08.05.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Ulvi K. wird wahrscheinlich freigesprochen - Sachbeweise für seine Schuld fehlen komplett: Fall Peggy: die Wende

Im neuen Prozess um die seit 13 Jahren spurlos verschwundene Peggy aus Oberfranken kann der wegen Mordes angeklagte Ulvi K. auf einen Freispruch hoffen. Das Landgericht Bayreuth beendete am Mittwoch die Beweisaufnahme vorzeitig.

Gudrun Rödel, Gründerin der Initiative "Gerechtigkeit für Ulvi K.", richtet dem als Peggys Mörder verurteilten Ulvi K. im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Bayreuth den Kragen. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

"Bis zum heutigen Tag ist kein einziger Sachbeweis für das damalige Geständnis von Ulvi K. gefunden worden", sagte der Vorsitzende Richter Michael Eckstein. Das Urteil soll am 14. Mai bekanntgegeben werden. Ulvis Anwalt Michael Euler sagte, er rechne mit einem Freispruch.

Peggy wird seit dem 7. Mai 2001 vermisst, eine Leiche der damals neun Jahre alten Schülerin wurde nie gefunden. Als ihr Mörder wurde im April 2004 in einem Indizienprozess Ulvi K. zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Gericht fehlt Überzeugung

"Um den Angeklagten schuldig sprechen zu können, müssen wir die Überzeugung gewinnen, dass der Angeklagte diese Tat begangen hat - und dies auch begründen können", erläuterte Eckstein. Einziges Beweismittel ist ein Geständnis von Ulvi K., das er im Juli 2002 ablegte, aber später widerrief.

Der psychiatrische Sachverständige habe in seinem mündlichen Gutachten ausgeführt, es sei nicht mehr auszuschließen, dass der Angeklagte ein falsches Geständnis abgegeben habe, sagte der Richter. "Das ist ein wichtiger Punkt." Beim ersten Prozess im Jahr 2004 hatte der Psychiater diese Einschränkung nicht gemacht.

In dem neuen Prozess ging es vor allem um die Frage, wie glaubhaft die Angaben des Angeklagten vor zwölf Jahren waren - sie ähnelten der vermuteten Tatversion der Polizei auffällig. Das wurde aber erst Jahre später bekannt. Ulvi K. hatte später immer wieder betont, nicht der Mörder der kleinen Peggy zu sein. Der Vorsitzende Richter äußerte am Mittwoch Zweifel am angeblichen Tathergang. Dieser mute an mehreren Stellen eigenartig an. Eckstein wies auf einen Schülerlotsen hin, der Peggy auch nach dem angeblichen Zeitpunkt ihrer Ermordung noch im Ort gesehen haben will. Zudem gebe es mittlerweile drei weitere Tatverdächtige, sagte Eckstein.

Mehrere Verdächtige

Seit Sommer 2012 wird im Fall Peggy neu ermittelt. Eine Spur brachte die Polizei auf einen Mann aus Halle in Sachsen-Anhalt. Der 29-Jährige, ein ehemaliger Bekannter von Peggys Familie, sitzt derzeit wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter in Haft. Er habe eingeräumt, sich auch an seiner Nichte mehrmals vergangen zu haben, gab ein Polizeibeamter an. Auffällig daran ist, dass die Nichte im gleichen Haus wie Peggy wohnte und der Missbrauch wenige Wochen vor Peggys Verschwinden stattfand. Der Mann habe die Taten gestanden, streite aber vehement ab, etwas mit dem Fall Peggy zu tun zu haben, sagte der Beamte. In der Haftzelle des 29-Jährigen fanden Polizisten ein Foto von Peggy. Zum Kreis der Tatverdächtigen zählen außerdem der Halbbruder des Mannes und ein Lichtenberger, der bereits wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt wurde.

Als letzte Zeugin im neuen Strafverfahren gegen Ulvi K. wurde am Mittwoch Peggys Mutter gehört. "Der 7. Mai war sowieso ein beschissener Tag", sagte die Frau, die von Lichtenberg nach Halle umgezogen ist. "Es hat geregnet, die Stimmung zu Hause war schlecht, und Peggy wollte nicht zur Schule gehen." Sie habe ihre Tochter trotzdem hingeschickt. Nach Hause kam sie nie wieder.

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