20.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Footballspieler Madiama Diop darf nicht bei Auswärtsspielen auflaufen - er ist Asylbewerber Ein Panther muss daheimbleiben

Von Würzburg nach Bamberg sind es nicht einmal 100 Kilometer. Ein Katzensprung für die Würzburg Panthers, als sie Anfang August in den Play-offs der bayerischen Landesliga im American Football bei den Bamberg Bears auflaufen mussten. Nur ein Spieler durfte den knappen Sieg seines Teams nicht miterleben.

Der senegalesische Footballspieler Madiama Diop (links) von den Würzburg Panthers mit Trainer Johannes Brandt. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Der Grund: Rund 14 Kilometer vor der Autobahnausfahrt Bamberg verläuft die Grenze zwischen den Regierungsbezirken Unterfranken und Oberfranken. Und als Asylbewerber darf der Spieler Madiama Diop diese Linie nicht überschreiten. Eine Ausnahme von der Residenzpflicht für das Spiel verweigerte die zuständige Behörde bei der Regierung von Mittelfranken dem Senegalesen.

Seit 2013 in Deutschland

Seitdem protestieren Diops Teamkameraden gegen die aus ihrer Sicht unsinnige Entscheidung. Und auch in der Politik gibt es großes Unverständnis. "Für mich ist das Unmenschlichkeit", sagte der SPD-Abgeordnete und frühere Oberbürgermeister Georg Rosenthal. Die Behörde dagegen betont, sie habe aufgrund der Rechtslage keine andere Wahl gehabt.

Madiama Diop ist groß und muskulös. Wenn er in einem Mix aus Deutsch, Englisch und Spanisch mit seinen Teamkameraden scherzt, liegt ein breites Lachen auf seinem Gesicht. In seiner Heimat sah der Ex-Soldat keine Zukunft. Er lebte kurz in Frankreich, Spanien und England. Seit dem Frühjahr 2013 ist er in Deutschland. Der 29-Jährige lebt in der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft, einer ehemaligen Kaserne fern des Zentrums. Sein Asylantrag läuft noch.

Das Herz zählt

Zu den Panthers kam er vor einigen Monaten über das von der Stadt geförderte Projekt "Sport ohne Grenzen" der Würzburger Freien Turnerschaft. "Ich bin so glücklich über dieses Team", sagt Diop. "Die Hautfarbe interessiert sie nicht. Das, was sie interessiert, ist das Herz." Interimstrainer Johannes Brandt sagt: "Er ist sowohl sportlich als auch privat eine Bereicherung."

Als sie für das Spiel eine Ausnahmegenehmigung beantragten, sei die Reaktion gleich sehr ablehnend gewesen, erzählt Stefan Rinke, der sich um das Projekt "Sport ohne Grenzen" kümmert. Im Ablehnungsbescheid der Zentralen Rückführungsstelle Nordbayern sei die Rede davon, dass der Freizeitwert im Vordergrund stehe. "Das ist eine völlige Fehlbewertung der Rolle des Sports für die Integration", kritisiert er. "Für die ist das nur persönliches Vergnügen. Aber es ist so viel mehr."

Die Behörde sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Ein Sprecher verweist auf die geltende Rechtslage. Eine Ausnahme sei nur bei dringendem öffentlichen Interesse oder zwingenden Gründen wie dem Besuch eines Facharztes möglich, oder falls eine Verweigerung eine "unbillige Härte" bedeute. Beispiele dafür seien etwa die Teilnahme an der Beerdigung eines nahen Verwandten im Ausland oder für Minderjährige die Teilnahme an einem Schulausflug.

Für Diop ist die Entscheidung ein Beispiel für die Widerstände, auf die er als Asylbewerber in Deutschland trifft. "Ich mache alles, um mich zu integrieren", sagt er. "Aber man gibt uns nicht die Chance dazu."

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