22.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Junge Medizinstudentin zeigte den Bamberger Chefarzt an - Ermittlungen auf Hochtouren Suche nach weiteren Opfern

Es war eine Studentin, die den Missbrauchsskandal am Bamberger Klinikum ans Licht gebracht hat. Die 26-Jährige habe in dem Krankenhaus ein Praktikum als Teil ihres Studiums gemacht, sagte Xaver Frauenknecht, Vorstandschef der Sozialstiftung Bamberg, zu der das Klinikum gehört. Dabei nahm die Studentin an einer angeblichen Studie des mutmaßlichen Täters teil.

Xaver Frauenknecht, Vorsitzender des Vorstandes der Sozialstiftung Bamberg, vor dem Eingang des Klinikums Bamberg. Er beschreibt den mutmaßlichen Vergewaltiger als bisher "positive Erscheinung". Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

"Diese Studie hat es nie gegeben", sagte Frauenknecht am Donnerstag. Sie war nur ein Vorwand. Der Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie spritzte der jungen Frau demnach gegen ihren Willen ein starkes Beruhigungsmittel, das sie kurzzeitig bewusstlos machte. In dieser Zeit soll sich der Mann an ihr vergangen und davon auch Fotos gemacht haben.

Noch mehr Fälle vermutet

In drei weiteren bisher bekannten Fällen soll der Arzt ebenso vorgegangen sein. Auch davon gibt es zahlreiche Bilder. Die Ermittler gehen aber von noch mehr Betroffenen aus. Der Mediziner sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft.

Die Studentin ging laut Frauenknecht nach dem Vorfall in ein anderes Krankenhaus und ließ dort ihr Blut untersuchen. Danach erstattete sie Anzeige wegen Körperverletzung gegen den 48-Jährigen. Von dem Missbrauch erfuhr sie erst durch die Ermittlungen, da sie währenddessen bewusstlos war.

Der Arzt hat sich vor dem Ermittlungsrichter inzwischen zu den Vorwürfen geäußert. Zum Inhalt der Aussage wollte der Leitende Oberstaatsanwalt Bardo Backert am Donnerstag jedoch nichts mitteilen. Neben Körperverletzung werden dem Mann sexueller Missbrauch und Vergewaltigung vorgeworfen. Die Klinik geht nach Angaben einer Sprecherin davon aus, dass keine Patientinnen betroffen sind, sondern Frauen, die sich freiwillig an der angeblichen Studie beteiligt hatten.

Der mutmaßliche Täter war bislang auch ranghoher Funktionär der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie, er galt nach Angaben der Kollegen als Kapazität auf seinem Gebiet. Der zweifache Vater sei witzig und erzähle oft von seiner Familie. "Er ist eine positive Erscheinung: Empathisch, erfolgreich und hat schwerkranke Menschen geheilt", sagt Xaver Frauenknecht.

Spezialisten untersuchen derzeit die zahlreichen Fotos, die sie bei dem Mediziner gefunden haben. Auf einigen sind die Frauen zu erkennen, auf anderen sind nur einzelne Körperteile zu sehen. Für die Ermittler ist es nicht leicht, die Betroffenen zu identifizieren. Die Polizei hat weitere eventuell betroffenen Frauen aufgerufen, sich zu melden.

"Die Taten geschahen außerhalb des normalen Geschäftsbetriebs", betonte Backert. Die Klinik nimmt an, dass es abends oder am Wochenende war. Eine Studie müsse normalerweise zwingend angemeldet und genehmigt werden, und dann sei auch meist nicht nur ein Arzt anwesend, sagte die Kliniksprecherin.

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