erklärte der Mann. Als Grund für seine Taten nannte er auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Burkhard Pöpperl Verärgerung über das Verhalten von Fahrern vor allem ausländischer Autotransporter. Zudem sei er mehrfach überfallen worden. Er sprach von "Krieg auf der Autobahn" und bestätigte Pöpperl, es sei um Genugtuung und Selbstjustiz gegangen. Er bat die Opfer um Entschuldigung.

Der Mann habe den Fahrern "Denkzettel" für ihr Fahrverhalten verpassen wollen, indem er auf Ladung oder Lkw schoss, erläuterte Raufeisen. Dabei habe der Angeklagte zwei Waffen mit selbstgebauten Schalldämpfern benutzt: erst ein Kleinkaliber, später auch eine Pistole des gefährlicheren Kalibers 9 Millimeter. Zwar habe der Mann damit nur Schäden anrichten wollen. Nach Überzeugung Raufeisens waren die Folgen der Schüsse aber nicht zu kontrollieren: Der Mann habe freihändig und ohne genaueres Anvisieren durch die geöffnete Scheibe geschossen, Windböen oder Fahrbahnunebenheiten hätten die Schüsse ablenken können.

Jahrelange Ermittlungen

Der Angeklagte soll deutlich mehr als 700 Mal zur Waffe gegriffen haben, angeklagt sind 171 Fälle. Die Staatsanwaltschaft hatte dies bei der Anklageerhebung damit begründet, dass das Verfahren so auf ein handhabbares Maß begrenzt werde. Dem Mann werden dabei auch gefährliche Körperverletzung, unerlaubter Waffenbesitz, Sachbeschädigung und Eingriff in den Straßenverkehr zur Last gelegt. Die Behörden hatten jahrelang gefahndet. Erst eine umfangreiche Kennzeichenerfassung an betroffenen Autobahnabschnitten führte schließlich 2013 auf die Fährte des Kraftfahrers. (Angemerkt)

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/autobahnschuetze

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