29.08.2015 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Milliarden-Geschäft Nachhilfe

Wenn es in der Schule für den Nachwuchs nicht rund läuft, werden Eltern schnell unruhig. Viele setzen auf Nachhilfe, das verschafft kommerziellen Anbietern Milliarden-Umsätze.

Nachhilfe für Kinder und Jugendliche gehört für viele Eltern inzwischen zur Standardkarriereförderung. Bild: dpa
von Redaktion OnetzProfil

Gut eine Million Kinder und Jugendliche büffeln außerhalb der Schule für bessere Zensuren, um später einen guten Ausbildungs- oder Studienplatz zu ergattern. Der Nachhilfe-Branche in Deutschland verschafft das jährliche Umsätze von rund zwei Milliarden Euro.

Pro Schüler und Monat geben die Eltern etwa 100 bis 110 Euro aus. Eigentlich wäre der Markt viel größer, denn nur etwa ein knappes Drittel der Eltern bucht Hilfe bei professionellen Anbietern. Weitaus häufiger kommt die Lern-Unterstützung aus der Familie oder dem Freundeskreis. Aber auch ältere Schüler, Studenten, pensionierte Lehrer oder arbeitslose Akademiker verdienen sich mit Nachhilfe ein paar Euro hinzu - und das nicht selten am Fiskus vorbei.

Ihre Klientel finden sie schon unter Dritt- und Viertklässlern: Große Klassen an vielen Grundschulen und gestiegene Anforderungen durch gemeinsamen Unterricht für Kinder mit und ohne Behinderungen machen es den Lehrern schwerer, allen Schülern gerecht zu werden. Die meisten Nachhilfe-Stunden aber werden von Gymnasiasten in Anspruch genommen, denen auch die teils verkürzte Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre zu schaffen macht. Unterstützung suchen die Schüler vor allem in den Hauptfächern Mathematik, Deutsch und Englisch, aber auch in Physik und den anderen Fremdsprachen.

Von einem Nachhilfe-Boom könne keine Rede sein, sagt Thomas Momotow von der Studienkreis GmbH, die mit bundesweit rund 1000 Nachhilfe-Schulen neben der Schülerhilfe zu den zwei großen Anbietern in Deutschland gehört. Zum einen sinken die Schülerzahlen wegen rückläufiger Geburtenraten, zum anderen nehmen Ganztagesklassen und Betreuungsangebote am Nachmittag den Schülern die Zeit, Nachhilfe in Anspruch zu nehmen. Der Markt sei relativ gesättigt und es herrsche ein Verteilungskampf, sagt Momotov.

Nachhilfe leider normal

Elternverbände empfehlen, nicht zu früh zu viel Druck aufzubauen. "Viele Eltern denken, nur mit einem möglichst hohen Schulabschluss kann es das Kind zu was bringen", sagt etwa der Vorsitzende des Bayerischen Elternverbandes, Martin Löwe. Auch in Bayern, das als das Bundesland mit dem anspruchsvollsten Schulsystem gilt, böten sich schwächeren Schülern Chancen durch Querverbindungen zwischen den Schulformen. Nachhilfe sei "leider zur Normalität" geworden, sagt Löwe. "Wenn ein staatliches Schulsystem existiert, sollte es auch gewährleisten, dass die Kinder innerhalb dieses Systems zu vernünftigen Abschlüssen kommen."

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